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zum Video Lügen in sozialen Medien

Falschmeldungen verbreiten sich über Twitter deutlich schneller, häufiger und weiter als wahre Meldungen. Zu diesem Ergebnis kamen Wissenschaftler, die 4,5 Millionen Tweeds der vergangenen zwölf Jahre ausgewertet haben. Es ist die größte Studie, die es bislang zu diesem Thema gab. Demnach benötigen wahre Nachrichten sechsmal länger, um 1500 Menschen zu erreichen, als falsche.

Wahr oder nicht – Egal!

Ein überraschendes Ergebnis: In sozialen Netzwerken erreichen Falschnachrichten nicht nur viel mehr Menschen, sondern die Bereitschaft sie zu teilen und weiter zu verbreiten, ist auch größer. Die Forscher führen diesen Effekt darauf zurück, dass es vielen Nutzern schlicht egal ist, ob die Meldung stimmt oder nicht. Sie wollen mit möglichst neuen und überraschenden Posts einfach nur mehr Besucher auf ihr Profil locken und möglichst viel Feedback anderer Nutzer bekommen. Nach dem Motto: Wer viele überraschende Neuigkeiten verbreitet, dessen sozialer Status steigt.

Gerüchte und Getratsche wie im realen Leben

Manche Nutzer verbreiten Falschmeldungen aber auch mit Absicht, beispielsweise um jemandem gezielt zu schaden. Das könnte auch erklären, wieso Falschmeldungen aus dem Themenbereich Politik die mit Abstand höchste Verbreitung fanden. Insgesamt ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich eine Falschmeldung in den sozialen Medien verbreitet, um 70% höher als bei einer wahren Nachricht. Und damit verhalten wir Menschen uns online genauso wie im richtigen Leben. Denn auch im „echten“ Leben verbreiten sich Gerüchte und Getratsche viel schneller als Wahrheiten.

Technik verstärkt das Problem

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Ist eine falsche Nachricht erstmal im Umlauf, dann verbreitet sie sich schnell weiter. Bild © Colourbox.de

Das Problem ist aber: durch die Technik potenziert sich dieser Effekt. Falschmeldungen erreichen über soziale Medien also viel schneller viel mehr Menschen. Die Wissenschaftler haben auch eine Idee, wie man das Problem eindämmen könnte: Sie wollen den Plattform-Betreibern eine Kennzeichnungspflicht vorschlagen.

Ein Label für Posts

Wie Lebensmittel sollen auch Posts ein Label bekommen. Dann stünde dort zum Beispiel "wahrscheinlich falsch" und schon würde sich die Nachricht langsamer verbreiten. Denn wer will schon, dass offensichtlicher Unsinn über seinen Account läuft? Erste Gespräche mit Facebook und Twitter gab es schon und die Betreiber sind angeblich nicht abgeneigt. Schließlich wollen sie nicht als Lügenbarone, sondern als seriöse Plattformen wahrgenommen werden.

Weitere Informationen

Hintergrundinfos

Hier finden Sie weitere Infos über die Studie von spektrum.de.

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Sendung: hr-fernsehen, "Alles Wissen", 14.02.2019, 20:15 Uhr