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zum Video Superfood Lupine: Blumen essen, statt Fleisch?

Lupinen kennen die meisten als Blumen aus dem Garten, doch inzwischen mausert sich die Pflanze immer mehr zu einer Fleischalternative. Süßlupinen sollen uns satt machen und liefern dabei sogar mehr Eiweiß als ein herkömmliches Rindersteak. Aber schmeckt das auch? Unsere Tester Anja und Marcus haben es ausprobiert.

Wildlupinen und Süßlupinen

Nicht jede Lupine ist essbar.Wildlupinen aus dem Garten sind sogar giftig, da sie viele Bitterstoffe, sogenannte Alkaloide enthalten. Nur die verwandte Süßlupine ist für den Verzehr geeignet, da Forscher sie so gezüchtet haben, dass die giftigen Bitterstoffe verschwunden sind. Vom Aussehen her kann man die Pflanzen allerdings nicht unterscheiden. Gegessen werden nur die Samen, die wie dicke, weiße Bohnen aussehen.

Wahre Proteinbomben

Süßlupinenprodukte dienen vor allem als Fleisch-und Milchersatz. Sie sind wahre Proteinbomben und enthalten alle acht essentiellen Aminosäuren, die wir Menschen nur über die Nahrung aufnehmen können. Lupinen haben einen Eiweißanteil von ca. 42 Prozent, während ein Rindersteak nur zu 27 Prozent aus Eiweiß besteht. Zudem enthalten Lupinen Ballaststoffe, welche die Verdauung anregen. Diese fehlen beim Fleisch.

Lupinenprodukte erobern die Supermarktregale

Anja und Marcus finden beispielsweise Lupinenpasta, Lupineneis und Lupinenjoghurt. Alles rein pflanzlich. Die Lupine liefert neben dem vielen Eiweiß außerdem die Vitamine A und B1 sowie Mineralstoffe wie Kalium, Calcium, Magnesium und Eisen, die für den Fettstoffwechsel und Muskelaufbau wichtig sind. Unsere Tester sind neugierig auf die Produkte. "Also ich bin gespannt wie sich da Geschmack und Konsistenz drauf auswirken", sagt Anja.

Lupinenprodukte im Test

Für ein Wochenende ersetzen Anja und Marcus alle tierischen Lebensmittel durch Lupinen. Über 40 Produkte kommen zusammen. Als erstes nimmt Marcus die Lupinenmilch unter die Lupe: "Sie ist ein bisschen trüber als Milch. Aber das ist ja bei Sojamilch teilweise auch so. Schmeckt echt gut. Ich mag die Konsistenz. Ich mag diesen Fettfilm, der sich im Mund bildet, der an echte Milch erinnert." Der erste Eindruck ist positiv. Die meisten Lupinenprodukte gehören zum Convenience Food, sind also schon fertig verarbeitet und vorgekocht wie beispielsweise Lupinenfrikadellen. Die produziert Alexander Bauer von purvegan mitten in der Pfalz.

Anspruchslose Superpflanze

Die Lupinensamen bekommt er vom Bauern nebenan. Neben ihrer Regionalität überzeugt Alexander Bauer vor allem, dass die Lupine sehr anspruchslos ist, was den Boden angeht. "Sie wächst auch auf sehr sandigen Böden ohne großen Bedarf an Mineralstoffen. Und im Gegensatz zu Soja gibt es keine gentechnisch veränderten Sorten", erklärt er. Seit Alexander Bauer die Süßlupine entdeckt hat, sattelt er auch privat voll auf pflanzliche Ernährung um: "Ich glaube, dass unser Fleischkonsum auf diese Art und Weise nicht zukunftsfähig ist. Wir müssen immer mehr Futter herstellen und immer mehr Futterfläche generieren. Und wir reden ja gerade über Ackergifte und das berühmte Glyphosat. Das ist auch ein Auswuchs aus unserem Fleischkonsum, den ich persönlich nicht mehr unterstützen möchte.“

Von der Bohne zur Lupinenfrikadelle

 Eine Tonne Lupinen verarbeitet er pro Woche. Die ganze Lupinenbohne kommt in den Mischer, ebenso Gewürze, Karotten und Pastinaken. Gerade das Gemüse gibt den Frikadellen später ihre Bissfestigkeit. Anschließend werden sie geformt und im Ofen gebacken. Obwohl Lupinen Hülsenfrüchte sind, enthalten sie keine blähenden Stoffe, wie man sie von Bohnen kennt. Aber Vorsicht: Manche Menschen reagieren allergisch auf sie - besonders Erdnussallergiker.

Fleischnamen für pflanzliche Produkte

 Nicht nur Frikadellen entstehen bei purvegan, sondern auch Gyros und Schnitzel aus Lupinen. Alexander Bauer hat sich bewusst für Fleischnamen bei seinen Produkten entscheiden: "Damit die Leute, die sich entscheiden sich vegetarisch oder vegan zu ernähren, auch direkt wissen, was sie mit den Dingen tun sollen. Was für Beilagen dazu passen und als was für einen Ersatz auf dem Teller das gedacht ist. Von der Optik und der Struktur versuchen wir eigentlich nicht ein Fleischstück zu imitieren. Sondern es soll nur eine gesunde Alternative sein, mit allen benötigten Inhaltsstoffen, die man auch übers Fleisch zu sich nehmen kann.“

Nicht immer wird die ganze Bohne verwendet

Allerdings nicht überall wo Lupine drauf steht, ist tatsächlich die ganze Natur-Bohne drin. In einem Joghurt finden unsere Tester Anja und Marcus Lupinenprotein-Isolat. Das ist pures Eiweiß, welches aus der Lupine extrahiert wurde. Die Lebensmitteltechnologin Stephanie Mittermaier vom Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung hat es aus einem ganz bestimmten Grund entwickelt: "Das Isolat schmeckt nahezu neutral. Wir haben versucht die Aromastoffe, die uns stören wie bohnige, grüne, grasige Noten daraus zu entfernen." So kann das Lupinenprotein verschiedenen Lebensmitteln beigemischt werden. Es liefert pflanzliches Eiweiß, ohne dass der Geschmack beeinträchtigt wird.

Wie schmecken Lupinenprodukte?

Am Wochenende haben Anja und Marcus mit den Lupinen gekocht: Es gab  Lupinenfilet, Lupinenpasta mit Pesto und Lupinenjoghurt zum Nachtisch. Anja hat häufiger mal nachgewürzt, da ihr einige Produkte zu mild waren. Geschmäcker sind bekanntlich unterschiedlich, doch Marcus ist überzeugt und meint: "Roh schmeckt mir die Lupine gut, also eingeweicht und gekocht. Das ist ein schöner, milder Geschmack. So komplett verarbeitet als Convenience Food nicht so ganz, als Milchprodukt aber gut."

Mal weniger Fleisch essen und trotzdem nicht aufs Eiweiß verzichten, ist dank der Süßlupine also kein Problem.

Sendung: hr-fernsehen, "Alles Wissen", 11.10.2018, 20:15 Uhr