Feuerlöscher
Feuerlöscher ist nicht gleich Feuerlöscher. Bild © picture-alliance/dpa

Wer einmal selbst erlebt hat, wie schnell ein Feuer sich ausbreitet, sieht es sofort ein: Ein Feuerlöscher kann Leben retten. Aber: Welches Löschmittel eignet sich für welchen Brand? Denn ein Fettbrand erfordert eine andere Löschung als ein Autobrand. In Europa sind deshalb brennbare Stoffe in verschiedene Brandklassen eingeteilt – und speziellen Löschmitteln zugeordnet.

Brandklasse A: Glutbildende Naturstoffe

Beim Grillen oder am Lagerfeuer ist klar: Die Flammen lassen sich mit Wasser löschen. Denn wenn Holz oder Kohle brennt, bildet es eine Glut. Deshalb muss ein Löschmittel eingesetzt werden, das auch diese ablöscht. Für alle weiteren glutbildenden Stoffe wie Textilien, Papier, Heu oder Stroh eignen sich neben Wasser auch Feuerlöscher, die mit Schaum oder Pulver befüllt sind.

Brennende flüssige Stoffe: niemals mit Wasser löschen

Zur Brandklasse B gehören alle Stoffe, die flüssig sowie brennbar sind. Viele Menschen unterschätzen die Gefahr, die von brennbaren Flüssigkeiten ausgeht. Spiritus, Reiniger, Gase und brennbare Farben werden häufig im Keller, manchmal sogar im Heizungsraum, gelagert. Bricht dort Feuer aus, beschleunigen diese Flüssigkeiten den Brand enorm. Gasflaschen können sogar zu Explosionen führen. Aus diesem Grund ist es verboten, Campinggasflaschen und Brandbeschleuniger in Kellerräumen und Speichern zu lagern. Zur Brandklasse C gehören auch Stoffe, die erst aufgrund der Hitze während eines Brandes flüssig werden wie PCC, Wachs oder Harz.
Unser Tipp: Verstauen Sie Brandbeschleuniger, Grill- und Campinggasflaschen an überdachten und gut durchlüfteten Plätzen. Zudem sollten die Behältnisse vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt sein. Zur Lagerung eignen sich Carports oder überdachte Terrassen am besten.

Im Brandfall sollte man diese auf gar keinen Fall mit Wasser löschen, da dieses aufgrund der großen Hitze sofort verdampfen würde. Bei der anschließenden Verpuffung besteht zusätzliche Verletzungsgefahr. Stattdessen müssen die Flammen erstickt werden: Am einfachsten mit einer Löschdecke oder mit Schaum-Feuerlöschern, ABC-Feuerlöschern oder CO2-Löschern. Ein Feuerlöscher, der für Brände der Klasse B geeignet ist, ist mit einem entsprechenden Symbol gekennzeichnet.

Gasbrände mit Pulver löschen

Unter die Brandklasse C fallen alle brennbaren Gase wie Propan, Methan, Stadtgas, Erdgas, Butan, Ethin (Acetylen) sowie Wasserstoff. Sie können nur mit Pulverlöschern oder Glutbrandpulver gelöscht werden. Bei Arbeiten an Gasleitungen müssen deshalb derartige Feuerlöscher griffbereit an der Arbeitsstelle sein.

Selten: Metallbrände der Klasse D

Prinzipiell sind auch die meisten Metalle brennbar, aber ausschließlich bei sehr hohen Temperaturen über 1000°C. Auch hier gilt: Auf keinen Fall mit Wasser löschen! Denn Wasser zersetzt sich bei diesen Temperaturen zu Wasserstoff und Sauerstoff, was zu einer Knallgasexplosion führen kann. Die Feuerwehr bekämpft solche Brände durch ersticken. Geeignet ist spezielles Metallbrand-Löschpulver (D-Pulver) oder alternativ Sand, Zementpulver oder Natriumchlorid (Salz), die über dem brennenden Metall schmelzen und eine luftdichte Schicht bilden, die das Feuer erstickt.

Fettbrand: Spezialschaum stoppt Sauerstoffzufuhr

Heißes Fett in einer Pfanne
Heißes Fett niemals aus den Augen lassen - und wenn es doch mal brennt, nicht mit Wasser löschen. Bild © Imago Images

Entzündet sich Fett, etwa weil die Pfanne auf dem Herd vergessen wurde, ist das richtige Löschmittel von entscheidender Bedeutung. Auf keinen Fall sollte versucht werden, mit Wasser zu löschen, denn das kann zu einer Fettexplosion führen: Das Wasser sinkt durch das Fett auf den Pfannenboden, nimmt dort Energie auf und reißt beim Verdampfen Tropfen des brennenden Fetts mit nach oben. Dabei verdunstet 1 Liter Wasser schlagartig zu 1700 Liter Wasserdampf - teils mit lebensgefährlichen Folgen.
Auch eine Löschdecke ist nicht die beste Wahl. Ihre Handhabung erfordert sehr viel Umsicht, damit der brennende Topf z.B. nicht versehentlich vom Herd gezogen wird. Empfehlenswert ist ein Feuerlöscher mit Spezialschaum. Auch hier gibt ein Hinweis Auskunft, ob das Mittel auch für Brände der Klasse F (Haushaltsöle und Fette) geeignet ist. Das Löschmittel bildet durch die Verseifung eine Sperrschicht und unterbindet die Sauerstoffzufuhr. So werden die Flammen erstickt.

Fazit: Welcher Feuerlöscher ist der richtige für den Privathaushalt?

Verschiedene Brandklassen – verschiedene Feuerlöscher. Einen Universalläscher gibt es nicht. In Privathaushalten eignen sich ABC-, Pulver oder Schaumlöscher besonders gut. Der ABC-Pulverlöscher kann gegen brennende Feststoffe wie Textilien und Holz, gegen Flüssigkeiten wie Alkohol oder Benzin und gegen Gase wie Propan und Methan angewendet werden. Der Nachteil: Das Pulver blockiert die Sicht und die Wohnung wird sehr verschmutzt. Im Gegensatz zu Pulverlöschern sind Schaumlöscher leichter zu bedienen und das Löschmittel lässt sich nach dem Einsatz einfach wieder abwischen. Achtung: Schaumlöscher dürfen nur gegen Brände fester und flüssiger Stoffe eingesetzt (Brandklasse A und B) werden.
Auch wenn der Besitz eines Handfeuerlöschers in privaten Haushalten nicht vorgeschrieben ist, sollten sie alle zwei Jahre von einem Fachmann überprüft werden. Das Löschmittel oder die Löschpistole könnten mit der Zeit unbrauchbar oder der Schlauch porös werden.

Text: Nina Chmielewski / Vanessa Laspe

Sendung: hr-fernsehen, "alles wissen", 7.3.2019, 20:15 Uhr