Darmkrebs
Wenn Darmkrebs früh erkannt wird, stehen die Heilungschancen gut. Bild © Imago Images

Darmkrebs zählt zu den häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland. Dabei könnten sehr viele Fälle vermieden werden, wenn mehr Menschen zur Vorsorgeuntersuchung gingen. Denn Darmkrebs entwickelt sich langsam und Vorstufen, die sogenannten Darmpolypen, können schon während der Untersuchung entfernt werden.

Ausgangspunkt für Darmkrebs sind Polypen

Ausgangspunkt bösartiger Tumore im Dickdarm sind zunächst gutartige Schleimhautwucherungen, sogenannte Polypen oder Adenome. Über einen Zeitraum von 6 bis 8 Jahren kommt es beim Wachstum dieser Zellen immer wieder zu Genveränderungen, bis schließlich aus dem gutartigen Polyp eine Krebsgeschwulst entsteht. Je größer ein solcher Polyp ist, desto höher das Krebsrisiko.

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Risikofaktoren für Dickdarmkrebs

  • Höheres Lebensalter: Das Durchschnittsalter bei Erstdiagnose liegt bei etwa 69 Jahren.
  • Familiäre Vorbelastung: Das Krebsrisiko ist dreifach höher, wenn ein naher Blutsverwandter an Dickdarmkrebs erkrankt ist.
  • Entzündliche Darmerkrankungen, insbesondere chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn. Dabei begünstigt offenbar die chronische Entzündung die Krebsentstehung. Das Risiko steigt, je länger die Erkrankung besteht und unbehandelt bleibt.
  • Fett- und fleischreiche, aber ballaststoffarme Ernährung und die Neigung zu Verstopfung bzw. zu festem Stuhl.
  • Übergewicht, Bewegungsmangel, Diabetes, Rauchen und übermäßiger Alkoholgenuss erhöhen ebenfalls das Krebsrisiko.
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Beschwerden kommen spät

Die Mehrzahl der neu entdeckten Darmkrebserkrankungen wird bei Menschen entdeckt, die zuvor völlig gesund und symptomfrei waren. Keine Beschwerden zu haben gibt also keine Sicherheit, auch wirklich einen gesunden Darm zu haben. Daher ist die regelmäßige Darmkrebsvorsorge umso wichtiger.

Darmspiegelung: Dem Krebs zuvor kommen

Die beste und sicherste Methode, um die Schleimhautwucherungen zu entdecken, ist die Darmspiegelung. In Absprache mit dem Arzt kann man die durchschnittlich 10 bis 20 Minuten dauernde Untersuchung dank eines Beruhigungsmittels auch verschlafen. Lästig ist eher der Tag vor der Untersuchung. Denn damit der Arzt das Darminnere sicher begutachten kann, muss es mit Abführmitteln "gereinigt" werden. Während der Darmspiegelung (Mediziner sprechen von einer Koloskopie) schiebt der Arzt ein dünnes Endoskop mit einer kleinen Kamera durch den gesamten Dickdarm bis zum Ende des Dünndarms im rechten Unterbauch. Also bis zu der Stelle, an der auch der so genannte Blinddarm sitzt.

Untersuchung und Behandlung gleichzeitig

Während der Untersuchung wird der Darm mit Luft oder Kohlendioxid geweitet. Kohlendioxid hat den Vorteil, dass es vom Darm aufgenommen und über die Lunge abgeatmet werden kann. Luft führt häufiger zu Blähungen. Entdeckt der Arzt bei der Untersuchung einen Polypen, kann der sofort mit einer kleinen Schlinge abgetragen werden. Die feingewebliche Untersuchung gibt dann Aufschluss darüber, ob sich bereits Krebszellen gebildet haben, ob die Abtragung ausreichend war oder der Tumor bereits so groß ist, dass trotzdem noch operiert werden muss. Bis das Ergebnis der feingeweblichen Untersuchung feststeht, vergehen im Durchschnitt drei bis fünf Tage.

Sicherheit oft für Jahre

In den allermeisten Fällen aber ist es mit der Entfernung der Polypen getan. Die Patienten können beruhigt nach Hause gehen und müssen, je nach Zahl der Polypen, der Größe und dem feingeweblichem Befund, erst Monate oder gar Jahre später zur Nachkontrolle. Wurde kein Polyp gefunden, hat man sogar zehn Jahre Zeit bis zur nächsten Darmspiegelung. Ab einem Alter von 55 zahlen die gesetzlichen Krankenkassen Männern und Frauen eine vorsorgliche Darmspiegelung. Bei unauffälligem Befund wird die zweite Spiegelung frühestens zehn Jahre nach der ersten übernommen. Bei auffälligen Befunden natürlich früher. Wer beispielsweise durch erbliche Belastungen ein höheres Risiko hat, unter einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung leidet, Beschwerden hat oder Blut im Stuhl nachgewiesen wurde, kann selbstverständlich jederzeit eine Darmspiegelung zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen machen lassen.

Gesunde Ernährung – Darmkrebs vorbeugen

Essen Sie wenig Schweine- und Rindfleisch, stattdessen Geflügel, Seefisch oder Meeresfrüchte (aber auch das nicht täglich). Dazu reichlich Vitamine und Ballaststoffe durch Obst, Salat, Gemüse und Vollkornprodukte. Eine große Studie ergab, dass die Erhöhung der Ballaststoffzufuhr von 15 g auf 35 g täglich das Darmkrebsrisiko um 40 Prozent senkt. Diese meist unverdaulichen Nahrungsbestandteile beschleunigen die Darmpassage und verkürzen so die Einwirkzeit von Schadstoffen. Wer sich mit der empfohlenen Ballaststoffmenge schwertut, kann diese durch Indische Flohsamenschalen ergänzen.

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Kontaktadressen und Internetlinks

Deutsche Krebshilfe
Buschstr. 32
53111 Bonn
Telefon: 0228-72990-0
E-Mail: deutsche@krebshilfe.de
Infos unter: www.krebshilfe.de

Hessische Krebsgesellschaft e. V.
Töngesgasse 39
60311 Frankfurt am Main
Telefon: 069-21990887
E-Mail: info@hessische-krebsgesellschaft.de
Infos unter: www.hessische-krebsgesellschaft.de

Internetlinks:

Der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums (KID) will aktuelle, qualitätsgeprüfte Informationen über Tumorerkrankungen öffentlich zugänglich machen. Wer Fragen hat, kann dort direkt anrufen: 0800-4203040 (täglich von 09:00 bis 20:00 Uhr)

Die Broschüre der Deutschen Krebshilfe zum Darmkrebs zum Herunterladen. Die Broschürenreihe „Die blauen Ratgeber“ gibt es auch zu vielen anderen Krebserkrankungen. Sie richtet sich an Betroffene, Angehörige und Interessierte.

Alle Informationen zu Präventivmaßnahmen und was Sie über Darmkrebsfrüherkennung wissen sollten, erfahren Sie auf diesem Flyer der kassenärztlichen Vereinigungen.

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Buchtipps

Friedrich Anton Weiser (2017): Darmkrebs: Vorbeugen – Erkennen – Behandeln
Verlagshaus der Ärzte
ISBN-10: 3990521500
ISBN-13: 978-3990521502
Preis: 14,90 Euro

Martin Halle, Anika Berling-Ernst (2016): Lauf dem Krebs davon: Die Kraft des Sports zur Genesung nutzen
Gräfe und Unzer Verlag
ISBN-10: 3833845732
ISBN-13: 978-3833845734
Preis: 14,99 Euro

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Sendung: hr-fernsehen, "Die Ratgeber", 13.06.2019, 18:45 Uhr