Grillen auf einem Teller

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zum Video Street Science: Insekten essen

Hatten Sie schon mal Appetit auf eine richtig fette Made oder eine knusprige Heuschrecke? Nein? Das kann sich bald ändern. Denn Experten prognostizieren, dass Insekten in Zukunft eine wichtige Rolle in der Welternährung spielen werden.

Auf unserer Erde gibt es weder genug Platz noch genug Futter, um weiterhin die Milliarden Hühner, Schweine, Rinder und andere anspruchsvolle Nutztiere zu halten, die wir gewohnt sind zu essen.
Wir haben deshalb den Hessentag in Bad Hersfeld zum Anlass genommen, um zu testen, wie aufgeschlossen die Hessen und "auswärtige" Besucher anderer Bundesländer sind, wenn es um exotische Gerichte geht.

Dazu haben wir eine Köchin eingeladen, die sich auf vielfältige Gerichte mit Insekten spezialisiert hat. Nicole Sartirani ist seit drei Jahren mit ihrer "Mikrokosmos-Insektenküche" auf verschiedenen Veranstaltungen und Wochenmärkten aktiv und bietet Kochkurse an. Zu den essbaren Insekten kam sie durch ihre Beschäftigung mit gesundem und nachhaltigem Essen. Da es für viele Ihrer Gäste der erste Kontakt mit essbaren Krabbelgetier ist, ist es ihr besonders wichtig, alle Gerichte ansprechend und appetitlich aussehen zu lassen. Sie kredenzt unseren Besuchern drei Kostproben ihrer Küche. Nina Schmidt, erprobte Reporterin in herausfordernden Situationen, hilft mit, die Insektenküche den Besuchern schmackhaft zu machen.

Unser Menü

  • Pasta mit Insektenmehl, geschwenkt in Olivenöl, dazu kleine Tomaten und essbare Blüten
  • Geröstete Zucchini und Pilze mit frittierten Heuschrecken am Spieß und Grillen auf Ocopa-Creme
  • Obstsalat mit gerösteten Buffola- und Mehlwürmern

Zu den Rezepten

Wie finden die Besucher des Hessentags die Insektenküche?
Ekel, Scheu, zumindest Vorbehalte – das hat Nina Schmidt erwartet. Doch dann kommt alles ganz anders! Ihr und Nicole Sartirani werden die Gerichte fast aus der Hand gerissen. Die Gäste sind neugierig und experimentierfreudig.

Und das Beste: Allen schmeckt es. Manche wollen sogar in Zukunft auch zu Hause Insekten kochen. Vor allem die Heuschrecken sind der "Renner" Alle Testpersonen sind sich einig, dass sie nach knusprigen Geflügel oder Hähnchenhaut schmecken. Nicole Sartirani beschreibt es blumiger: "Der Geschmack ist sehr delikat, die Heuschrecken schmecken nach getrocknetem Gras, haben etwas sehr leichtes und bringen uns geschmacklich auf die Wiese".

Die Buffalo-und Mehlwürmer schmecken vor allem knusprig und leicht nussig. Da sie in Nicole Sartiranis Nachspeise karamellisiert sind, auch leicht süß.

Sind Insekten gesund?

Maden, wie Mehlwürmer und Buffalowürmer, Heuschrecken und Grillen enthalten etwa doppelt bis dreimal so viele Proteine wie z.B. die gleiche Menge Rindfleisch. Insekten haben zudem einen hohen Gehalt an ungesättigten Fettsäuren, die als besonders gesund gelten. Und in Bezug auf Mineralien wie Zink, Selen, Kupfer, Eisen oder auch Vitamin B12 stehen Insekten dem Fleisch in nichts nach. leichzeitig sind Insekten aber unglaublich genügsam. Um die gleiche Menge Rindfleisch zu erzeugen, benötigt man rund vier Mal so viel Futter und zwölf Mal so viel Platz. Und Rinder setzen durch ihre Verdauungsvorgänge riesige Mengen CO2 frei: hundert Mal so viel, wie bei der Insektenzucht entsteht. Besonders krass ist das Verhältnis zwischen dem Wasserbedarf für die Rinderhaltung und der Insektenhaltung. Die Rinderhaltung verbraucht rund 15 000 Mal so viel Wasser!

Wo kann man Insekten kaufen?

Online kann man von Nudeln mit Insektenmehl bis Müsli mit Insekten schon ziemlich viele Produkte bekommen. Sogar Schokolade inklusive Wurmeinlage. Vier Insektenarten gibt es auch im Ganzen: die kleinen Buffalowürmer und die größeren Mehlwürmer, außerdem Heuschrecken und Grillen - alle gefriergetrocknet.

Inzwischen bieten auch einige Supermärkte Produkte aus oder mit Insekten an. Allerdings hauptsächlich in Großstädten. Doch sie kommen langsam aus dem Nischendasein heraus, weil sie zu den derzeit angesagten Low Carb Produkten zählen. Nudeln enthalten z.B. wegen des Insektenmehls weniger Kohlenhydrate, dafür aber mehr Proteine. Und für Sportler können eiweißreiche Insektenriegel eine Alternative zu anderer Proteinnahrung sein. Die Insekten stammen hauptsächlich aus den Beneluxländern. Hier sind essbare Insekten schon länger ein Trend. Abermillionen Insekten werden dort in zertifizierten Insektenfarmen für den menschlichen Verzehr gezüchtet.


Sendung: hr-fernsehen, "alles wissen", 20.06.2019, 20:15 Uhr