Putzen
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Waschmittel, Spülmittel, Backofenreiniger, Glasreiniger, Allzweckreiniger: Etwa eine Million Tonnen kaufen Deutschlands Verbraucher jedes Jahr davon ein. Im Durchschnitt stehen 15 verschiedene Reinigungsmittel in jedem deutschen Haushalt. Auf Hausmittel wie Backpulver, Essig oder Zitrone verlässt sich die Hälfte der Deutschen. Manches wirkt – manche Mittel können aber auch schaden.

Mythos 1: Essig ist eine Allzweckwaffe im Haushalt

FALSCH! Essig wirkt zwar gut beim Entkalken oder um Flächen hygienisch rein zu wischen. Vorsicht allerdings bei Oberflächen aus Gestein. Hier ist Essig nicht nur ungeeignet, sondern sogar gefährlich, denn die Säure kann sich aggressiv in das Material hineinfressen und so Oberflächen zerstören. Für Rohre oder Gummidichtungen ist Essig ungeeignet – ja sogar gefährlich! Also nicht regelmäßig für die Waschmaschine benutzen!

Mythos 2: Mineralwasser entfernt Flecken im Teppich

Richtig! Schnelles Handeln lautet die Devise bei Flecken im Teppich. Hier hilft Mineralwasser, denn die Kohlensäure löst Farb- und Gerbstoffe aus den Fasern (Achtung: jedoch kein Fett oder Öl!). Je mehr das Wasser sprudelt, desto besser lassen sich die Schmutzpartikel aus dem Teppich entfernen. Wichtig: Haben Sie den Fleck im Sprudelwasser ertränkt, müssen Sie ihn nur noch mit einem saugfähigen Tuch in kreisenden Bewegungen aufsaugen. Dabei immer schön in eine Richtung tupfen, niemals reiben!

Mythos 3: Backpulver ist immer gut

Backpulver ist – ähnlich wie Natron – ein vielseitig einsetzbares Hausmittel. Allerdings: Zum Fugenreinigen eignet es sich nicht. Zwar hellt es zuerst prima die Fugen auf. Leider ist die darin erhaltene Stärke aber eine gute Nahrungsquelle für Schimmel – begünstigt also dessen Ausbreitung.

Mythos 4: Ketchup hilft als Erste-Hilfe-Maßnahme gegen Eingebranntes

Falsch! Wir haben es selbst getestet: Das ist Unsinn.

Wundermittel Natron?

Natron heißt in der Fachsprache „Natriumhydrogencarbonat“ und wird auch „Natriumbicarbonat“ genannt. Oft wird es auch als Backsoda, Kaiser Natron, Speisenatron oder als Speisesoda bezeichnet. Nicht verwechseln mit Waschsoda – Natriumcarbonat! Waschsoda ist aggressiver und reizt die Atemwege.

Fettige Verschmutzungen in Haushalt und Wohnung lassen sich mit Natron gut beseitigen. Natron reagiert mit Wasser als Lauge. Dabei entstehen aus Fettsäuren und Natrium im Natron Salze, die man als Tenside bezeichnet, waschaktive Substanzen wie sie auch in Waschmitteln und Spülmitteln verwendet werden. Bei der Reaktion von Natron mit Fett entsteht genau genommen Seife!

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Wie kann ich  Natron benutzen?

1. Natron neutralisiert Gerüche
Müffeln die Schuhe? Natron hilft! Etwas Natron in eine Nylonsocke oder Papierteefilter füllen und über Nacht in die Schuhe legen.

2. Natron in die Waschmaschine
Ein Esslöffel Natron zum Waschmittel geben desodoriert die Wäsche, macht das Wasser weicher und säubert die Waschmaschine. Man kann Natron auch als Weichspüler benutzen – dafür sollte man 1 EL in ca. 100 ml heißem Wasser auflösen und in die Weichspülkammer geben

3. Natron bei verschmutzter Kleidung
Natron dient auch als Fleckentferner. Dazu drei Teile des Pulvers mit einem Teil Wasser vermischen. Die Paste auf den Fleck geben, ein wenig einreiben und nach einer Stunde auswaschen. Bei empfindlichen Kleidungsstücken am besten vorab an einer nicht sichtbaren Stelle testen.

4. Natron als Scheuermittel
Die oben beschriebene Fleck-Weg-Paste eignet sich übrigens auch hervorragend, um Bad und Küche zu schrubben. Gerade schwierig zu reinigende Flächen wie Fliesenfugen werden so wieder blitzeblank.

5. Natron zum Reinigen von Backöfen und Töpfen
Hartnäckige Verschmutzungen im Backofen bekommt man mit einem Gemisch aus Natron und Wasser wieder sauber. Beides in einem Verhältnis 1:1 mischen, auf die betroffenen Stellen geben und über Nacht einwirken lassen. Am nächsten Morgen lassen sich die Krusten mit einem Schwamm ganz easy entfernen. Bei angebrannten Töpfen kocht man in diesem am besten einen Liter Wasser mit einem Esslöffel Natron auf - so lösen sich die schwarzen Stellen, die sich dann wegwischen oder je nach Verschmutzungsgrad abschaben lassen.

6. Trinkflaschen mit Natron reinigen
Manche Gefäße wie z. B. Trinkflaschen oder auch Kaffee- oder Teekannen sind nur sehr schwer zu reinigen. Auch hier hilft Natron. Einen Esslöffel des weißen Pulvers einfüllen, mit kochendem Wasser aufgießen, abkühlen lassen und ausspülen. So verschwinden alle Beläge. Bei hartnäckigen Verschmutzungen über Nacht einwirken lassen.

7. Natron bei verstopften Abflüssen
Ganz allein schafft Natron verstopfte Abflüsse nicht zu beseitigen. In Verbindung mit Essig wird aus dem weißen Pulver aber eine Wunderwaffe. Dazu erst zwei Esslöffel Natron in den Ausguss geben, und eine halbe Tasse Essig hinterher gießen. Es schäumt und blubbert rund eine Viertelstunde - anschließend einfach mit Wasser hinterherspülen.

Achtung: Verschmutzungen mit Kalk, also Kalkablagerungen, ist mit Natron und Soda nicht beizukommen. Hier hilft dann ein säurehaltiger Reiniger, zum Beispiel Essig oder Zitronensäure.

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Wieviel Reinigungsmittel brauchen wir?

Experten meinen: Es reichen 4 Grundreinigungsmittel im Haushalt. Ein Allzweck-Haushaltsreiniger, ein Spülmittel, Zitronensäure, und Natron sollten in keinem Haushalt fehlen.

Von antibakteriellen Reinigern raten Experten dagegen ab: Die Mittel greifen auch nützliche Bakterien der Hautoberfläche an und machen sie anfällig für Krankheitserreger. Auch die Lunge kann Schaden nehmen.

Die meisten Desinfektionsmittel sind zudem nur schwer biologisch abbaubar, da sie auch vor Bakterien in den Kläranlagen nicht Halt machen. Die Konzentration in Haushaltsreinigern ist oft zu niedrig, um wirklich alle Bakterien abzutöten. Die überlebenden Keime werden resistent und können nicht mehr erfolgreich bekämpft werden.

Autorin: Caroline Habel

Sendung: hr-fernsehen, "alles wissen", 21.03.2019, 20:15 Uhr