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zum Video Was bringt die Lebensmittelampel?

Man kennt das aus dem Supermarkt. Wenn man wissen will, was in einem Lebensmittel so alles drin ist, schaut man auf die Verpackung. Fett, Zucker, Salz - steht da alles in einer Nährwerttabelle aufgeführt. Aber Hand aufs Herz: die wenigsten verstehen das kleingedruckte Zahlen-Durcheinander wirklich. Gesund oder nicht? Das ist bei vielen Lebensmitteln gar nicht so einfach zu entscheiden. Klarheit soll jetzt der "Nutri-Score" schaffen, eine Art Lebensmittelampel.

Der Nutri-Score

Der sogenannte Nutri-Score soll ein leicht verständliches Kennzeichnungssystem sein. Ernährungswissenschaftler Frank Forner hat sich mit ihm eingehend beschäftigt. Denn sein Thema ist gesunde und nachhaltige Ernährung. Er sagt: "Der Nutri-Score berücksichtigt die Hauptnährstoffe, die in dem Produkt enthalten sind. Die sogenannten Big 7: Die werden unterteilt in eher ungünstige beziehungsweise günstige Nährwertbestandteile." Je nachdem, welche Bestandteile überwiegen, bekommt das Produkt dann eine Bewertung. Diese erfolgt farblich von Dunkelgrün (gut) bis Rot (schlecht) und zusätzlich noch mit Buchstaben von A (gut) bis E (schlecht). Wichtig: Die Farbe grün beim Nutri-Score hat nichts mit Bio zu tun. Der Nutri-Score berücksichtigt nicht, wie Tiere gehalten werden oder wie nachhaltig Fische gefangen wurden. Dafür gibt es andere Label.

So funktioniert das System

Am Beispiel einer Salamipizza demonstriert Ernährungsexperte Frank Forner uns, wie der Nutri-Score funktioniert. Die wenig erwünschten Nährwerte wie Kalorien, Zucker, gesättigte Fettsäuren und Salz bekommen jeweils Punkte von 0 bis 10. Hier bringt es die Salamipizza auf insgesamt 16 Punkte. Die positiven Bestandteile wie Eiweiß, Ballaststoffe, Obst und Gemüse bekommen ebenfalls jeweils Punkte. Aber nur von 0 bis 5. Bei der Salamipizza ergeben diese positiven Eigenschaften insgesamt 5 Punkte. Diese werden von den 16 Punkten abgezogen. Macht unterm Strich 11 Punkte. Je höher die am Ende erreichte Punktzahl, desto mehr überwiegen die negativen Bestandteile und desto roter, also schlechter, wird der Wert auf der Ampel. Die 11 Nutri-Score Punkte für die Salamipizza ergeben eine eher schlechte Bewertung: Orange, D. 

So machen es unsere Nachbarn

In Deutschland gibt es bislang noch keine Behörde, die den Nutri-Score kontrolliert. Die Hersteller berechnen ihn selbst, müssen sich dabei aber an klar definierte Vorgaben halten. Andere europäische Länder haben mit ähnlichen Systemen gute Erfahrungen gemacht, In Frankreich wurde der Nutri-Score zuerst eingeführt und wird von der französischen Gesundheitsbehörde kontrolliert, die auch Strafen verhängen kann, wenn Lebensmittel falsch gekennzeichnet wurden, erklärt Frank Forner: "In Frankreich ist er mittlerweile schon recht weit verbreitet. Danone war da der Vorreiter und viele andre Firmen haben dann einfach nachgezogen, weil der Markt dann einen gewissen Druck erzeugt. Wenn viele Lebensmittel gekennzeichnet sind, dann wirken natürlich ungekennzeichnete Lebensmittel verunsichernd auf die Verbraucher." Der Nutri-Score könnte deshalb auch dazu beitragen, dass Firmen gesündere Produkte auf den Markt bringen.

Kritik an Nutri-Score

Nach Ansicht der Verbraucherzentralen ist der Nutri-Score die beste bisherige Kennzeichnung, mit der Verbraucher sehr schnell den Nährwert eines Lebensmittels erkennen können. Er bietet allerdings nur eine grobe Einschätzung. Bei Gummibärchen, Schokoriegeln, Mayonnaise oder Chips weiß jeder, dass sie nicht sonderlich gesund sind. Bei anderen Lebensmitteln ist es nicht so eindeutig und bei einigen sorgt der Nutri-Score sogar für Verwirrung. Denn er berücksichtigt Vitamine und Nährstoffe nicht und auch nicht die Zubereitungsart zuhause wenn viel Fett benutzt oder reichlich nachgesalzen wird. So können zum Beispiel Mikrowellenpommes durchaus eine dunkelgrüne A-Bewertung bekommen.

Der Grund dafür: Es sind schließlich nur Kartoffeln und Sonnenblumenöl drin. Kritiker sehen diese Einschätzung skeptisch denn natürlich müssen die Pommes vor dem Essen noch gesalzen werden, was den Wert deutlich verschlechtern würde.  Ähnliche Probleme gibt es auch bei Fischstäbchen und Chicken Nuggets. Die Nuggets haben eine orangefarbene D-Bewertung. Die Fischstäbchen ein hellgrünes B. Auch hier wird die Zubereitung nicht beachtet: Mit viel Fett in der Pfanne oder ohne Fett im Backofen? Eine A-Bewertung bekommen oft auch Fleischprodukte, was natürlich nicht zu einem hohen Fleischkonsum führen sollte.

Die Vorreiter

In Deutschland führen dieses Jahr drei große Hersteller das Nutri-Score Label ein: Bofrost, Iglo und Danone. Was haben die Hersteller davon? Stefan Stohl, der  Pressesprecher von Danone erklärt: "Wir haben den Nutri-Score eingeführt, weil wir in den letzten Jahren in Marktforschungsstudien immer mehr gesehen haben, dass die Verbraucher eine einfache Orientierung am Regal wollen - und das ist Nutri-Score." Danone kündigt an, bis Ende 2020 fast alle seine Produkte zu labeln. Allerdings wurde Iglo gerade vom Landgericht Hamburg  untersagt, die Auszeichnung weiter zu benutzen. Der Grund: Der Nutri-Score sei eine Angabe im Sinne der "Health Claims Verordnung" und keine reine Nährwertkennzeichnung. Iglo kündigte an, schnellstmöglich Berufung einlegen zu wollen.

Gegen die Nutzung des Labels geklagt hatte der "Schutzverband gegen Unwesen in der Wirtschaft e.V.". Wer sich hinter dem Verein verbirgt, ist weitgehend unklar, Die Firmen Iglo und Bofrost wollen bis Ende des Jahres erste Produkte mit dem Nutri-Score in den Handel bringen. Im Internet sind die Bewertungen aber schon jetzt zu finden.  Lebensmittelexperte Frank Forner rät: "Generell gilt: keine Panik vor den Einstufungen. Natürlich kann man auch D- und E-Produkte noch essen. Der Nutri-Score ist gut, um sich ungefähr an ihm zu orientieren. A- und B-Produkte sollten einen großen Anteil unserer täglichen Lebensmittelaufnahme ausmachen, D- und E-Produkte sollte man dementsprechend seltener verzehren. Also vielleicht nur einmal pro Woche."

Der Nutri-Score ist also ein Hilfsmittel, das eine Orientierung in Richtung gesunder Ernährung bieten kann, weil er es möglich macht, auf den ersten Blick den Nährwert eines Lebensmittels zu erkennen. Ob mit oder ohne Nutri-Score gilt aber auch weiterhin: Das Wichtigste ist und bleibt eine ausgewogene Ernährung. Für die muss jeder selber sorgen.

Weitere Informationen

Links

Wie funktioniert die Berechnung?

  • https://www.vzhh.de/sites/default/files/medien/136/dokumente/2019-04_Verbraucherzentrale-Hamburg_Fragen-und-Antworten-zum-Nutri-Score.pdf
  • https://de.openfoodfacts.org/nutriscore
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Sendung: hr-fernsehen, "alles wissen", 25.04.2019, 20:15 Uhr