Wie werden wir uns in Zukunft fortbewegen? Wie lässt sich Mobilität umweltfreundlich gestalten? Im Forschungsprojekt „2049: Zeitreise Mobilität“ blicken Forscher voraus ins Jahr 2049, und wir als Bürger können das jetzt auch. Alles-Wissen-Reporterin Nina Schmidt ist mit einer Virtual-Reality-Brille auf Zeitreise gegangen.

Reporterin Nina Schmidt sieht im Thema Mobilität große Herausforderungen, aber auch viel Potenzial für eine bessere Zukunft: „Wir müssen dringend was tun, wenn wir nicht im Chaos von Abgasen und Stau versinken wollen.“ Sie fragt sich: Wie wird der Verkehr im Jahr 2049 aussehen, in 30 Jahren? Wie kommen wir dann von A nach B?

Auf Zeitreise mit einer Virtual Reality Brille

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Eine Demo der Virtual Reality-Inszenierung "2049: Zeitreise Mobilität"
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Dazu geht Nina beim Hessentag mit einer Virtual Reality Brille auf Zeitreise in die Welt von morgen. Durch den Rundumblick ist sie mittendrin, Kopfhörer ergänzen akustisch die 3-D-Welt, in die Nina mit Hilfe der Brille eintaucht. Und über einen Controller in ihrer Hand kann Reporterin Nina Schmidt alles, was passiert, direkt beeinflussen. Zuerst geht es in rasanter Fahrt durch einen Zeittunnel. An dessen Ende wird Nina schon erwartet. Sie befindet sich in einem kuppelartigen Raum mit großen Fenstern, hinter denen die Skyline von Los Angeles zu sehen ist. Ihr Gegenüber steht eine junge Frau, die Nina direkt anspricht: "Hey! Hey, Du da! Willkommen in der Zukunft! Ich heiße Myra und bin für heute Deine Reiseleiterin."

Realistischer Rundumblick, menschliche Reiseleiterin

Nina trägt so eine VR-Brille zwar nicht zum ersten Mal, trotzdem überrascht sie der realistische Eindruck beim Rundumblick. Reiseleiterin Myra ist kein Avatar, sondern wird von einer realen Schauspielerin verkörpert, die mit aufwändiger Technik erst gefilmt und anschließend in die 3-D-Welt projiziert wurde. Sie wendet sich erneut an Nina: "Ich zeige Dir wie unsere Gegenwart, also deine Zukunft, Dich beeinflussen kann und umgekehrt. Zukunfts-Anthropologie, sozusagen. Ich führe Dich ein bisschen rum und zeig Dir ein paar Sachen."

Vielfältige Verkehrs-Lösungen für die Zukunft

Der Hessische Rundfunk, VR-Spezialisten und das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO haben das Zukunftsszenario entwickelt. Verkehrsplanerin Susanne Schatzinger vom Fraunhofer IAO will wissen, wie diese Zukunft bei den Menschen ankommt. Schatzinger wagt einen Ausblick: "Es wird in Zukunft viele Lösungen geben und nicht eine, also der Nutzer wird sich aus vielen verschiedenen Lösungen eine gute aussuchen können."

Weitere Informationen

Weiterführende Links

Fragebogen Fraunhofer IAO:
www.befragung.iao.fraunhofer.de/3/limesurvey/index.php/943642?lang=de
Interview zum Projekt mit hr-Redakteurinnen:
Mobilität der Zukunft - ein Thema für alle
Beschreibung des Fraunhofer-Forschungs-Projekts:
Virtuelle Zeitreise in die Zukunft der Mobilität in Deutschland und den USA

Ende der weiteren Informationen

3-D-Mobilität wird Wirklichkeit

Um die Szenarien zu testen, begeben sich Probanden wie Nina Schmidt auf Zeitreise. Zurück in der VR-Welt: Vor der Kulisse der Großstadt mit ihren Wolkenkratzern erhebt sich ein großes, von Propellern angetriebenes Flugobjekt. Das Lufttaxi ist Teil der so genannten 3-D-Mobilität. Bisher gab es das nur in Science-Fiction-Filmen wie in "Das fünfte Element". In der Gegenwart machen kleine leichte Drohnen schon jetzt Testflüge. Bisher reicht ihr Akku aber nur für Kurzstrecken. Auch erste bemannte Testflüge gibt es schon. Nicht mehr lange, dann könnten Flugtaxis Realität werden.

Welche Zukunft wünschen sich die Menschen von heute?

Ist das eine erstrebenswerte Zukunft? Reporterin Nina Schmidt befragt Menschen, die frisch unter dem Eindruck der virtuellen Zeitreise stehen: "Wie würden Sie das denn finden, wenn wir jetzt mit Flugtaxis durch unsere Städte fliegen würden?" Einige Nutzer können es sich sehr gut vorstellen, sehen darin ein besonderes Erlebnis und hätten auch bei der Vorstellung, dass das Lufttaxi ohne menschlichen Piloten fliegt keine Sicherheitsbedenken. Andere fürchten Abstürze und machen sich Gedanken über die Umweltverträglichkeit: "Wie werden diese Flugtaxen angetrieben? Ist das wirklich gut für uns Menschen? Ob es wirklich in der ganzen Klima-Thematik hilft und uns irgendwie das Leben erleichtern und verschönern kann? Ich kann‘s mir nicht wirklich vorstellen."

"Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten"

Die Forscher hinter dem Projekt wollen herausfinden, was die Bürger denken, damit Verkehrs- und Stadtplaner die richtigen Entscheidungen treffen können. Verkehrsplanerin Susanne Schatzinger sieht die Entwicklung bei den Flugtaxis durchaus kritisch: "Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten. Und wenn wir uns jetzt auch noch den Luftraum erobern, der noch sehr frei ist und sehr jungfräulich, dann hab ich die Befürchtung, dass dadurch auch der Verkehr zunehmen wird, und das sollte nicht unser Ziel sein." Die Alternative: Städte mit viel weniger Individual-Verkehr. Eine wichtige Zutat aus Sicht der Forscher sind autonome Fahrzeuge, die von jedem gebucht werden können.

Weniger Autos verändern das Stadtbild

Das Konzept erklärt die virtuelle Reiseleiterin Myra: „Dadurch, dass die autonomen Fahrzeuge immer in Bewegung sind, wurden Parkplätze überflüssig und es entstanden freie Plätze zur neuen Nutzung. - Frankfurt hat seine Lebensqualität dadurch gesteigert, dass das Autofahren in der Stadt auf ein Minimum reduziert wurde.“ Myra zeigt Nina an einem Modell, wie sich die Reduzierung des Straßenraums auf das gesamte Raumgefüge von Frankfurt auswirkt. Danach führt sie Nina in die Innenstadt von Frankfurt – Nina erkennt den Platz kaum wieder: "Wow! – Alles schön grün!" Myra bestätigt das: "Durch diese Reduzierungen gleicht heute die Innenstadt eher einem Park als einer Mega-City." So könnte die Zukunft aussehen.

Der lange Weg zum autonomen Fahren

Nina bestellt über den Kontroller in ihrer Hand ein autonomes Auto. Das steht kurz danach bereit und Nina und Myra steigen ein. Im Auto ist innen alles voller Displays. Sie zeigen Werbung. Nicht verwunderlich, denn auch in dieser Zukunft will man uns etwas verkaufen. Heute steht die technische Entwicklung noch ganz am Anfang. Was auf der Autobahn schon gut klappt, das Erkennen eines Objekts, selbständiges Abbremsen und notfalls Ausweichen, wird bis zum Einsatz im viel komplexeren Stadtverkehr wohl noch Jahrzehnte dauern.

Vertrauen in die Technik fehlt

Nina befragt noch einmal die anderen Nutzer. Wie finden sie selbstfahrende Autos? Die Antworten fielen überwiegend skeptisch aus. Ein Nutzer sieht es so: "Also ich traue der Technik noch nicht. Ich habe mir jetzt eben ein neues Auto gekauft und dort sind auch diese ganzen Dinge verbaut. Und teilweise habe ich es schon gemerkt, dass mein Auto plötzlich gebremst hat, obwohl ich überhaupt keine Gefahr gesehen habe." Eine Nutzerin pflichtet ihm bei: "Für mich hätte es auch eindeutige Nachteile, einfach komplett mich auf eine Maschine oder ein Gerät zu verlassen, was fremdgesteuert wird und wo ich nicht mehr selbst eingreifen kann. Also das finde ich schon sehr beängstigend.“ Ein dritter Nutzer benennt das ethische Dilemma: "Was mache ich, wenn ich nicht bremsen kann, wo fahre ich rein wenn wirklich da, in den 80-jährigen Opa oder in die Gruppe der Schulkinder? Da habe ich große Angst vor, da sehe ich wirklich ein Problem."

Das Fahrzeug teilen statt besitzen

Noch gibt es Vorbehalte, entscheidend für die Forscher ist aber etwas anderes. Stadt- und Verkehrsplanerin Susanne Schatzinger sagt: "Das autonome Fahren jetzt nur als Ersatz für das normale Fahren zu setzen, das würde ich nicht sehen. Denn 40 autonome Autos sind immer noch 40 Fahrzeuge, damit haben wir glaube ich nichts gewonnen. Wir müssen das autonome Fahren kombinieren, mit geteilten Fahrten." Weg vom eigenen Auto, wie es autonome Kleinbusse am Frankfurter Flughafen schon heute vormachen.

Transportmittel sinnvoll vernetzen

Damit unsere Städte in Zukunft lebenswert sind, sollten wir öffentlichen Nahverkehr, Leihsysteme und neue Technologien miteinander vernetzen. Reporterin Nina Schmidt zieht dieses Fazit: "Das sind also die Visionen der Forscher, ich find das total spannend. Und wichtig ist mir, Mobilität als Ganzes zu betrachten und Transportmittel zu finden, die sich sinnvoll ergänzen."

Text: Nina Chmielewski
Sendung: hr-fernsehen, "alles wissen", 20.06.2019, 20:15 Uhr