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Dunkler Rauch entströmt dem Auspuff eines Diesel-Personenwagens Bild © picture-alliance/dpa

Sie gelten derzeit als die schwarzen Schafe: Diesel und ihre manipulierten Abgaswerte. Doch was wenige wissen und neueste Studien belegen: Bestimmte Benziner sind sogar noch gefährlicher. Denn sie stoßen besonders ultrafeine Russpartikel aus.

Professor Dr. Annette Peters vom Helmholtz Institut in München hat eine große europäische Studie zum Thema Feinstaub gemacht und fasst ihre Forschung so zusammen: "Die kleinen Partikel dringen tief in die Lunge ein und können dort Entzündungsreaktionen auslösen und sich außerdem noch im Körper verteilen.“

Die Messungen:

Auch die deutsche Umwelthilfe in Berlin versucht seit Jahren auf dieses Problem aufmerksam zu machen. Sie hat den Umweltexperten Dr. Axel Friedrich damit beauftragt, die Abgase der Benziner mit Direkteinspritzmotor ganz genau unter die Lupe zu nehmen. Wir begleiten den Experten bei einer solchen Abgasmessung, die er so beschreibt: "Wir entnehmen den Abgasstrom aus dem Auspuff und führen ihn über einen Volumenstrommesser. Ein kleiner Teilstrom wird abgezogen und in die eingebauten Messgeräte gebracht. Damit können wir bestimmen, wie hoch die Emission pro Kilometer in diesen Stoffen ist - auf der Straße im realen Leben."

Mit einem Ford Focus Turnier, 1.0 Ecoboost, und den eingebauten Messgeräten fährt der Experte zehnmal je 40 Minuten quer durch die Stadt. Der Testwagen ist ein Benzin Direkteinspritzer. Im Vergleich mit einem normalen Benziner verbraucht er weniger Kraftstoff und verursacht somit weniger Kohlendioxid. Bisher galt er deshalb als besonders umweltfreundlich und wichtig für die Erreichung der Klimaziele 2020.

Der Direkteinspritzer:

Doch mittlerweile steht fest: Diese Benziner haben ein Problem. Der direkt eingespritzte Kraftstoff mischt sich erst im Brennraum mit Luft. Dabei passiert es, dass einzelne Benzintropfen nicht vollständig verbrennen. Das Resultat: Es bleiben ultrafeine Russpartikel übrig. Diese gelangen dann mit den Abgasen zum Auspuff und von dort in unsere Umwelt. Experten gehen davon aus, dass inzwischen jeder zweite Benziner in Deutschland ein Direkteinspritzer ist, also knapp 15 Millionen Fahrzeuge.

Die Medizinischen Folgen:

Welche gesundheitlichen Folgen das hat, wurde in einer großen europäischen Studie am Helmholtz Institut in München festgestellt. Mit dem Einatmen gelangen die Feinstaubpartikel zunächst in die Bronchien und setzen sich dort fest. Als Reaktion ziehen sich die unteren Atemwege zusammen. Das kann zu Hustenreiz, Engegefühl und Atemnot führen. Von den Bronchien gelangen die Feinstaubpartikel in die feinen Lungenbläschen. Der Körper antwortet mit einer Entzündung auf die Fremdstoffe.

Langfristig kann dadurch das Lungengewebe geschädigt werden. Die Folge: ein erhöhtes Risiko für Lungenkrebs, aber auch für Herz-Kreislauferkrankungen, wie die Forscher feststellten. "Wir konnten dabei zeigen, dass Personen, die am Wohnort belastet waren, ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkte hatten, wir konnten auch zeigen, dass das Risiko für Schlaganfälle ansteigt, und weiterhin konnten wir ebenso zeigen, dass auch mehr Bluthochdruck zu finden war", so Prof. Dr. Annette Peters.

Doch das erschreckendste Messergebnis der deutschen Umwelthilfe: Die von den Direkteinspritzern ausgestoßenen Rußpartikel sind oft extrem klein, viel kleiner als die von Dieselfahrzeugen. Dr. Annette Peters meint: "Aus unserer Sicht sind die Partikel, die kleiner als 2,5 Mikrometer sind, die gefährlichsten. Das sind die Partikel, die tief in die Lunge eindringen und dann nicht nur in der Lunge verbleiben, sondern in die Adern eindringen und - wie meine Kollegen in Tierexperimenten herausgefunden haben - eigentlich in allen Organen unseres Körpers zu finden sind."

Diese ultrafeinen Partikel können laut neuesten Forschungen auch Typ 2 Diabetes, Demenz und andere schwere Erkrankungen auslösen.

Die Messungsergebnisse:

Wie viel der gefährlich kleinen Partikel von Direkteinspritzern ausgestoßen werden, beweist auch die Messung von Dr. Axel Friedrich im Auftrag der Deutschen  Umwelthilfe. Rund 32 Kilometer ist er mit dem Ford Focus Testwagen quer durch die Stadt über Landstraßen und die Autobahn gefahren. "Wenn man ein solches Fahrzeug mit einem Diesel mit Filter vergleicht, dann trägt er den Faktor 1.000 bis 10.000 mehr an Partikel in den Benzindirekteinspritzer. Das heißt eine immens hohe Partikelanzahl, die hier aus den Fahrzeugen ausgestoßen werden", so Friedrich.

Dieses Testergebnis ist da noch relativ harmlos. Der Ford stößt nicht Zehntausend, sondern "nur" Tausend mal mehr Rußpartikel aus als ein Diesel mit eingebautem Filter. Ein Problem, das sich eigentlich ganz leicht beheben ließe, wie uns der Experte auf der Straße an einem Wagen mit Filter demonstriert. "Das Fahrzeug hat einen Partikelfilter und der funktioniert, das heißt da kommen keine Partikel raus. Der Auspuff ist sauber."

Die deutlich verschärfte Schadstoffnorm Euro-6c, die seit September in Kraft ist, aber erst 2018 umgesetzt werden muss, gilt leider nur für Benziner Neuwagen. Die rund 15 Millionen alten Autos, die alleine in Deutschland auf der Straße sind, dürfen weiterhin die Luft verschmutzen. "Das Auto müsste genauso wie das andere Auto auch einen Russfilter bekommen, um die Partikel um mehr als 99 Prozent zu verringern, also praktisch rußfrei zu machen", sagt Dr. Axel Friedrich.

Der Einbau eines solchen Filters für Direkteinspritzer kostet rund 200 Euro. Und ist damit fast 700 Euro günstiger als bei Dieselfahrzeugen. Und obwohl das die Hersteller schon seit Jahren wissen, kündigen einige von ihnen erst jetzt und nur unter dem Druck der neuen Euro-6C-Norm an, die neuen Direkteinspritzermodelle in Zukunft mit Partikelfilter auszustatten. Jahrelang hat man das Gesundheitsrisiko wissentlich in Kauf genommen und die Kosten und die Verantwortung auf die Verbraucher abgeschoben.

Autorin: Stephanie Krüger

Sendung: hr-fernsehen, "Alles Wissen", 26.10.2017, 20:15 Uhr