Video

zum Video Wieviel auf dem Teller ist zu viel?

Kleine Portion Pasta

Essen ist Genuss. Essen ist Lebensfreude. Aber leider ist unser Esseverhalten nicht gerade das Beste, weil wir einfach zu viel essen. Die Folge: Die Hälfte der deutschen Frauen und sogar zwei Drittel der deutschen Männer sind übergewichtig. Britische Ernährungswissenschaftler haben jetzt eine ganz simple Methode entwickelt, mit der jeder die richtige Portion für sich finden kann.

Wir hauen uns den Magen voll

Wer kennt das nicht? Die leckere Tomatensoße ist fertig. Jetzt nur noch die Tüte mit den Spaghetti in den Topf. Während die Nudeln kochen, noch schnell Parmesan kleingerieben. Und dann kann es auch schon losgehen. Und da ja noch Nudeln da sind, kann ein Nachschlag nicht schaden. Und obwohl man satt ist, haut man sich den Bauch weiter voll.

Große Belastung

 "Das ist keine gute Idee, weil es einfach eine ganz große Belastung für den Körper ist", sagt  Tina Hildebrandt, Ernährungsberaterin und Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. "Wir muten der Verdauung ganz, ganz viel zu, wenn wir unser Magenvolumen einfach verdoppeln oder verdreifachen."

Kochen mit "Händchen"

Doch was ist die richtige Portion? Britische Wissenschaftler sagen: Zur Bemessung braut man nur eins: seine Hände. Beispiel Spaghetti: Hier reicht ein Loch zwischen Zeigefinger und Daumen in der Größe eines Ein-Euro-Stücks. Bei anderen Nudeln: Statt einer halben Tüte genügt pro Person die Menge, die in zwei aneinandergelegte Hände passt. Für den Parmesan pro Person nur die Menge von je zwei Daumenspitzen nehmen. Und bei Kartoffeln gilt eine geballte Faust als die richtige Portion. Und was ist mit Fisch und Fleisch? Hier empfehlen die Experten als Maß die Hälfte der Handfläche. Kalorienarme Beilagen wie Gemüse können frei portioniert werden. Doch wird man davon wirklich satt?

Eine Woche Handportionierung

Das wollen wir genauer wissen und machen den Praxistest mit Paul und Olivia aus Kassel. Das Paar kocht gern selbst. Und auch die beiden essen manchmal zu große Portionen, wie Paul zu berichten weiß: "Das Problem kenne ich auch, insbesondere bei Nudeln. Wenn ich mir ein halbes Kilo mache oder ein Kilo, also die ganze Packung, dann esse ich die immer auf einmal." Wir zeigen den beiden die britische Methode der smarten Hand-Portionierung, mit der sich die richtige Menge ganz einfach ermitteln lassen soll. Eine Woche lang sollen die beiden ihre Hauptmahlzeit nach dieser Methode portionieren. Ob die beiden mit ihren handportionierten Hauptmahlzeiten am Ende wirklich satt werden? Wir sind gespannt.

Methode mit vielen Vorteilen

Waage

Genauso wie Ernährungsexpertin Tina Hildebrand. Sie hat sich für uns die britische Hand-Portionierungs-Methode genau angeschaut. Ihr Eindruck: "Die finde ich sehr handfest, im wahrsten Sinne des Wortes. Ich sehe das immer wieder, dass Menschen gute Orientierungsgrößen brauchen, so was ganz Praktikables". Sie finde es gut, mit diesem Handmaß zu arbeiten - schließlich hat de Hand jeder dabei, die Hand ist gut angepasst – auch an die Körpergröße. Und wir haben ein gutes Vorstellungsvermögen davon, was eine Portion betrifft. "Also, das finde ich gut und ganz brauchbar im Alltag", meint sie.

Unwohlsein, Schlafstörung, Diabetes

Wer aber bei Dickmachern wie Nudeln, Kartoffeln, fettem Fleisch und Käse über die Stränge schlägt, schadet sich in mehrfacher Hinsicht, warnt Tina Hildebrand. "Das hat ja schon was sehr Belastendes und schränkt natürlich schon im Befinden ein. Das kann hin bis zu Schlafstörungen gehen. Man kann nicht gut einschlafen. Und schlagen wir uns den Bauch richtig voll mit Nudeln, mit Reis, mit Kartoffeln, haben wir den ganzen Abend einen sehr, sehr hohen Blutzucker. Gerade Menschen, die so an der Grenze zum Diabetes stehen, können dadurch tatsächlich schlechtere Werte bekommen." Wer das richtige  Maß findet, tut sich also was Gutes. Aber wird man damit auch satt?

Es reicht tatsächlich!

Eine Woche nach unserem ersten Besuch sind wir noch einmal bei Paul und Olivia. Und sind überrascht: "Es reicht komplett und man kann sich die Portionen mit der Methode gut einteilen", erzählt uns Olivia. Paul berichtet: "Das Fleisch erschien mir ein bisschen wenig. Wenn ich im Restaurant bin und ein Schnitzel bestelle, ist das natürlich eine größere Fleischportion als das, was wir jetzt hier hatten. Aber es reicht tatsächlich!"

Olivia ist sich sicher: "Ich werde einfach drauf achten. Weil ich es eine Woche lang gemacht habe, habe ich das einfach  drin und weiß jetzt ungefähr, wie die richtigen Portionen aussehen müssen." Eine gute Entscheidung, findet Ernährungsberaterin Tina Hildebrandt: "Viele müssen es erst mal einfach ausprobieren. Die Angst nicht satt zu werden, ist oft viel, viel größer als es dann tatsächlich ist. Also, ganz viele sagen im Nachgang: Es hat mir gereicht."

Paul und Olivia sind deshalb auch glücklich, dass sie das richtige Händchen beim Kochen gefunden haben.

Weitere Informationen

Weitere Infos

Britische Empfehlung (in Englisch):
https://www.nutrition.org.uk/healthyliving/find-your-balance/portionwise.html

Deutsche Gesellschaft für Ernährung:
https://www.dge.de/

Ernährungsberaterin:
https://esspirationen.de/

Ende der weiteren Informationen

Sendung: hr-fernsehen, "alles wissen", 11.04.2019, 20:15 Uhr