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zum Video Infoblock Misophonie

Kaugummi kauen, Schmatzen, das Knistern von Chipstüten. Werden Sie beim Klang dieser Geräusche aggressiv? Dann sind Sie ziemlich sicher Misophoniker. "Misophonie" bedeutet wörtlich "Hass auf Geräusche" und ist ein noch weitgehend unbekanntes, gleichzeitig recht verbreitetes Krankheitsbild.

Die Misophonie wird ganz anders gesteuert, als bei Menschen, die einfach ein bestimmtes Geräusch nicht mögen. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Misophoniker bei bestimmten Geräuschen unter anderem im vorderen Inselkortex eine erhöhte Hirnaktivität haben. Dort wird entschieden, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten. Menschen, die unter Misophonie leiden, können also gar nicht anders, als ihre Aufmerksamkeit auf teils unwesentliche Geräusche zu richten, wie zum Beispiel Kaugummi kauen. Dazu kommt, dass auch Hirnregionen stärker aktiviert werden, die für Emotionen zuständig sind. Internationale Studien schätzen, dass weltweit jeder 10. bis 20. Mensch auf Geräusche anspringt, die er nicht aushalten kann.

Essgeräusche lösen starke körperliche Reaktionen aus

Betroffene reagieren aus diesem Grund extrem sensibel: mit Herzrasen, Fluchtgedanken und Schweißausbrüchen. Misophoniker können auch auf andere Auslöser anspringen, etwa das Hämmern des Kollegen auf die Computertastatur. Tatsächlich aber erträgt die Mehrheit keine Kaugeräusche. Eine Studie der Universität Bielefeld hat herausgefunden, dass Betroffene besonders oft empfindlich auf Essgeräusche reagieren, die nahe Angehörige von sich geben. Stellen Sie sich vor, sie sitzen mit einem geliebten Menschen am Tisch und der steht plötzlich auf, weil er ihre Kaugeräusche einfach nicht ertragen kann. Misophoniker leiden manchmal so sehr, dass sie zum Beispiel vermeiden mit Bus und Bahn zu fahren, weil sie davor Angst haben, dass jemand neben ihnen herzhaft in ein Brötchen beißt. Häufig tritt Misophonie schon bei Kindern auf. Experten raten dann dazu, dass Eltern Verständnis zeigen und ihre Kinder nicht dazu zwingen sollten, am Tisch sitzen zu bleiben.

Sendung: hr-fernsehen, "alles wissen", 11.04.2019, 20:15 Uhr