Montage von verschiedenen Fisch-Siegeln
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Bei der Vielzahl der verschiedenen Fischsiegel den Überblick zu behalten ist nicht leicht. Wir haben genau hingeguckt und die diversen Siegel und deren Standards unter die Lupe genommen. Dabei wird zwischen Wildfischen und gezüchteten Fischen aus Aquakulturen unterschieden.

Wildfisch

Am weitesten verbreitet ist das MSC-Siegel des Marine Stewardship Council für Wildfisch. Dieser gibt Standards für nachhaltige Fischerei vor, nach denen unabhängige Zertifizierer Fischereibetriebe zertifizieren, die das Meer nachhaltig befischen. Diese müssen drei Prinzipien erfüllen: Der Fischbestand darf nicht überfischt werden, es muss ein gutes Nachhaltigkeitsmanagement geben und das Ökosystem des Meeres soll nicht beschädigt werden. Das MSC-Logo findet sich mittlerweile auf vielen Produkten im Supermarkt, etwa auf den Packungen von Räucherlachs und Fischstäbchen. Der MSC-Standard versucht, vorbildliche Fischereien durch die Kräfte des Marktes zu belohnen, dadurch Anreize für die Verbesserung zu schaffen und zwischen den Interessen der Fischerei und der Umweltverbände auszugleichen. – Kritik gibt es dennoch: Den einen ist der Standard zu anspruchsvoll und sie wollen ihre Fischereipraxis nicht ändern, den anderen zu lasch und sie fordern die Zertifizierung nur jener Fischereien, die ohnehin nicht mehr verbessert werden können. Auch wird ein pauschaler Ausschluss bestimmter Fischereimethoden gefordert. Dass der Ansatz allerdings grundsätzlich funktioniert, ist 20 Jahre nach der Gründung des MSC nachgewiesen. Insbesondere konnte die Datenlage für viele Fischereien erheblich verbessert und unerwünschte Beifänge drastisch verringert werden.

Weitere Wildfisch-Siegel auf dem deutschen Markt sind FOS, Naturland und Dolfin Safe

FOS – Friend of the Sea hat einen viel einfacheren Standard als den des MSC entwickelt und wendet ihn selbst an, lässt also nicht unabhängige Dritte über die Übereinstimmung der Fischereien mit dem Standard entscheiden. Bestimmte vermeintlich kritische Fangmethoden wie die Grundschleppnetzfischerei sind nicht zertifizierbar, und Beifänge müssen nicht auf das in der jeweiligen Fischerei machbare reduziert werden wie beim MSC, sondern nur unterhalb einer bestimmten Schwelle bleiben.

Naturland Wildfisch ist ein sehr einfacher Standard, der vor allem viel Wert auf gute Arbeitsbedingungen für die Fischer Wert legt und bevorzugt kleine und kleinste Fischereien zertifiziert. Es wird angenommen, dass diese wegen ihrer geringen Fangmengen geringere Umweltauswirkungen haben. Auch hier zertifiziert der Standardsetzer selbst.

Das Dolphin Safe-Label ist eigentlich kein Nachhaltigkeitsstandard: Es soll garantieren, dass Thunfische mit möglichst geringem Beifang an Delfinen gefangen werden. Der Zustand der Thunfisch-Zielarten wird nicht berücksichtigt, ebenso nur in geringem Umfang die Auswirkungen der Fischerei auf das Ökosystem jenseits der Delfine.

Aquakultur (Zuchten)

ASC (Aquaculture Stewardship Council) hat Standards für nachhaltig arbeitende Zuchten von Fisch und Meeresfrüchten entwickelt. Zurzeit sind auf dem Markt zum Beispiel Tilapia, Pangasius, Lachs, Garnelen, Forellen und Muscheln mit dem ASC-Siegel erhältlich. Die ASC-Standards beziehen sich unter anderem auf ökologische Aspekte und solche des Tierwohls sowie Sozialstandards für Arbeiter auf den Zuchtfarmen. Gentechnisch verändertes Soja als Futter ist nicht grundsätzlich verboten, muss aber gekennzeichnet werden, so dass der Verbraucher solche Produkte Nahrung vermeiden kann.

Seit 2010 gibt es ein EU-weit eingeführtes Bio-Siegel, das gemäß EU-Recht hergestellte biologische Lebensmittel kennzeichnet. Darunter fallen auch Fische und Meeresfrüchte aus Aquakultur. Damit Produkte das EU-Bio-Siegel tragen dürfen, müssen mindestens 95 Prozent ihrer Zutaten aus ökologischer Produktion stammen, bei verarbeiteten Fischprodukten also beispielsweise auch Öl, Panade oder Tomatensoße. Zu den Bio-Standards der Europäischen Union gehören unter anderem auch der Anspruch an eine artgerechte Haltung, eine stark begrenzte Verwendung von Lebensmittelzusatzstoffen und strikte Regeln für die Verwendung von Antibiotika.

Noch strengere Richtlinien geben die Verbände Bioland und Naturland vor.

Naturland überprüft jährlich, ob die zertifizierten Betriebe in Öko-Aquakultur die Vorgaben sowohl zur Erzeugung als auch für die Verarbeitung der Fischprodukte einhalten.

Der Biobauernverband Bioland zertifiziert nur Friedfische wie den Karpfen, die sich nur von Pflanzen ernähren und nicht zugefüttert werden. Bioland arbeitet nach sieben Grundprinzipien: Im Kreislauf wirtschaften; die Bodenfruchtbarkeit fördern; Tiere artgerecht halten; wertvolle Lebensmittel erzeugen; biologische Vielfalt fördern; natürliche Lebensgrundlagen bewahren; Menschen eine lebenswerte Zukunft sichern.

Da die verschiedenen Nachhaltigkeitssiegel sehr unterschiedliche Ansätze und Ansprüche haben, und die Verwirrung des Verbrauchers befürchtet wird, haben Handel, Umwelt- und Entwicklungshilfe-Organisationen eine unabhängige Einrichtung für den Siegelvergleich gegründet: Die Global Sustainable Seafood Initiative (GSSI). Im Wildfischbereich entsprechen bislang nur der MSC und drei regionale Nachhaltigkeitssiegel (IRFM aus Island, RFM aus Alaska, G.U.L.F. aus dem USA-Gebiet des Golf von Mexiko) den Mindestanforderungen des Vergleichs, im Aquakulturbereich sind dies neben ASC drei weitere Standards (BAP, GLOBALG.A.P., BIM-CQA).

Der "Fischführer" von WWF oder Greenpeace

Verbraucherinnen und Verbraucher können auch die sogenannten "Fischführer" von WWF oder Greenpeace benutzen. Sie vermitteln wichtige Informationen zu den beliebtesten Fischarten, auch aus verschiedenen Fanggebieten. Allerdings müssen die Fischführer stark pauschalisieren, um für den Verbraucher verwendbar zu sein, und die Ergebnisse der einzelnen Führer unterscheiden sich stark, weil die Meinung der Umweltverbände Eingang in die Bewertung findet. So listet zum Beispiel Greenpeace jedes Produkt aus Grundschleppnetzfischereien "rot", auch wenn der Bestandszustand der Zielart gut ist und die Umweltauswirkungen akzeptabel sind. Aktuelle und wissenschaftlich belegbare Informationen über den Zustand der auf dem deutschen Markt wichtigen Fischbestände liefert die Website "Fischbestände online" des bundeseigenen Thünen-Instituts, allerdings ohne Einkaufsempfehlung.


Sendung: hr-fernsehen, "alles wissen", 06.06.2019, 20.15 Uhr