Die Männer der freiwilligen Feuerwehr bergen einen jungen Mann im Garten seines Wohnhauses. Schwer verletzt, 14 Meter unterhalb seines Dachzimmers. Er muss aus dem Fenster gestürzt sein, hat aber keine Erinnerung daran, was passiert ist. Schlafpsychologe Werner Cassel vermutet, dass der junge Mann ein Schlafwandler ist.

Was ist Schlafwandeln?

Das Schlafwandeln, wissenschaftlich Somnambulismus, tritt verstärkt im Kindes- und seltener im Jugendalter auf. Man vermutet, weil das Gehirn in diesem Lebensalter noch reift. Beim Schlafwandeln wacht der Betreffende meist aus dem Tiefschlaf nur teilweise auf, ist dann zu komplexen Handlungen in der Lage, wie Treppenlaufen oder sich am Kühlschrank etwas zu Essen holen und das auch verzehren. Allerdings erinnert er sich daran am nächsten Morgen nicht mehr. Die genaue Ursache ist noch unbekannt; als sicher gilt eine genetische Disposition. Wenn beide Eltern Schlafwandler sind, haben die Kinder eine statistische Wahrscheinlichkeit von 60 Prozent für das Schlafwandeln. Eine spezifische Therapie mit Medikamenten gibt es nicht und ist auch meist nicht nötig. Es hilft eine klare Tagesstruktur mit ritualisierten Verhaltensweisen besonders vor dem Schlafen. Zusätzlich sollte man Fenster und Türen sichern sowie Stolperfallen beseitigen, um die Schlafwandler vor Unfällen zu schützen.

Darf man Schlafwandler wecken?

Ein Mythos, von dem fast jeder schon mal gehört hat ist, dass Schlafwandler nicht geweckt werden dürfen. Tatsächlich ist es nicht gefährlich, allerdings gar nicht so einfach. Die Person befindet sich schließlich im Tiefschlaf. Deshalb am besten zunächst versuchen den Schlafwandler zurück ins Bett zu leiten. Wenn das nicht funktioniert, sehr behutsam wecken, indem man zum Beispiel das Licht anmacht. Versucht man es mit lautem Rufen oder anderen drastischen Mitteln, kann sich die Person erschrecken, hinfallen oder sich anderweitig verletzen.


UNSER EXPERTE

Dipl. Psych. Werner Cassel
Schlafmedizinisches Zentrum
Philipps-Universität Marburg
Biegenstraße 10
35037 Marburg
Telefon: 06421 - 58 65 39 7
E-Mail: cassel@med.uni-marburg.de