Teilnehmer einer Kaffeefahrt

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zum Video So schützen Sie sich vor Abzocke bei Kaffeefahrten

"Sie haben eine Reise gewonnen!" Das bekommen Sie zum Beispiel in einem Brief oder in einem Flyer per Post mitgeteilt. Oft verstecken sich hinter solchen "Reisen" die gefürchteten Kaffeefahrten. Unterwegs werden den Verbrauchern dann Produkte zu überhöhten Preisen angeboten.

Jedes Jahr nehmen schätzungsweise fünf Millionen Deutsche an Kaffeefahrten teil. Günstige Busfahrten, bei denen arglosen Kunden billige Produkte für viel Geld angedreht werden. Wer den Versprechungen glaubt, hat schon verloren. Wer an einer solchen Verkaufsfahrt teilgenommen hat und den Verkäufern auf den Leim ging, hat kaum Chancen, sein Geld wiederzusehen. Die Verantwortlichen verschleiern ihre Identität und sind kaum ausfindig zu machen. Oftmals nehmen sie auch nur Anzahlungen und versprechen spätere Lieferung, die dann nicht kommt. Wie Sie betrügerische Einladungen zu Kaffeefahrten erkennen, erfahren wir in einem Gespräch mit Sonja Guettat von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz e. V.

Kann ich bei solchen Angeboten eine Masche erkennen? Es gibt ja sicherlich auch seriöse Senioren-Angebote?

  • Oft steht es schon im Kleingedruckten der Anzeige, dass noch eine Werbe- und Verkaufsveranstaltung auf dem Programm steht. Auch wenn der Rest der Fahrt verlockend scheinen mag: Wir raten von solchen ab. Lieber kirchliche oder kommunale Angebote in Betracht ziehen! Die sind immer seriös und im Zweifel die bessere Alternative.

Viele Geschädigte, die sich Decken oder sonstiges zu überteuerten Preisen gekauft haben und später merken, dass diese Ware minderwertig ist, sagen, sie schämen sich regelrecht darauf reingefallen zu sein. Sie hätten sich einfach verpflichtet gefühlt etwas zu kaufen.

  • Niemand ist bei so einer Fahrt zum Kauf der angebotenen Produkte verpflichtet. Das beste Mittel dagegen ist hart zu bleiben und den eigenen Geldbeutel geschlossen zu halten.

Was sollte ich bei der Teilnahme an einer Kaffefahrt keinesfalls tun?

  • Auf keinen Fall sollten Sie sich dazu überreden lassen eine Anzahlung für ein Produkt zu machen oder gar sich zu einer Bank fahren zu lassen. Wenn Sie wirklich an einem Angebot interessiert sind, können Sie sich den Vertrag mit nach Hause geben lassen und dort in Ruhe prüfen und nachträglich kaufen.
  • Falls Sie vor Ort etwas kaufen möchten, prüfen Sie bitte den Kaufvertrag. Sollte als Verkäufer-Adresse nur ein Postfach oder eine Adresse aus dem Ausland angegeben sein, raten wir dringend vom Kauf ab, da Sie sonst im Zweifelsfall keine Möglichkeit auf Gewährleistung oder Rückgaberecht haben.

Was mache ich, wenn ich während der Verkaufsveranstaltung daran gehindert werde, den Saal zu verlassen?

  • Sollte das passieren, oder Sie werden gar eingesperrt, dann ist das der Tatbestand der Nötigung. Ab hier hilft nur der Griff zum Handy und den Notruf 110 zu verständigen.

Wenn ich jetzt doch etwas gekauft habe, kann ich es zurück geben und mein Geld zurück verlangen?

  • Sie können Ihre Einkäufe widerrufen. Und zwar innerhalb von 14 Tagen nach der Unterschrift beziehungsweise nach Erhalt der Ware. Wer nicht ordnungsgemäß über sein Widerrufsrecht informiert wurde, hat sogar ein Jahr und 14 Tage Zeit, um sein Geld wiederzukriegen. Aber Achtung! In der Praxis werden Senioren oft ausgetrickst. Zum Beispiel mit zurückdatierten Kaufverträgen, um das Widerrufsrecht auszuhebeln. Der Widerruf nützt dann nicht. Es bleibt nur die Strafanzeige. Das Geld für den Einkauf ist aber weg.

Unser Tipp:

Lassen Sie sich vor Antritt der Reise vom Veranstalter so genau wie möglich schriftlich bestätigen, welche Leistungen kostenlos sind beziehungsweise ob Sie eventuell Verpflegung, Übernachtung und Rückreise selbst zahlen müssen. Antwortet der Veranstalter nicht auf Ihre Anfrage oder sind seine Angaben sehr ungenau – Finger weg von diesem Angebot!

Weitere Informationen

Studiogast

Sonja Guettat
Expertin für Verbraucherrecht
Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz e. V.
Seppel-Glückert-Passage 10
55116 Mainz
Telefon: 06131 28 48-0
E-Mail: info@vz-rlp.de
Web: www.verbraucherzentrale-rlp.de/beratungsstellen/mainz

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Sendung: hr-fernsehen, "Die Ratgeber", 26.06.2019, 18.45 Uhr