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zum Video Im Urlaub die Welt retten?

Familie beim Ausflug im Wald

Nachhaltig leben ist im Alltag schon nicht so einfach. Wie sieht es da erst im Urlaub aus?

Bei einer Flugreise haben viele von uns inzwischen ja schon ein schlechtes Gewissen. Flugzeuge verursachen bekanntlich am meisten Treibhausgase. Vielleicht muss es ja auch nicht immer eine Flugreise sein. Wenn sie schon weit weg fliegen wollen, dann also vielleicht nicht nur für einen Wochenend-Ausflug über den Atlantik nach New York. Und achten Sie auf den Flugzeugtyp: Moderne Flugzeuge sind kerosinsparender. Noch besser natürlich: Aufs fliegen verzichten. Alleine das Auto spart 30% CO² gegenüber dem Flugzeug, eine Zugfahrt verbraucht noch einmal ein Viertel weniger als das Auto und mit dem Reisebus, mit dem verursacht am wenigsten Treibhausgase pro Kopf. Denn die teilen sich ja auf mehrere Reisende auf.

Wer seinen CO²-Ausstoß beim Reisen „ausgleichen“ möchte, der kann sich an Atmosfair wenden. Die Plattform kann den genau berechnen und errechnet einen Geldbetrag, den man als Ausgleich zum freigesetzten Treibhausgas an Umweltschutzprojekte weltweit spenden kann. Das ist zumindest ein Ansatz. 

Bergwaldprojekte: Aktivurlaub und Naturschutz

Aber vielleicht habe ich noch eine Idee für Sie: Sie können sogar persönlich im Urlaub Natur und Umwelt etwas zurückgeben. Wie? Aktivurlaub. Wandern, Radtouren, Kayaken, Tauchen liegen im Trend. Aber man kann auch noch einen Schritt weiter gehen und den vielleicht ohnehin geplanten Wanderurlaub in den Bergen mit „Landschaftspflege“ verbinden. Sie können zum Beispiel dabei helfen, Bäume zu pflanzen, damit in manchen Bergregionen ein stabiler Mischwald entsteht und so die Gegend vor Lawinen, Hochwasser und Erdrutschen geschützt wird. Das ist nur eine Art von vielen Angeboten, die der Verein „Bergwaldprojekt“ in Deutschland, Österreich, der Schweiz und auch in Spanien organisiert. Hier können Sie jeweils eine Woche lang Renaturierungsmaßnahmen unterstützen und verschiedene Landschaften kennen lernen. Gemeinsam mit Gleichgesinnten und unter fachlicher Anleitung versteht sich.

Hier auf der Nordseeinsel Amrum haben Freiwillige seit 2001 mittlerweile 60.000 Bäume gepflanzt, meist Buchen und Ahorn. Der so entstehende Mischwald verhindert, dass die der Dünensand ins Landesinnere verweht wird und bietet gleichzeitig Windschutz für Urlauber, also im Endeffekt für Sie selbst – und natürlich auch die Bevölkerung.

Noch ein ungewöhnlicherer Einsatzort: Moore. Sie machen nur drei Prozent der Erdoberfläche aus, sind aber ungemein wichtig für die Umwelt. Denn sie sind CO²-Speicher und faszinierende Lebensräume für Pflanzen und Tiere, die es nur dort gibt. In Deutschland werden deshalb die überwiegend trockengelegten Moore in Renaturierungsprojekten „wiedervernässt“. Und zwar durch Dämme, die Wasser aufstauen, dass sich im Moor wieder ausbreiten soll. Die Teilnehmer hängen sich für die gute Sache knietief rein und kommen richtig ins Schwitzen in ihren Wathosen. Sie sind mit Eifer und Spaß dabei.

Der Spirit in freiwilligen Projekten

Wir haben mit Freiwilligen gesprochen, die von einer unglaublichen Gruppendynamik bei solchen Projekten berichten: da wird sich gegenseitig motiviert, gemeinsam geackert, aufeinander aufgepasst und bei gemeinsamen Mahlzeiten und nach Feierabend werden Weisheiten und Geschichten ausgetauscht, da wird auch viel gelacht und gesungen. Innerhalb von nur einer Woche kommt man diesen wildfremden Leuten sehr nah. Und der Einsatz für den Naturschutz zahlt sich aus. Nicht nur, weil in dieser Woche Kost und Logis gestellt werden – nicht selten mit leckeren Mahlzeiten selbst gemachter Produkte von Bergbauern. Sondern auch, weil man viel Dankbarkeit von ihnen erfährt, oder von Förstern oder Naturparkbetreibern vor Ort. Denn ohne Freiwillige könnte diese Menge Arbeit wohl kaum bewältigt werden. Und allen gemeinsam liegt eines am Herzen: Die natürlichen Landschaften zu pflegen, aufrechtzuerhalten und auf diese Weise Natur und Umwelt etwas zurückzugeben.

Sendung: hr-fernsehen, "alles wissen", 01.08.2019, 20:15 Uhr