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zum Video Höllische Schmerzen – Hilfe bei Bandscheiben-Vorfall

Nicht bei jedem Rückenschmerz ist ein Arztbesuch erforderlich. Denn immerhin 80 Prozent aller Rückenschmerzen klingen innerhalb von sechs Wochen spontan wieder ab. Und auch nicht jeder Bandscheibenvorfall muss operiert werden.

Bandscheiben – Schwachstelle unserer Wirbelsäule

Durch falsche Belastung oder schweres Heben kann sich der Druck auf die Bandscheiben um mehr als die Hälfte verstärken. Die Folge ist oftmals eine Bandscheibenvorwölbung oder ein Bandscheibenvorfall. Dabei verschiebt sich die Bandscheibe nach außen oder Gallertmasse tritt aus dem Knorpelfaserring aus. Je nach Art und Ausmaß des Schadens sind die Symptome unterschiedlich ausgeprägt. Durch Druck auf umliegende Nerven oder das Rückenmark können starke Schmerzen entstehen. Im schlimmsten Fall kommt es zu Sensibilitätsstörungen bis hin zu Muskellähmungen.

Wie werden Bandscheibenvorfälle behandelt?

Maßgeblich für den Schmerz, unter dem die Betroffenen leiden, ist eine Schwellung und Entzündung im Gewebe. Deshalb ist in den meisten Fällen eine antientzündliche, abschwellende Therapie mit Kortison und sogenannten NSAR (nicht-steroidale Antirheumatika, beispielsweise die Wirksubstanzen Ibuprofen oder Diclophenac) erfolgreich. NSAR wirken abschwellend und schmerzlindernd, Kortison stoppt die Entzündung. Um den Akutschmerz zu lindern, kommen zudem lokale Betäubungsmittel zum Einsatz, die der Arzt punktuell in die besonders schmerzhaften Bereiche spritzt. Die manuelle Therapie kann neben der Medikamentengabe unterstützend eingesetzt werden. Die Mobilisierung des Gewebes vermindert den Druck auf die Nerven und bewirkt dadurch eine Entlastung und Schmerzlinderung. Ganz wesentlich: nicht ruhen und schonen, sondern sich trotzdem bewegen!

Wann zum Arzt?

  • Akut aufgetretene Lähmungen
  • Wenn plötzlich Stuhlgang und / oder Wasser nicht mehr gehalten werden können
  • Schmerzverstärkung in der Nacht
  • Wenn ein Unfall/Sturz vorausgegangen ist
  • Fieber
  • Vorausgegangene oder noch vorhandene Krebserkrankung
  • Gewichtsverlust

Letzte Chance Skalpell

Außer bei akuten Vorfällen mit Beteiligung von Nerven, werden Bandscheibenschäden in der Regel zunächst konservativ mit Schmerzmitteln, Muskelentspannung und Krankengymnastik behandelt. Mit einem Rückentraining (Rückenschule) sollen schmerzfreie Bewegungsabläufe eingeübt werden. Führen diese Maßnahmen über mehr als drei Monate nicht zum gewünschten Erfolg, kann eine Operation in Betracht gezogen werden.

Welche Risiken birgt die Operation?

Es kann nach der OP zu Narbenbildung kommen. Das Narbengewebe drückt dann seinerseits wie zuvor die kranke Bandscheibe auf die Nerven. Die Beschwerden kehren zurück. Daher: Vor dem Eingriff sollten alle konservativen Maßnahmen ausgeschöpft sein, der Operateur sollte Sie ausführlich beraten und dabei auf Fragen und mögliche Ängste eingehen. Eine zweite Meinung kann hilfreich sein, auch eine Beratung bei einer Patientenberatungsstelle (z.B. Verbraucherzentrale oder Unabhängige Patientenberatung).

Wie finde ich den richtigen Operateur?

Wesentlich für die Qualität ist, wie häufig ein solcher Eingriff vom Operateur durchgeführt wird. Der Eingriff sollte für den Operateur „Routine“ sein. Dann nämlich kann der Arzt auch besser mit unerwarteten Komplikationen umgehen. Als Richtwert nennen Patientenberatungsstellen und Fachgesellschaften mindestens zwei Operationen pro Woche, also mindestens 70 bis 100 Wirbelsäuleneingriffe pro Jahr.

Auf der Suche nach dem geeigneten Arzt oder der geeigneten Klinik bieten auch unabhängige Patientenberatungsstellen und Verbraucherzentralen Beratung. Hilfe bietet außerdem die "Weiße Liste": www.weisse-liste.deKompetent, unabhängig und verständlich gibt es in diesem Internetportal Gesundheitsanbieter im Überblick. Das Portal ist werbefrei und finanziert sich ausschließlich aus Projektmitteln der Bertelsmann Stiftung.

Weitere Informationen

Die Experten im Beitrag

Arzt:
Prof. Dr. Michael Rauschmann
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Sana Klinikum Offenbach
Starkenburgring 66
63069 Offenbach
Tel.: (0 69) 84 05-58 21
E-Mail: Wirbelsaeulenorthopaedie-SOF@Sana.de
Web: www.klinikum-offenbach.de/wirbelsaeulenorthopaedie-und-rekonstruktive-orthopaedie/

Physiotherapeut:
Daniel Schnürer
MFT Frankfurt
Grüneburgweg 12
60322 Frankfurt am Main
Tel.: (0 69) 95 90 99 59
E-Mail: info@mft-frankfurt.de
Web: http://www.mft-frankfurt.de

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Kontaktadressen:

Berufsverband Deutscher Neurochirurgen e. V.
Alte Jakobstraße 77
10179 Berlin
Tel.: (0 30) 28 44 99-33
Fax: (0 30) 28 44 99-34
E-Mail: gs@bdnc.de
Internet: www.bdnc.de

Deutscher Verband für Physiotherapie (ZVK) e. V.
Postfach 21 02 80
50528 Köln
Tel.: (02 21) 98 10 27-0
Fax: (02 21) 98 10 27-25
E-Mail: info@physio-deutschland.de
Internet: www.physio-deutschland.de/

Weiterführende Links:

  • www.diebandscheibe.de/Internetseite eines Netzwerks von Betroffenen für Betroffene. Beinhaltet neben einem Menüpunkt „Wissen“ auch eine Arztsuche, ein Forum zum Austausch und eine Verlinkung zu Selbsthilfegruppen sowie viele Informationen zu Sozialthemen wie Begutachtung, Erwerbsunfähigkeit, Berentung. 

Buchtipps:

Dr.med. Thomas Heim
Das Rückenbuch: Gesund und aufrecht durch den Tag
Verlag Stiftung Warentest; erscheint am 24. November 2015
ISBN-10: 3868511539
ISBN-13: 978-3868511536
Preis: 19,90 €

Ronald Thomsche
Rückenfit & Kreuzfidel: Das Training für Rücken und aufrechte Körperhaltung. DER Rückentrainer gegen das Volksleiden Nr. 1!
Steffen Verlag 2015
ISBN-10: 3957990149
ISBN-13: 978-3957990143
Preis: 12,95 €

Sendung: hr-fernsehen, "Die Ratgeber", 03.04.2019, 18:45 Uhr