Therapiehund Cooper arbeitet mit demenzkranken Senioren

Studien belegen: Menschen mit Haustieren sind weniger krank und haben sogar bessere Chancen, einen Herzinfarkt zu überleben. Vor allem bei sozial schwachen Menschen übernehmen die Tiere dabei eine ganz entscheidende Rolle.

Frau Schmidt und ihr Hund Leila

Frau Schmidt ist glücklich. Endlich kann ihre 7-jährige Hündin Leila wieder laufen, dank einer Bandscheibenoperation des Tieres vor wenigen Wochen. Dafür hat sich die 76-Jährige in immense Unkosten gestürzt. Die Rentnerin lebt am Existenzminimum und wird den Eingriff noch jahrelang abstottern müssen. Aber Leila bedeutet der alleinstehenden Frau alles, deshalb war es für E. Schmidt keine Frage, ihren Hund operieren zu lassen. "Geld ist nicht wichtig", sagt sie, "wichtig ist der Hund, der hängt an mir, ich an ihm, so viel Liebe kann kein Mensch geben."

Tiere sind im Leben der alten Dame schon immer ein Fixpunkt gewesen. Aber seit sie nicht mehr arbeitet und nur noch wenig Geld und Kontakte hat, ist Leila noch viel wichtiger geworden. Mit ihr Gassi zugehen, sie zu versorgen und sich um sie zu kümmern, gibt Frau Schmidt jeden Tag eine Aufgabe und einen Sinn für ihr Leben. "Sie holt mich immer wieder runter, wenn was ist. Da kann sein, was will, ich heule mal einen Augenblick, aber wenn sie dann zu mir kommt und ich streichel sie und sie legt den Kopf auf meine Beine und will geschmust haben, das ist für mich ein ganz tolles Gefühl."

Tiere als soziale Stütze

Tiere sind gerade für Menschen in schwierigen Lebensumständen oft ein Lichtblick im Alltag. Das hat Katharina Ameli immer wieder erlebt. Die Soziologin forscht an der Uni Gießen zum Thema Mensch-Tier-Beziehung.  Mit ihrem Hund ist sie selbst in Senioreneinrichtungen unterwegs gewesen. Und konnte beobachten, wie positiv die Menschen auf Vierbeiner reagieren.  "Wir wissen aus der Forschung, dass Tiere wirken, in sozialen, psychischen und physiologischen Kontexten. Für Menschen, die isoliert sind, hat es eine besondere Wertigkeit, ein Tier zu haben - für das Verantwortungsgefühl, das Kümmern, einen Partner zu haben, der da ist, einen wertschätzt, wie man ist."

Gerade für Menschen, die am gesellschaftlichen Rand stehen, erfüllen Tiere viele Bedürfnisse. Unterhaltung, Gesellschaft, Streicheleinheiten, Lebensmut. Und sie öffnen auch den Weg nach draußen – sei es, um mit dem Hund spazieren zu gehen und dabei anderen Menschen zu begegnen, sei es, um Futter zu besorgen oder zum Tierarzt zu gehen.

Die Tiertheke in Wetzlar

Erika Schmidt zum Beispiel macht sich einmal in der Woche auf den Weg nach Wetzlar. Ihr fester Anlaufpunkt ist die Wetzlarer Tiertheke, ein Verein, der sozial schwache Tierbesitzer mit Futter zum kleinen Preis unterstützt. Rund 300 Tierbesitzer gehen bei der Tiertheke ein und aus. Sonja Weigel hat den Verein gegründet. "Wir sind für Geringverdiener, Obdachlose, eben die, die wenig Geld haben, die am Minimum leben und für die ihre Tiere die einzige Bezugsperson sind."  

Die Tiertheke – wie andere Tiertafeln in Hessen – hilft mit Futter und manchmal auch mit anderen Hilfestellungen, damit die Tierhaltung nicht am fehlenden Geld scheitert. Denn, wie Sonja Weigel sagt, "das bedeutet so viel für den Menschen, da kann man kein Tier rausreißen, das geht nicht." Niemand muss sich hier schämen für seine geringen Mittel, im Gegenteil, neben Tierfutter findet  Frau Schmidt im Laden der Tiertheke auch günstige Dinge aus Haushaltsauflösungen und trifft Menschen mit ähnlichen Sorgen und Problemen. "Ich find das toll und das kann jeder sehen, dass ich hier bin, Hauptsache, Hund und Katzen haben zu essen," sagt die alte Dame.

Weitere Informationen

Weitere Informationen

Tiertheke Wetzlar e.V.
Langgasse 58
35576 Wetzlar.
E-Mail: info@ttwz.de.

Öffnungszeiten
Montag bis Freitag 10:00 bis 17:00 Uhr.

Ende der weiteren Informationen

Tierhaltung mit wenig Geld – pro oder contra?

Doch nicht alle Tierfreunde sind einverstanden mit der Allianz von Tieren und sozial schwachen Menschen. Wie berechtigt sind ihre Vorwürfe, es sei unverantwortlich, mit wenig finanziellem Spielraum ein Tier zu halten? Denn fraglos ist es nicht immer einfach, ein Tier adäquat zu versorgen, wenn man selbst wenig Geld hat. Was, wenn das Tier alt wird, was, wenn es den Tierarzt braucht?

Sonja Weigel von der Tiertheke springt ihren Kunden bei. "Die Leute, die ich kenne, versorgen ihre Tiere mit Herzblut und verzichten lieber auf Wurst und Brot, damit ihr Tier versorgt ist."

Soziologin Katharina Ameli hält solche Fragen für berechtigt. In einer Mensch-Tier-Beziehung müssen beide Seiten zu ihrem Recht kommen, Mensch wie Tier versorgt sein. Aber sie wägt ab. "Die Erfahrung zeigt, dass sie in der Regel die Tiere schon sehr gut versorgen. Sicherlich gibt es Einzelfälle, wo das nicht so ist, aber man muss bedenken, welche Bedeutung es für den Menschen hätte, wenn er kein Tier hätte. Was heißt das für seinen Gesundheitszustand oder gerade im Bereich der psychischen Erkrankungen, was bedeutet das für den Menschen."

Die positive Wirkung von Tieren auf den gesundheitlichen Zustand und die Psyche ist in vielen Forschungsarbeiten nachgewiesen worden. Laut einer Studie gehen Tierhalter sogar seltener zum Arzt. Und auch wenn ausdrücklich zum Thema sozial schwache Tierhalter kaum geforscht wurde, kann man von den gleichen Effekten ausgehen.

Ausbildung zur tiergestützten Pädagogik

Die Universität Gießen bietet nebenberuflich die Ausbildung zur "Fachkraft für tiergestützte Dienstleistungen mit Schwerpunkt tiergestützte Pädagogik, Fördermaßnahmen und Therapie" an.

Weitere Informationen

Weitere Informationen

Justus-Liebig-Universität Gießen
Stabsabteilung Studium, Lehre, Weiterbildung und Qualitätssicherung (StL)
Ludwigstraße 23
35390 Gießen
E-Mail: Nadine.Schoenwolf@admin.uni-giessen.de

Ende der weiteren Informationen

Tiertafeln in Hessen

Um Menschen zu unterstützen, die ihre Tiere mit geringen Mitteln ernähren müssen, gibt es sogenannte Tiertafeln oder auch Futterausgabestellen. Hier können Geringverdiener, Sozialhilfeempfänger, Obdachlose und Menschen mit kleiner Rente an bestimmten Tagen Futter für ihre Haustiere erhalten. Zum Teil werden sogar Tierarztbesuche übernommen.

Die Vereine finanzieren sich durch Geldspenden und werden ehrenamtlich betrieben. Wer Tierfutter spenden möchte, kann dies direkt bei den Tiertafeln abgeben. Viele Tierfachhandel und Supermärkte bieten auch Futterboxen an, in der dort gekauftes Futter direkt gespendet werden und von dort weitergeleitet werden kann.

Weitere Informationen

Die Tiertafeln Hessens

Die Frankfurter TierTafel in der Ludwig-Landmann-Straße 206 in Frankfurt am Main nimmt alle zwei Monate neue Kunden auf. 98% des Futters für die betreuten Tiere werden neu gekauft. Deshalb ist der Verein insbesondere auf Geldspenden angewiesen. Die Futterausgaben finden an jedem 3. Samstag im Monat zwischen 10:30 und 16:00 Uhr statt.

Im Wißmarer Weg 242 in Gießen wird jeden zweiten Samstag Futter ausgegeben und auch Neukunden können sich vor Ort anmelden.

Die Futterausgabe in der Frankfurter Str. 28 bei der AWO findet jeden letzten Donnerstag im Monat von 9:00 bis 11:00 Uhr statt, in der Danziger Straße 8 in Gersfeld, jeden letzten Montag im Monat von 10:00 bis 12:00 Uhr.
Sammelboxen für Futter- und Sachspenden befinden sich an verschiedenen Orten des Landkreises.

  • Haustiertafel Kassel - Stadt und Land e.V.

Die Haustiertafel Kassel in Vellmar können Sie mit Spenden von Futter, Zubehör, Geld oder Zeit unterstützen oder eine Patenschaft übernehmen.

Montags bis Freitags von 10:00 bis 17:00 Uhr ist die Tiertheke in Wetzlar geöffnet (Langgasse 58). Im zugehörigen Second-Hand-Laden werden Sachspenden angenommen und direkt an Bedürftige weitergeleitet.

Der Tierschutzverein Bad Homburg gibt in der Nehringstraße 10 immer am 2. Montag jedes Monats zwischen 15:00 und 17:00 Uhr Tierfutter aus für Bedürftige aus Bad Homburg und Oberursel.

Das Tierheim Wiesbaden gibt an jedem 3. Montag eines Monats wir auf dem Gelände der Teestube Wiesbaden (Dotzheimer Str. 9) aus dem Tierheimauto ("Futtermobil") in der Zeit von 14:00 bis 16:00 Uhr kostenlos Tierfutter an Bedürftige ab.

Ende der weiteren Informationen

Autorin: Katja Devaux
Sendung: hr-fernsehen, "alles wissen", 04.04.2019, 20:15 Uhr