Ein Mann geht in einem See unter.
Gerade in kalten Seen Bild © Imago Images

Gefährdet sind Nichtschwimmer, aber auch Schwimmer. Im Wasser werden Entfernungen leicht unterschätzt. Wenn die Kräfte nachlassen, ist dann das rettende Ufer zu weit weg. Ist erst einmal Wasser in die Lungen eingedrungen, bleibt nur wenig Zeit, um einen Ertrinkenden zu retten.

So reagiert der Körper auf kaltes Wasser

Problematisch ist die Kälte des Wassers. Vor allem in Baggerseen kann es an tiefen Stellen deutlich kühler sein als an flachen: Die Muskulatur neigt zu Krämpfen, die Atmung rast, das Herz jagt. Denn für den Körper ist es eine Höchstleistung, die Temperatur in kaltem Wasser längere Zeit konstant zu halten. Um die lebenserhaltenden Organe zu schützen, wird zunächst die Blutversorgung in Armen und Beinen reduziert - das kann die Beweglichkeit einschränken und so dazu führen, dass man untergeht. Auch wenn Schwimmen eigentlich sehr gesund ist, wird durch die Kälte Adrenalin ausgeschüttet, das zu Herzrhythmusstörungen, Bewusstlosigkeit und Herzstillstand führen kann. Menschen höheren Alters oder mit Herz-Kreislauf-Vorerkrankungen sind in kaltem Wasser besonders gefährdet: Ihr Herz kann aus dem Takt geraten. Wer an Herzrhythmusstörungen leidet, sollte nur in warmem Wasser und unter Aufsicht schwimmen gehen.

Vor dem Schwimmen langsam abkühlen

Vor dem Schwimmen gilt auch für Menschen ohne Vorerkrankungen: langsam abkühlen, damit sich der Körper an die Kälte gewöhnen kann. Erst Hände und Füße abkühlen und dann einmal untertauchen. Ist die Temperatur gut auszuhalten - losschwimmen. Auch die alte Regel "Nicht mit vollem Bauch ins Wasser“ sollte man unbedingt beachten. Weil der Körper nach dem Essen mit der Verdauung beschäftigt ist, kann ein plötzlicher Kältereiz zu Übelkeit und Erbrechen führen. Es besteht die Gefahr, dass Betroffene unter Wasser am Erbrochenen ersticken.

Rettung vor dem Ertrinken

Ist jemand im Wasser in Not geraten, sofort Hilfe holen, den Geborgenen möglichst warmhalten und Bewusstlose wiederbeleben. An bewachten Stränden können ausgebildete Rettungsschwimmer mit Boards oder Rettungskanus schnell helfen. Ertrinkende sind in Panik oder nicht ansprechbar: Sie helfen bei ihrer Rettung nicht mit; einige wehren sich sogar. Die Rettungsschwimmer üben solche Situationen immer wieder und wissen genau, was zu tut ist. Bewachte Badestellen mit vielen sicherheitsrelevanten Zusatzinformationen sind auf der DLRG-Website oder mit der kostenlosen DLRG-App für iPhones und Android-Smartphones zu finden.

Besondere Gefahren

  • Schwimmer unterschätzen häufig die Distanzen und überschätzen die eigene Leistungsfähigkeit. Sind sie einmal zu weit rausgeschwommen, haben sie bei Erschöpfung kaum noch eine Chance. Selbst erfahrene Schwimmer sind irgendwann erschöpft und ausgekühlt.
  • Besonders gefährlich ist Schwimmen in fließenden Gewässern, denn hier sind die tatsächlich zu schwimmenden Distanzen abhängig von der Fließgeschwindigkeit um ein Vielfaches länger, als es den Anschein hat. Aus diesem Grund ist das Schwimmen in fließenden Gewässern auch verboten.
  • In Flüssen und am Meer können Strömungen selbst gute Schwimmer kilometerweit abtreiben. Die Rettungskräfte haben in solchen Fällen keine Chance, die Abgetriebenen wiederzufinden.

Wer beim Schwimmen in freiem Gewässer erschöpft ist, sollte sich möglichst ruhig auf der Wasseroberfläche treiben lassen ("Position toter Mann"). So kann man bei Erschöpfung oder Krämpfen noch eine ganze Weile sicher im Wasser bleiben.

Weitere Informationen

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DLRG - Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft e. V. (DLRG) ist mit rund 1.400.000 Mitgliedern und Förderern die größte freiwillige Wasserrettungsorganisation der Welt. Auf ihrer Seite gibt sie Sicherheitstipps und bietet eine Suchfunktion, um einen DLRG Stützpunkt in der Nähe zu finden.

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Sendung: hr-fernsehen, "Die Ratgeber", 17.06.2019, 18:45