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zum Video Jungbrunnen – wie Telomere den Körper fit machen

Das Alter kdie Knochen werden brüchiger, viele bekommen Bluthochdruck odommt unausweichlich. In der Regel nehmen wir zu, er Atherosklerose, umgangsprachlich auch „Verkalkung“ der Blutgefäße genannt. Herz-Kreislauferkrankungen sind die Todesursache Nummer 1 in Deutschland. Gründe für diese Alterserscheinungen gibt es viele. Ein Grund ist, dass sich unsere Zellen irgendwann nicht mehr erneuern, das Gewebe nicht mehr regenerieren kann. Die sogenannten Telomere spielen dabei eine große Rolle und sie sind auf jeden Fall ein Indikator dafür, wie gesund unser Herz-Kreislauf System ist.

Eine Studie zeigt jetzt, dass wir die Telomere positiv beeinflussen können! Wie? Ganz einfach! Wir können - vielleicht nicht dem Alter - aber Alterserscheinungen einfach davonlaufen!

Kann Sport uns jünger machen?

Forscher haben jetzt eine bahnbrechende Entdeckung gemacht: Bestimmte Sportarten können tatsächlich die Zellalterung aufhalten. "Wir haben die Hypothese, dass, wenn man mit 50 anfängt Sport zu treiben, man sich vielleicht Herz und Gefäße eines jungen Menschen bis ins höhere Lebensalter bewahren kann". Das sagt der  Kardiologe Dr. Christian Werner vom Universitätsklinikum des Saarlandes, der gemeinsam mit Wissenschaftlern unterschiedlicher Disziplinen eine großangelegte Studie durchgeführt hat.  

Jedoch mit einer Einschränkung. Es gilt nicht für alle Trainingsformen!

Unter der Federführung des Sportmediziners Prof. Tim Meyer vom Institut für Sport- und Präventivmedizin der Universität des Saarlandes wurden insgesamt 124 Menschen in drei unterschiedlichen Disziplinen trainiert.

  1.  Die Kraftgruppe: Sie absolvierte drei Mal die Woche je 45 Minuten ein Krafttraining an acht Geräten. Alle sechs Wochen wurden die Gewichte nachjustiert, ihre Trainingseinheiten überprüft. Sechs Monate dauerte die Studie.
  2.  Die Ausdauergruppe: Sie joggte drei Mal die Woche 45 Minuten in einem flotten Tempo. Dabei sollte sie etwa 60 Prozent ihres maximalen Pulses erreichen.
  3.  Die Intensiv-Ausdauergruppe: Sie machte das sogenannte 2hochintensive  Intervalltraining". Dabei  wechseln sich vierminütige Sprintphasen mit langsameren Laufphasen ab. Durch die größere Anstrengung – 90 Prozent des maximalen Pulses – soll in kürzerer Zeit eine größere Fitness erreicht werden.
  4.  Die Kontrollgruppe: Die gibt es in jeder umfassenden wissenschaftlichen Studie, um einen neutralen Vergleich zu haben. Die Teilnehmer durften während dieser Zeit keinen Sport treiben.
Nahaufnahme der Füße von joggenden Menschen
Eine Kontrollgruppe hat ein richtig hartes Ausdauertraining absolviert. Bild © Shutterstock

Voraussetzung für die Teilnahme an der Studie war ein Alter zwischen 40 und 60 Jahren und eine gewisse "Unsportlichkeit". Der Grund: Nur bei Untrainierten können die Forscher einen deutlichen "Vorher-Nachher Effekt" sehen. Bei jeder der Studiengruppen  wurde der Einfluss der unterschiedlichen Sportarten auf das Herz-Kreislauf-System und auf die Erbsubstanz untersucht.

Dazu analysierten die Forscher regelmäßig die DNA der Blutzellen, genauer gesagt, die Länge der sogenannten Telomere. Sie sind ein Indiz für unsere Gesundheit und die Zellalterung, so Christian Werner: "Wir wissen, dass Menschen mit Herz-Kreislauf Erkrankungen kürzere Telomere haben als gesunde Personen. Und je kürzer die Telomere, umso schwerwiegender ist die Erkrankung." Das kann zun Beispiel eine fortgeschrittene Gefäßverkalkung sein, die die Adern verengt.

Die Rolle der Telomere

Telomere sind Teil der Chromosomen, also unserer Erbsubstanz, und schützen ihre ansonsten freien und damit instabilen Enden. Doch sie  verkürzen sich bei jeder Zellteilung. Deshalb sind sie bei älteren Menschen in der Regel deutlich kürzer als bei jungen Menschen. Haben die Telomere eine bestimmte Mindestlänge unterschritten, kann sich die Zelle nicht mehr teilen, das Gewebe nicht mehr regenerieren – wir altern.

Zwar gibt es ein Enzym, das diesen Prozess aufhalten kann, indem es die Telomere wieder verlängert. Es heißt Telomerase. Doch ist dieses Enzym im höheren Alter normalerweise nicht mehr so aktiv.

Ausdauersport gegen Kraftsport

Ein Mann beim Krafttraining mit Hantel
Kraftsport ist zwar auch gesund - die Telomere werden dadurch aber nicht beeinflusst. Bild © Colourbox.de

Das hat sich bei zwei der Studiensportgruppen radikal verändert: "Es war sehr überraschend und spannend zu sehen, dass nur beim Ausdauertraining die Telomeraseaktivität in bestimmten Blutzellen ungefähr verdoppelt und die Telomerlänge um zwei bis drei Prozent verlängert war. Während in der Kontrollgruppe und beim Krafttraining rein gar nichts passiert ist", fasst Christian Werner zusammen.

Auch wenn zwei bis drei Prozent wenig klingt: Für die Forscher ist das ein spektakuläres Ergebnis. Denn bislang dachte man, dass sich die Telomere im fortgeschrittenen Alter nur noch verkürzen können.

Die Jogger und Intervallsportler haben also große Chancen, ihr Herz-Kreislaufsystem jung zu erhalten – vorausgesetzt sie trainieren weiter.

Denn die Forscher haben nicht untersucht, wie aktiv die Telomerase bleibt, wenn die sportliche Aktivität wieder nachlässt. Sie konnten aber sehr gut zeigen, wie schnell sie auf Ausdauersport reagiert, so der Kardiologe Christian Werner: "Wir sehen, jedes Mal, wenn man ein Ausdauertraining durchführt, wird die Telomerase angeworfen, sie wird aktiviert für zwölf bis vierundzwanzig Stunden nach dem Training. Ich bezeichne das als ein Anti-Aging Konto. Jedes Mal, wenn sie etwas Gutes für den Körper tun, zahlen sie auf das Konto ein und machen ihre Zellen etwas fitter. Jedes Mal, wenn sie etwas Schlechtes tun, heben sie vom Konto ab."

Ist Krafttraining schlecht?

Und was ist mit denen, die drei Mal die Woche 45 Minuten lang das Krafttraining absolviert haben? Der Sportmediziner Prof. Tim Meyer betont, dass Sport insgesamt positive Auswirkungen hat: "Unsere Studie hat ergeben, dass alle drei Sportformen in ähnlicher Weise die klassischen Risikofaktoren beeinflussen, wie Blutdruck, Blutfette, wie auch die Fitness."

Das bedeutet: Auch der Kraftsport hat einen allgemein positiven Effekt auf das Herz-Kreislaufsystem. Und Kraftsport kann – vor allem auch bei nicht mehr ganz jungen  Menschen - wesentlich zur Kräftigung des gesamten Körpers beitragen, zum Krafterhalt, zur Vorbeugung gegen Osteoporose oder Rückenproblemen. Ideal ist daher ein kombiniertes Training.

Anstrengen muss es schon

Mit Ausdauersport kann man übrigens in jedem Alter beginnen. Um die positiven Effekte auf die Telomere und die allgemeine Fitness zu erreichen, muss man sich allerdings schon etwas anstrengen. Je nach körperlicher Ausgangssituation kann das zu Beginn ein flottes Walken sein oder schon richtiges Joggen. Vorausgehen sollte ein Gesundheitscheck und die Kontrolle des Pulses während des Trainings.

Bleiben wir sportlich, werden wir zwar nicht unsterblich - aber gesünder und aktiver alt!

Weitere Informationen

Weiterführende Links

  • Die Ergebnisse der Studie im Detail finden Sie hier.
  • Das Ärzteblatt hat sich ebenfalls in einem Artikel mit der Studie befasst.
Ende der weiteren Informationen

Sendung: hr-fernsehen, "alles wissen", 28.03.2019, 20:15 Uhr