Heuschnupfen

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Die Augen sind rot, tränen, die Nase läuft – viele Hessen können den sommerlichen Frühling derzeit gar nicht richtig genießen. Denn sie leiden unter einer Pollenallergie. Gefühlt wird es jedes Jahr schlimmer. Und tatsächlich hat der Pollenflug laut Experten durch die langen Trockenperioden zugenommen. Wir haben Tipps für Sie, damit Sie gut durch die Pollenzeit kommen.

Fehlerhafte Immunreaktion

Hinter einer Allergie steckt eine wichtige Reaktion unseres Abwehrsystems, die lange einen Evolutionsvorteil bedeutete. Denn die superschnelle Alarmierung und Körperreaktion schützte uns vor lebensbedrohlichen Keimen, Parasiten oder giftigen Substanzen. Nicht zuletzt durch die Klimaerwärmung fliegen Pollen nun beinahe ganzjährig. Immer neue Obst- und Gemüsesorten oder hochentwickelte Lebensmittel enthalten Stoffe, die unser Abwehrsystem als fremd identifiziert und mit aller Macht bekämpft.

Je wärmer es ist, umso schlechter für die Pollenallergiker

Wenn es immer wärmer wird, dann verlängert sich auch die Zeit, in der die Pflanzen Pollen aussenden. Außerdem siedeln sich Pflanzen an, die es hier vorher nie gab, zum Beispiel Ambrosia. Sie verteilt sehr aggressive Allergene und blüht zudem sehr spät. Das verlängert die Allergiezeit. Auch fehlende Niederschläge spielen eine große Rolle. Regen reinigt die Luft normalerweise von Pollen. Doch in langen Trockenphasen werden die Pollen nicht "weggewaschen" und sind vermehrt unterwegs.

Die Behandlung von Allergien

Am besten wäre es natürlich, die allergieauslösende Substanz zu meiden. Das aber klappt bei vielen Allergenen wie beispielsweise auch Pollen nicht. Bei Fließschnupfen und tränenden Augen helfen so genannte Antiallergika. Beispielsweise aus Wirkstoffextrakten der Quitte oder Zitrone, die die Schleimhäute abschwellen lassen. So genannte Mastzellstabilisatoren (bspw. Cromoclycinsäure) verhindern die Freisetzung allergiefördernder Substanzen aus den Mastzellen. Antihistaminika sind Substanzen, die die Wirkung von Histamin, dem Schlüsselbotenstoff des Allergiegeschehens abschwächen oder aufheben, indem sie die Andockstellen des Histamins, die so genannten Histaminrezeptoren blockieren.

Bei leichter Allergie Mittel aus der Apotheke

Die Medikamente verringern zwar die Symptome, können aber die allergieverursachende Fehlprogrammierung des Immunsystems nicht verändern. Und deshalb auch nicht verhindern, dass aus Fließschnupfen und Co. ein handfestes Asthma wird. Ältere Präparate (zum Beispiel die Wirkstoffe Cetirizin und Loratadin) verursachen zudem eine ausgeprägte Müdigkeit, die vor allem für Autofahrer oder beim Bedienen von Maschinen problematisch ist. Moderne Antiallergika machen nicht mehr müde, sind aber verschreibungspflichtig. Allerdings übernehmen das oft die Krankenkassen nicht und da kann schon eine ganze Summe zusammen kommen.

Kortison

Etwas wirkungsvoller sind beispielsweise Nasensprays mit Kortison, weil das Kortison den Allergieprozess reduzieren oder stoppen kann. Auch das gibt es inzwischen schon rezeptfrei in der Apotheke. Bei stärkerer Allergie muss Kortison eingenommen oder gespritzt werden, was vor allem bei häufigerem Einsatz oder gar Dauertherapie zu erheblichen Nebenwirkungen führt: Ödeme, Schwangerschaftsstreifen/Bindegewebsrisse, Wassereinlagerungen im Gewebe, Gewichtszunahme, Bluthochdruck, Begünstigung von Diabetes, Osteoporose und Infekten.

Wichtig: Die Medikamente brauchen etwas Zeit, um zu wirken. Daher hilft es leider nicht, wenn man sie nur an ganz schlimmen Tagen nimmt. Manche Betroffenen entscheiden sich, lieber gar nichts zu nehmen und die Beschwerden auszuhalten. Doch das ist der falsche Weg. Denn dann können sich Entzündungspotenziale. zum Beispiel in der Lunge, entwickeln. Ein Asthma kann die Folge sein.

Umerziehung des Abwehrsystems: Hyposensibilisierung

Bei vielen Allergien kommt eine so genannte Hyposensibilisierung in Frage. Heißt im Fachjargon auch "spezifische Immuntherapie, SIT". Dadurch soll das Abwehrsystem die falsche Immunreaktion wieder verlernen. Nach einem genauen Schema wird der Allergiker in steigenden Dosen immer wieder kontrolliert dem Allergen ausgesetzt. Das muss oft unter die Haut gespritzt werden, kann aber auch auf die Mundschleimhaut geträufelt oder als Tablette geschluckt werden. Durch den wiederholten Kontakt mit der allergieauslösenden Substanz wird das Immunsystem unempfindlicher gegen das Allergen. Im besten Fall verschwindet die Allergie sogar ganz. In den meisten Fällen werden die Beschwerden aber deutlich geringer. Eine Hyposensibilisierung sollte nur von einem Arzt gemacht werden, der sich mit dieser Behandlungsmethode auskennt und mögliche überschießende Reaktionen ebenfalls rasch behandeln kann. In der Regel sind das Allergologen oder auf die Allergiebehandlung spezialisierte Ärzte. Besteht die Gefahr einer Anaphylaxie, ist oft zumindest zu Therapiebeginn eine stationäre Überwachung unumgänglich.

Zeitpunkt für eine Hyposensibilisierung

Ei8n Arzt führt einen Allergietest durch.
Ein Allergietest zeigt, auf was Bild © Imago Images

In der Pollenflug-Hochphase wäre eine Hyposensibilisierung kontraproduktiv. Der September ist eine gute Zeit, um damit zu starten. Als Ansprechpartner sollten Sie einen Allergologen zu Rate ziehen. Dort gibt es zunächst eine Diagnostik und dann kann man loslegen.

Alternative Behandlungsmethoden

Weniger aufwändig wäre dagegen ein Pflaster, das langsam und kontrolliert das Allergen an die Haut abgibt. Schweizer Forscher arbeiten daran seit einigen Jahren, andere Wissenschaftler an einer Impfung gegen Heuschnupfen. Über deutlich gemilderte Symptome berichten Pollenallergiker, die einen Nasenfilter benutzen. Der winzige Einsatz für das Nasenloch besteht aus Silikon. Auch alternative Behandlungsformen wie Akupunktur, TCM oder Phytotherapie kommen zum Einsatz und haben das Leiden vieler Allergiker schon erheblich mindern können. Beispielsweise wirken Tabletten mit dem Pflanzenextrakt der Pestwurzpflanze bei Pollenallergikern genauso gut wie ein Antihistaminikum.

Akupunktur bei Pollenallergie

Die Akupunktur ist ein Baustein der Traditionellen Chinesischen Medizin (kurz: TCM). Sie kann Symptome einer Allergie lindern und setzt langfristig die Empfindlichkeit der Nasenschleimhaut herab. Die Akupunkturnadeln setzt der Therapeut an unterschiedlichen Meridianen. Das sind in der chinesischen Medizin Energieleitbahnen, die durch unseren ganzen Körper verlaufen. Jede Nadel stimuliert so unterschiedliche Organe und Körperfunktionen. Sie lösen biochemische Reize aus und sollen dadurch den Körper wieder in Balance bringen, dessen Immunsystem durch die Allergene in Aufruhr geraten ist. Es laufen noch wissenschaftliche Studien, um diese Ergebnisse nachzuweisen, weshalb die Akupunktur bei Allergien bisher noch nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt wird.

Verhaltenstipps für Pollenallergiker

Gerade bei Pollenallergien kann schon das Einhalten einiger Verhaltenstipps eine deutliche Linderung bewirken:

Richtig lüften

Lüften Sie die Wohnung beispielsweise nur zu bestimmten Zeiten. In ländlichen Gebieten fliegen zwischen 4 Uhr und 6 Uhr morgens die meisten Pollen. Da sollten die Fenster zu bleiben und abends zwischen 19 Uhr und 24 Uhr gelüftet werden. Und für Stadtbewohner ist es genau umgekehrt.

Weitere Änderungen bei Tagesablauf und Lebensgewohnheiten:

  • Haare waschen vor dem Zu-Bett-Gehen
  • Bettwäsche öfters wechseln
  • getragene Kleidung sofort in die Wäsche geben. Jacken und Straßenschuhe draußen (Vorraum, Flur, Keller) aufhängen
  • öfter in der Wohnung Staub wischen, dabei aber selbst eine Schutzmaske tragen
  • Häufiger Staubsaugen. Der Staubsauger muss aber ein geschlossenes System oder einen Pollenfilter haben, der öfters gewechselt wird.
  • glatte Bodenflächen jeden zweiten Tag feucht wischen
  • kein Sport im Freien
  • Urlauben sie während der Heuschnupfenzeit. Am besten am Meer oder in den Bergen. Da nämlich finden sich kaum Pollen.
Videobeitrag
Dr. Ulrich Kühne, Hautarzt und Allergologe

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Studiogast

Dr. Bettina Hilka
Allergologin
HNO Gemeinschaftspraxis
(Schwerpunkt Allergologie)
Prof. L. Klimek, Dr. B. Hilka, M. Cichy
An den Quellen 10
65183 Wiesbaden
Tel.: 0611 50 59 50
E-Mail: info@HNO-Wiesbaden.de
Web: www.hno-wiesbaden.de

Weitere Informationen

Kontakte und weitere Infos

Berufsverband der Deutschen Dermatologen e. V. (BVDD)
Robert-Koch-Platz 7
10115 Berlin
Tel: 030 24 62 53 53
Fax: 030 24 62 53 33
Web: www.uptoderm.de

Deutscher Allergie- und Asthmabund e. V. (DAAB)
An der Eickesmühle 15 - 19
41238 Mönchengladbach
Telefon: 02166 6 47 88 20
Fax: 02166 64 78 880
E-Mail: info@daab.de
Web: www.daab.de/

Internetlinks:

Pollenflug-App des Deutschen Wetterdienstes:
https://www.dwd.de/DE/leistungen/pollen/pollenapp.html
Die kostenlose Pollenflug-Gefahrenindex-App vom Deutschen Wetterdienst. Der Deutsche Wetterdienst erstellt in Zusammenarbeit mit der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst (PID) Vorhersagen zum Pollenflug-Gefahrenindex für acht allergologisch relevante Blütenpollen.

Pollenflugkalender:
www.allergiecheck.de/pollenflug.html
Tagesaktueller Pollenkalender mit Standortbestimmung über Eingabe der eigenen Postleitzahl. Zudem gibt es zusätzliche, interessante Informationen. Seite wird finanziert von einem Pharmaunternehmen, die Inhalte sind jedoch objektiv und weitgehend werbefrei.

Heuschnupfen-Tagebuch:
www.allergieinformationsdienst.de/fileadmin/ALLERGIEINFO/Service/Downloads/Heuschnupfentagebuch.pdf
Eine gute Basis für den nächsten Arztbesuch: Im Heuschnupfen-Tagebuch können Sie Ihre Beschwerden Tag für Tag notieren. Zudem ist hier genug Platz, um sich auch Notizen über die eingenommenen Anti-Allergika, die herrschende Wetterlage und die Pollenbelastung zu machen. So ist eine lückenlose Dokumentation möglich

Ende der weiteren Informationen

Sendung: hr-fernsehen, "Die Ratgeber", 25.04.2019, 18:45