Rechtsextreme Botschaften, Drohbriefe und Parolen - immer wieder gibt es Fälle von rechter Gewalt in den Reihen der hessischen Polizei. Es laufen zahlreiche Ermittlungen. defacto geht der Frage nach, ob es sich dabei um Einzelfälle handelt und begibt sich auf Spurensuche in Mittelhessen.

Drohbriefe, Nazi-Parolen, rassistische Bilder - Immer wieder rechte Vorfälle in der hessischen Polizei 

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Hat die hessische Polizei ein Rassismus-Problem? Diese Frage stellt sich, seit die Anwältin Seda Basay-Yildiz im August 2018 eine Morddrohung erhalten hatte. Basay-Yildiz vertrat Opfer rechter Gewalt im NSU-Prozess. Es folgten weitere Drohschreiben gegen sie. Im Verdacht stehen Beamte aus einem Frankfurter Polizeirevier, die in einer Chatgruppe rechtsextreme Botschaften ausgetauscht hatten. Danach kamen weitere Vorfälle ans Licht: in Schlüchtern, in Mühlheim und rund um Kirtorf. 38 Verdachtsfälle gab es zwischenzeitlich, viele davon sind noch immer nicht abgeschlossen. defacto gibt einen Überblick über den hessischen Polizeiskandal und fragt: Sind das alles nur Einzelfälle oder gibt es rechtsextreme Verbindungen innerhalb der Polizei?

Braunes Netzwerk Kirtorf? defacto auf Spurensuche in Mittelhessen

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Unter den vielen rassistischen Verdachtsfällen bei der Polizei sticht ein Ort besonders ins Auge: Kirtorf in Mittelhessen. Zwei Polizistenbrüder sind bei einer Kirmes mit rechtsextremistischen Aussagen aufgefallen. Im Haus des Älteren fanden Ermittler bei einer Durchsuchung ein museal eingerichtetes Zimmer mit NS-Devotionalien. Und auch schon in der Vergangenheit hat der Ort durch rechte Schlagzeilen Bekanntheit erlangt. Denn vor 15 Jahren fanden in Kirtorf immer wieder Neonazi-Konzerte statt. Hunderte Neonazis trafen sich damals in der Scheune eines NPD-Mitglieds mitten im Ortskern. Dass der Ruf des "braunen Kirtorfs" durch die aktuellen Ermittlungen wieder über dem Ort schwebt, ärgert Pedro Valdivielso. Seit Jahrzehnten engagiert er sich im Aktionsbündnis gegen Rechtsextremismus. Gerade hatten sie durchatmen können, dachten sie hätten die Probleme mit den Alt-Nazis in den Griff bekommen, da wurden die neuen Vorwürfe über die Polizisten bekannt. "Ich habe mich dann gleich gefragt: Haben die Polizisten etwas mit den Nazis von früher zu tun. Wir haben da keine Antworten, wir brauchen aber dringend Antworten." Denn viele Menschen im Ort seien verunsichert, sagt er. Bisher sind die Informationen mehr als dürftig. Wegen laufender Ermittlungen geben Staatsanwaltschaft und Innenministerium keine Auskunft. Deshalb hat sich defacto auf Spurensuche begeben und wollte wissen: Wer sind die verdächtigen Polizisten dort? Und gibt es Verbindungen zur alten Neonazi-Szene? 

Pränataldiagnostik – Wie Behinderte zu Kostenfaktoren wurden

Ist es billiger, die Geburt behinderter Kinder durch Pränataldiagnostik zu verhindern als sie zu versorgen? Heute ist diese Frage ein Tabubruch. Anders in den 70er Jahren: da galten Menschen mit Downsyndrom als Belastung. Was heute kaum vorstellbar ist, war damals Realität. Wissenschaftler und Politiker berechneten, was Menschen mit Behinderung das Gesundheitssystem kosten und was es kosten würde die Geburten etwa durch Tests und Abreibungen zu verhindern.  Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Rolle des Marburger Genetikers Georg Gerhard Wendt. In Artikeln und Gutachten warnte er vor einem „täglichen Zustrom“ von Behinderten. Wendt sprach sogar mehrfach von einem künftigen „Zwang zur Erbgesundheit“ oder einen Sterilisationszwang für Behinderte. Für Familien mit behinderten Kindern war das damals eine schlimme Zeit. defacto hat Maren Müller-Erichsen und ihren Sohn Olaf in Gießen besucht. Olaf ist heute 44 Jahre alt. Er wurde 1975 mit dem Downsyndrom geboren. Seine Mutter schildert defacto gegenüber, was sie damals erlebt hat. Wie Ärzte sie schockiert ansahen und nicht verstehen konnten, dass sie die Untersuchung nicht gemacht hatte - nach dem Motto, dann hätte sie jetzt dieses belastende Kind nicht.  

Drogen und Sprengstoff statt Blüten – Wie Bienen die Polizeiarbeit unterstützen könnten 

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Manchen mag es überraschen, aber Bienen könnten bei der Polizei oder beim Zoll bald als "Drogenspür-Bienen" eingesetzt werden. Denn Bienen haben eine bessere "Nase" als gut abgerichtete Hunde. Wissenschaftler der Universität Gießen forschen mit ihnen seit Jahren. Sie können mit einfachen Mitteln Bienen so konditionieren, dass sie zu Drogen- oder Sprengstoffdetektoren werden. Während Spürhunde mindestens ein Jahr dafür brauchen, gelingt das bei Bienen in 13 Minuten. Bienen kann man auf viele unterschiedliche Stoffe dressieren. Das Geheimnis: Sie haben gute Antennen. Hessens Landeskriminalamt hat ihre Fähigkeiten sogar getestet. Kommt jetzt Kommissar Biene? Wie realistisch wäre ihr Einsatz? defacto hat bei Wissenschaftlern, Imkern und bei den Sicherheitsbehörden nachgefragt.

Krankenkasse will Transportkosten nicht übernehmen – defacto hilft

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Es sollte ein schöner Kurzurlaub werden, den Maria Kluth aus Selters mit ihrem Patensohn Klaus Müller im Frühjahr in Bad Pyrmont verbringt. Doch eines Abends geht es der 93-Jährige nicht gut. Da sie nur schwer atmen kann, kommt sie ins Krankenhaus. Nachdem es ihr etwas besser geht, wird sie entlassen. Die Klinik bestellt einen Krankentransportwagen, der sie nach Hause fährt. Hier erholt sich die Seniorin gut. Doch nach einiger Zeit erhält sie ein Schreiben ihrer Krankenkasse mit der Mitteilung, es würden nur Rücktransportkosten für ein Taxi oder einen Mietwagen übernommen. Maria Kluth hat die Befürchtung, dass sie die Differenz von fast 1000 Euro aus eigener Tasche bezahlen muss. Das wäre für die Rentnerin finanziell nicht machbar. Daher schaltet sie defacto ein: "jetzt reicht’s".

Moderation: Robert Hübner
Sendung: hr-fernsehen, "defacto", 11.09.2019, 20.15 Uhr