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zum Video Wie viel Urlaub ist gesund?

Wie lange machen Sie eigentlich Urlaub? Und wie häufig? Klar, Urlaub kann man nie genug haben – schließlich soll man da die Seele baumeln lassen und sich erholen. Viele buchen deswegen mehrere Kurzurlaube, um besser ausspannen zu können. Andere wiederum sind der Auffassung, nur lange Urlaube taugen wirklich zu Erholung. Aber was ist da tatsächlich dran?

Wie sollte ich meinen Urlaub so planen, damit er auch wirklich entspannt und stressfrei gelingt?

Zumindest was letztere Frage betrifft, sind sich viele Hessen ziemlich einig: "Urlaub ist Erholung, mal was anderes sehen." meinen viele. Auch "Ruhe, ausspannen und die Beine hochlegen, ohne den üblichen Wahnsinn", sei extrem wichtig, sagen andere.

Guter Urlaub ist gesund - beugt gegen Herzinfarkt und Schlaganfall vor! 

Doch damit hat es sich häufig auch schon mit den Gemeinsamkeiten vieler – im Blick auf den Urlaub. Etwa bei Sammy und Maria Laura. Auch sie planen ihren Sommerurlaub. Wo und wie die beiden den verbringen wollen, darüber haben sie ziemlich unterschiedliche Vorstellungen. Trotzdem freuen sich sie sich auf die verdiente Auszeit.

Und das ist erst mal gut so, meint Carmen Binnewies. Die Arbeitspsychologin ist Professorin an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Sie erforscht, was Urlaub mit uns tatsächlich macht, seit Jahren. "Wer regelmäßig Urlaub macht, der lebt nicht nur länger. Sondern es ist auch vorbeugend gegen Herzkreislauf-Erkrankungen, wie zum Beispiel Herzinfarkt oder Schlaganfall."

In Studien ist sie der Frage nachgegangen, wie man sich im Urlaub am besten erholt. Für viele wie etwa Sammy geht das am ehesten am Meer. Er will deswegen nach Kroatien. Maria Laura sucht lieber den aktiven Wanderurlaub in Südtirol, in den Bergen. Doch er hat darauf überhaupt keine Lust – Wandern ist ihm zu anstrengend! 

Nicht einfach, hier gemeinsam den richtigen Urlaubsort zu finden. Was also tun, um solche Differenzen aus dem Weg zu räumen?

Der Kompromiss ist hier extrem wichtig, sagt Carmen Binnewies. Wo beide ihre Bedürfnisse ein Stück weit befriedigt sehen. Deswegen gilt, einen Ort zu suchen, wo es möglich ist, beide Wünsche zu verbinden. Denn, so die Uni-Professorin: "Beide sollen das Gefühl haben, ich hab einen Urlaub, wo ich auch meinen Interessen nachgehen kann."

Längerer Urlaub gleich erholsamer? – Ein Mythos!

Ein weiterer Streitpunkt, der vielen die Vorfreude auf den Urlaub rauben kann: Die Frage, wie lang eigentlich ein Urlaub sein muss, damit er auch wirklich erholsam ist? Auch da gehen die Meinungen vieler Hessen auseinander. Die einen machen lieber kürzere Urlaube. Andere längere Urlaube.

Maria Laura und Sammy sind sich in dieser Frage ebenfalls noch nicht hundertprozentig sicher:  Sie will lieber eine Woche Urlaub in den Bergen, und dafür lieber öfter mal im Jahr weg. Er will lieber drei Wochen am Stück, weil es viel erholsamer ist.

Aber was sagt die Expertin? Ist ein langer Urlaub tatsächlich erholsamer als ein kurzer?

"Es ist vielleicht ein bisschen verrückt," meint Carmen Binnewies. "Aber alle Studien, die es dazu gibt, die zeigen, dass die Länge des Urlaubs keine Rolle spielt dafür, wie sehr ich mich erhole, während des Urlaubs. Und auch nicht, ob der Urlaubseffekt länger anhält. Deshalb ist es eigentlich empfehlenswerter, häufiger einen kurzen Urlaub zu machen. Weil man dann häufiger im Jahr von so einem Urlaubseffekt profitieren kann."

Denn, so haben es Forscher herausgefunden: Regelmäßige Auszeiten beugen nicht nur Herzinfarkten und Schlaganfällen vor. Auch die Gefahr des Burn-Outs lässt sich durch den Urlaub reduzieren. Neben Entschleunigung und Entspannung setzt ein Urlaub auch neue Impulse – Eigene Gedanken können so viel leichter schweifen!

Typisch Urlaub – kaum ist man dort, wird man krank …

Aber da gibt es auch dieses Phänomen: Kaum beginnt der Urlaub, wird man krank. Woran liegt das? "Es ist oft so, dass wir vorher nicht genügend Pausen gemacht haben und uns auch überfordert haben", weiß die Urlaubsforscherin. "Gerade in stressigen Situationen stellt uns der Körper eigentlich die gesamte Energie zur Verfügung, um dann den Stress zu bewältigen. Und wenn dann der Urlaub kommt und die Entspannung einsetzt, dann merkt der Körper, ach es ist nicht mehr nötig. Und dann kommen oft auch Infekte dazu."

Auch deshalb kommt es darauf besonders an, seinen Urlaub gezielt auf die eigene Erholung auszurichten, rät Binnewies: "Am Ende ist für die Erholung wirklich entscheidend, wie positiv man diese Zeit erlebt. Oder wie zufrieden man dann damit ist. Das heißt, dass man wirklich was macht, was man sich eben wünscht, was man gerne umsetzen möchte. Und dort eine möglichst schöne Zeit verbringt. Das ist relativ simpel glaube ich am Ende, aber es ist oft nicht von der Umsetzung her immer ganz simpel."

Sammy und Maria Laura haben sich für den Gardasee entschieden. Der bietet beides: Strand und Wasser, aber auch Berge, zum Wandern.

Aber es gibt da noch ein anderes Problem. Denn Maria Laura würde dort gerne ins Museum gehen. Sammy hat da gar keine Lust drauf. Er will lieber Jetski fahren. Den Plan also, den viele Hessen häufig haben, den Urlaub wirklich komplett gemeinsam zu verbringen, müssen die beiden wohl begraben.

Zusammen was unternehmen – im Urlaub? Muss nicht sein …

Dabei steht durchaus die Frage im Raum – Muss man im Urlaub eigentlich immer alles zu zweit unternehmen, um die Erholung nicht zu gefährden? Auch das sei ein typischer Urlaubsmythos, meint Carmen Binnewies. Das Gegenteil würde eher zutreffen, meint die Münsteraner Urlaubsforscherin. "Es ist wichtig, dass die Leute auch mal was alleine machen. Und ihren individuellen Interessen nachgehen. Weil die Forschung hat gezeigt, dass am Ende für die Erholung wirklich wichtig ist, dass man selbst damit zufrieden ist."

Übrigens: auch über die Anreise in den Urlaub sollte man sich schon bei seiner Planung Gedanken machen. Stressige Hin- und Rückfahrten können extrem stark an den Nerven zerren, sagt Binnewies. "Normalerweise hält ein Urlaubseffekt so bis zu drei Wochen an. Wenn man allerdings viel Stress hat, zum Beispiel auf der Rückreise, dann ist der Effekt leider nicht mehr so lang anhaltend. Ist oft schon nach einer Woche wieder weg."

Ein wichtiger Punkt bleibt noch – Wer nach einem Urlaub vom Erholungseffekt noch etwas länger profitieren möchte, sollte es langsam angehen, rät die Urlaubsforscherin. Und sich für seinen ersten Arbeitstag nicht gleich fünf Meetings setzen!


Autor: Dirk Kunze
Sendung: hr-fernsehen, "alles wissen", 13.06.2019, 20:15 Uhr