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So langsam ist sie rum, die Heizperiode. Und viele treibt da Sorge um, wie wohl ihre Heizkostenrechnung ausfallen könnte. Die kann ganz schön ins Geld gehen. Zweidrittel des gesamten Energieverbrauchs macht die normalerweise aus – da kommen im Jahr schnell mal 1.200 Euro zusammen für eine 4-Zimmerwohnung.

Und diesmal könnte es noch teurer werden. Denn die Preise für Strom, Gas und Öl haben nochmals ordentlich angezogen. Da ist also die Frage – Was könnte man machen, damit die Kosten im nächsten Jahr nicht aus dem Ruder laufen?

Er will es kühl, sie will es heiß! – Und die Heizkosten laufen davon

Er will es kühl – sie will es heiß. Kaum ist sie raus, reist er die Fenster auf. Kommt sie zurück, dreht sie die Heizung höher. Und der Gaszähler? – Er rotiert und sorgt für eine hohe Heizkostenabrechnung. Ein Konflikt, den auch Familie Schulz bestens kennt. Dabei wollen Christian Schulz und seine Frau eigentlich so umweltschonend wie möglich heizen. "Den Konflikt", sagt der Hausbesitzer, "gab´s eigentlich schon relativ oft, dass meine Frau die Heizung in den Räumen hochgedreht hatte. Ich bin dann wieder gekommen und hab sie runter gedreht. Und letztendlich hatten wir am Ende des Jahres eine relativ hohe Heizkostenabrechnung."

Doch vor kurzem haben die Schulzes einen Weg gefunden, wie sie ihr Problem in den Griff kriegen könnten: Rund 500 Euro investierte das Ehepaar in diese vernetzte Heizungssteuerung. Ein System, das beim Heizen automatisch mitdenkt: Etwa, um die Gradzahl im Haus konstant auf derselben Wohlfühl-Temperatur zu halten. Das aber auch die Temperatur um bis zu 5 Grad reduziert, wenn das Ehepaar das Haus verlässt, um zur Arbeit oder für länger in den Urlaub zu fahren.

Intelligentes Heizen spart bis zu 30 Prozent Kosten

Intelligentes Heizen nennt sich das. Und es ist eine Möglichkeit für Hausbesitzer und Mieter, bis zu 30 Prozent ihrer Heizkosten einzusparen. In München, bei Tado, hat man sich genau das zum Ziel gesetzt. Es zählt europaweit zu einem der Startup-Unternehmen, das sich auf die Entwicklung solch intelligenter Heizprogramme spezialisiert hat.

"Die meisten lassen die Heizung immer durchlaufen. Egal, ob sie tagsüber bei der Arbeit sind oder am Wochenende unterwegs sind", weiß Christian Deilmann. Er ist Gründer und Vorstand bei Tado. Seine Heizung durchlaufen zu lassen, sei eine große Energieverschwendung. "Wenn niemand da ist, brauch es keine 22 Grad sein. Es reicht, wenn 16 Grad ist. Genauso wird wenig darauf geachtet, die Heizung auszustellen, wenn man gerade lüftet. Und man muss natürlich nicht aus dem Fenster hinaus heizen."

Um hier einen Spareffekt zu erreichen, haben die Entwickler das Heiz-Steuerungsmodul mit einer speziellen Smartphone-App verkoppelt. Sie registriert nicht nur, wenn jemand das Haus verlässt oder wieder zurückkommt. Die App kann auch die Luftfeuchtigkeit in der Wohnung messen. Hausbesitzern kann so mitgeteilt werden, wann die Fenster etwa zum Lüften geöffnet werden müssen. Denn wenn man nicht richtig lüftet, kostet das viel mehr Energie, sagt Deilmann. "Feuchtigkeit hängt in den Wänden, in den Möbeln, in Kleidungsstücken. Und dieses Wasser erst mal zu verdampfen, benötigt einfach mehr Energie. Und es geht nicht nur um den Energieverbauch. Sondern, wenn man zu wenig lüftet, entsteht auch Feuchtigkeit und es kann auch Schimmel entstehen."

Richtiges Lüften hilft, Energieverschwendung in den Griff zu bekommen…

Ein Problem, das nicht zu unterschätzen ist, weiß man auch in Bielefeld. Bei einem Forschungsprojekt der Technischen Fachhochschule und der Universität geht man dort derzeit der Frage nach, was Hausbewohner bei ihrem Heiz- Lüftverhalten häufig falsch machen. Denn dabei gehen rund 15 Prozent der Energie verloren, sagt Grit Behrens. Sie ist an der Fachhochschule Professorin für Energieinformatik: „Selbst wenn Leute das gelernt haben, mit dem richtigen heizen und lüften. Dann kommt es auch häufig vor, dass die das wieder vergessen. Und man muss das eben auch wirklich lernen, dass man dauerhaft richtig lüftet.“

Um den typischen Fehlern des Heiz-Lüftverhaltens auf die Spur zu kommen, hat das Forscherteam zum Start der Heizperiode letzten Herbst in mehreren Mietwohnungen Mess-Sensoren verlegt. Besonders im Focus der Forscher bei ihrem Test: das Wohnzimmer und die Küche!

Die größten Fallen - falsches Lüften kann fatale Folgen haben  

Sechs Monate, rund um die Uhr, prüfen die Sensoren dort Raumtemperatur, Höhe des CO2 Gehalts und die Luftfeuchtigkeit. Dabei unterstützt die Wissenschaftler ein spezielles Programm, das sie für diesen Test entwickelt haben. Es kontrolliert nicht nur das tatsächliche Heiz- und Lüftverhalten der Probanden. Es erkennt auch die Abweichungen von der optimalen Heiz- und Lüftungsnorm, so Behrens. Und es registriert dabei die Fehler, die die Probanden gemacht haben: "Ganz häufig haben die Leute in den Wohnzimmern, wo sie den ganzen Tag leben, gar nicht gelüftet. Dadurch ist die Luft sehr feucht geworden. Und dadurch kann Schimmelbildung entstehen, in diesem Zimmern. Und wichtig ist es, dass man hier zweimal am Tag ordentlich stoßlüftet, 5 bis 10 Minuten, damit die Luftfeuchtigkeit und das CO2 nach außen kommen können.

Auch in der Küche registrierten die Sensoren der Forscher typische Fehler: Beim Kochen etwa wurde nicht gleich das Fenster gekippt oder kurz danach ganz geöffnet. Hier stieg deswegen die Luftfeuchtigkeit auf bis zu 90 Prozent an und verteilte sich in der ganzen Wohnung.

Doch ein Mess-Ergebnis hat die Forscher bei ihrem Test besonders überrascht: Der Weihnachtsbesuch von Kindern und Enkeln bei ihren Großeltern. Über fünf Stunden treibt der im Wohnzimmer nicht nur die Luftfeuchtigkeit an die kritische Grenze. Die CO2 Belastung übersteigt hier die zulässigen Werte weit übers Doppelte: "Bei so viel Personen auf so engem Raumkriegt man zwangsläufig Kopfschmerzen und fühlt sich schlecht, wenn der CO2 Gehalt so stark ansteigt", weiß die Energieinformatikerin. "Ähnliche Situationen haben wir auch in Büroräumen. Wo zusätzlich noch Computer laufen, Schadstoffe aussenden. Bei solchen Situationen, bei so vielen Personen in einem Raum, muss ich wirklich häufiger lüften. Und vielleicht alle zwei Stunden, damit sich alle  wohl fühlen und die Raumluft gesund ist."

Richtiges lüften muss regelmäßig trainiert werden

Um das zu erreichen, arbeitet das Hochschul-Team derzeit an einer künstlichen Intelligenz: Ihre Zukunftsvision: Sogenannte Home-Roboter sollen nicht nur das falsche Heiz- und Lüftverhalten von Haus- und Wohnungsbesitzern analysieren. Sie sollen mit ihnen zu Hause auch trainieren, wie man so energieeffizient wie möglich heizt und lüftet.

Für Christian Schulz ist das noch reine Zukunftsmusik. Er ist zufrieden damit, dass ihm die App detaillierte Auskunft darüber geben kann, wie viel Heizenergie verbraucht wurde und wo das Einsparpotenzial liegt. "Die App hat eine Auswertung gezeigt, dass wir allein schon im ersten Monat 28 Prozent an Energiekosten eingespart haben. Und wenn ich das jetzt mit den alten Zahlen der Heizkostenabrechnung von vorher vergleiche, dann würd ich da mal unterstellen, dass wir da 300 bis 400 Euro einsparen können, pro Jahr!"

Auch mit der Raumtemperatur sind die Eheleute zufrieden. Da keiner mehr heimlich die Heizung hoch oder runter dreht, bleibt die jetzt konstant bei 21 Grad. Die optimale Wohlfühl-Temperatur für beide!

Autor: Dirk Kunze

Sendung: hr-fernsehen, "alles wissen", 14.03.2019, 20:15 Uhr