Ein Mann blickt auf seine verschwitzte Achsel.
Bei übermäßiger Schweißproduktion sollte man im Zweifel einen Dermatologen aufsuchen. Bild © Imago

Wer im Hochsommer im überfüllten Zugabteil fährt, ist vom Schweiß der Mitfahrer meist eher unangenehm berührt. Dabei ist dieser an sich eigentlich was ganz Normales und auch geruchsarm. Wenn Sie übermäßiges Schwitzen trotz aller Hygienemaßnahmen aber nicht in den Griff bekommen, könnte eine ernstzunehmende Krankheit dahinter stecken: Hyperhidrose.

Schwitzen ist natürlich – und wichtig. Denn über die Absonderung von Schweiß reguliert der Körper seine Temperatur, kann sich der Umgebungstemperatur anpassen, an heißen Sommertagen oder bei Fieber infolge einer akuten Infektion abkühlen. Sowohl die Haut kühlt so ab, aber auch das Innere des Körpers.

Ein bis zwei Prozent der bundesdeutschen Bevölkerung leiden jedoch unter einer übermäßigen Schweißproduktion: Sie schwitzen im Winter, in klimatisierten Räumen, in Ruhe, übermäßig beim Sport oder wenn sie viel Stress haben. Und sie können dieses übermäßige Schwitzen nicht kontrollieren; die Schweißproduktion unterliegt der Steuerung durch das unabhängige Nervensystem und nicht unserem Willen. Wie viel wir schwitzen, können wir deshalb kaum willentlich beeinflussen.

Das Krankheitsbild der Hyperhidrose

Hyperhidrose nennen Ärzte diese Krankheit und im Vergleich zu Krebs, Herzoperationen oder Dialyse scheint sie eher harmlos zu sein. Doch für die Betroffenen ist das eine Tortur, die sowohl körperlich als auch seelisch Spuren hinterlässt. In Studien zeigte sich, dass der Leidensdruck von Hyperhidrose-Patienten sogar höher ist als der von Schuppenflechte- oder Neurodermitis-Patienten. Es gibt allerdings Krankheiten, die die Schweißproduktion ankurbeln: Diabetes, eine Überfunktion der Schilddrüse, neurologische Störungen wie beispielsweise die Parkinsonkrankheit. Oder bestimmte Krebserkrankungen, die das Blut- und Lymphsystem betreffen, Infektionen wie eine Tuberkulose, Entzug von Suchtstoffen wie beispielsweise Alkohol. Auch Vergiftungen, Nervenschädigungen oder psychiatrische Erkrankungen führen zum verstärkten Schwitzen, sowie die Einnahme bestimmter Medikamente wie Antidepressiva oder Theophyllinpräparate. Und natürlich können bei Frauen auch Hormonumstellungen durch die Wechseljahre die Ursache sein.

Wer übermäßig schwitzt, sollte beim Arzt abklären lassen, ob eine der oben genannten Ursachen, also eine sekundäre Hyperhidrose, dahinter steckt. In den meisten Fällen aber bleibt die Ursache unbekannt, Vererbung scheint eine größere Rolle zu spielen, das zeigt sich in der familiären Häufung. Meist schwitzen die Betroffenen nicht am gesamten Körper übermäßig, sondern nur in bestimmten Bereichen (so genannte fokale Schweißstörung): unter den Achseln oder den Füßen, nur im Kopf-Hals-Bereich oder am Rücken. In diesen Fällen gilt es, genau heraus zu finden, wo die überaktiven Schweißdrüsen sitzen und welche Menge Schweiß sie abgeben.

Fokale Hyperhidrose und Behandlungsmöglichkeiten

Bei fokaler Hyperhidrose wird zunächst versucht, mit Antitranspirantien die bspw. Aluminiumclorid oder Gerbsäure enthalten, eine Schweißreduktion zu erreichen. Betrifft es Hand- oder Fußflächen, hilft vielleicht die Iontophorese, eine Behandlung, bei der die schwitzenden Hautpartien einem schwachen Gleichstrom ausgesetzt werden. Die Behandlung muss mehrmals pro Woche durchgeführt werden, es dauert mindestens vier Wochen, bis sich erste Erfolge zeigen.

Sowohl für Hände und Füße als auch in den Achseln ist eine Behandlung mit Botulinum A möglich, das Nervengift wird dabei unter die Haut gespritzt. Dadurch fehlt der Nervenimpuls zur Freisetzung des wesentlichen Botenstoffes für das Schwitzen und die Freisetzung des Schweißes. Diese Behandlung ist die wirkungsvollste nicht operative Therapie, allerdings hält die Wirkung nur vier bis sieben Monate an und muss dann immer wiederholt werden. Gerade bei Händen und Füßen sind zudem unerwünschte Nervenlähmungen mit Einschränkungen der Bewegung möglich, gelegentlich (ca. 5-10 Prozent) bildet der Körper Antikörper, wodurch die Therapie gar nicht anschlägt. Zudem ist die Spritzentherapie sehr teuer und wird nur in wenigen Fällen nach Antrag von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Hitzewallungen und Schweißattacken – was Sie zunächst selbst tun können

  • Salbeitee: täglich zwei bis drei Tassen Tee frisch aufgebrüht trinken, dabei täglich nicht mehr als sechs Gramm getrockneten Salbei verwenden (Siehe Rezept unten).
  • Wer keinen Salbei-Tee trinken möchte, kann auch auf Salbei-Dragees zum Lutschen zurückgreifen.
  • Gegen Fußschweiß helfen Salbei-Fußbäder: zwei bis drei Gramm getrockneter Salbei auf zwei Liter heißes Wasser, den Sud circa 15 Minuten ziehen lassen. Abseien und abkühlen lassen, dann die Füße zehn Minuten baden, maximal einmal täglich
  • Bei Achselschweiß wird der Sud zur Waschung (mit Waschlappen) am Morgen und / oder Abend verwendet
  • Bevorzugen Sie Kleidung aus Baumwolle oder atmungsaktiven Fasern
  • Tragen Sie Ihr Deo nur auf gewaschene Haut auf
  • Verzichten Sie auf Produkte mit Aluminium. Deos ohne Aluminium hemmen die Schweißbildung zwar nicht, aber wirken Gerüchen entgegen.
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Salbeitee-Rezept

frische Salbeiblätter in feine Streifen schneiden, davon 1 Teelöffel in 250 ml heißem Wasser 10 Minuten ziehen lassen. Wem das zu bitter ist, der verdopple die Menge frischen Salbeis und halbiere die Ziehzeit. Alternativ lässt sich der Tee auch aus 2 TL Getrockneten Salbeiblättern ebenfalls in 250 ml heißem Wasser 7-10 Min ziehen lassen.

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unser gast im studio

Dr. med. Susanne Greve
Praxis für Dermatologie und Phlebologie
Wilhelminenstraße 9
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Infos unter: www.praxis-greve-polley.de

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Sendung: hr-fernsehen, "Die Ratgeber", 12.06.2019, 18:45