Fotocollage aus Bildern von Mietfahrraedern der Marken Call a Bike, LimeBike, nextbike, BYKE

Der Bikesharing-Boom in Deutschland ist ungebrochen. Die bunten Räder etlicher, oft internationaler Anbieter rollen in vielen großen Städten durch die Gegend. Darunter zum Beispiel Donkey Republic aus Dänemark und der US-Konzern Limebike, die seither den alteingesessenen Anbietern wie Call a bike Konkurrenz machen. Stiftung Warentest hat jetzt die sechs großen Anbieter getestet.

Sie besitzen kein eigenes Fahrrad, würden aber ab und zu gerne mal durch die Stadt radeln? Dann mieten Sie es sich doch einfach. Das geht in vielen deutschen Städten ganz unkompliziert per App und wird pro halbe Stunde abgerechnet.

Die Sicherheit

Fahrrad des Bike-Sharing-Anbieters Call a Bike

Die Stiftung Warentest hat sich sechs große Anbieter genauer angesehen. Dabei haben nur die Anbieter Nextbike und Call a bike von der Deutschen Bahn mit dem Qualitätsurteil "gut" abgeschnitten. Hier war die Sicherheit der geprüften Räder insgesamt akzeptabel. Bei den Rädern von Byke, Mobike, Limebike und Donkey-Republic wurden teilweise gravierende Sicherheitsmängel, unter anderem bei den Bremsen, festgestellt. Byke und Limebike stellen sogar in ihren Geschäftsbedingungen klar, dass kein Anspruch auf einen technisch einwandfreien Zustand ihrer Geräte bestehe. Den müssen Nutzer selbst prüfen, bevor sie losradeln.

Der Komfort

Neben der Sicherheit wurde auch der Fahr-Komfort getestet. Die Miet-Räder von Nextbike und Call a bike konnten die Testradler auch hier wieder überzeugen. Richtig strampeln mussten sie hingegen auf den Rädern von Mobike: Schuld daran waren Vollgummireifen, eine fehlende Gangschaltung und ein kleiner Rahmen. In der Mobike-Flotte gibt es zwar auch größere Modelle, die App verrät allerdings nicht, auf welches Modell man bei der Suche nach einem Rad zusteuert.

Die Handhabung

Insgesamt war es bei allen Anbietern eine lösbare Aufgabe, sich zu registrieren, Räder auszuleihen und abzugeben – auch für Bikesharing-Neulinge. Die größte Hürde für die Tester war es, die anvisierten Räder zu finden. Die GPS-Lokalisierung war teils ungenau, Standorte nicht exakt.

Die Anbieter arbeiten mit unterschiedlichen Systemen: Byke, Limebike und Mobike bieten ausschließlich sogenannte Freefloater an: Räder, die im Geschäftsgebiet überall ausgeliehen und abgestellt werden dürfen. Für Nutzer ist das flexibel, für Anbieter jedoch macht es die Wartung der Räder vergleichsweise aufwendig. Der Gegenentwurf dazu sind Systeme mit vorgegebenen Sammelstellen, wie sie Nextbike und Call a bike teilweise nutzen.

Der Datenschutz

Um den Service zu gewährleisten, müssen Standortdaten, Bewegungsprofile und persönliche Angaben gesammelt werden. Die Stiftung Warentest wollte wissen, wie die einzelnen Anbieter mit diesen Daten umgehen. Mustergültig arbeiten die Apps von Call a bike sowie die iOS-Version der Nextbike-App. Alle anderen Apps sendeten Daten, die für ihre Funktion nicht erforderlich sind. So sendete die Android-App von Mobike beispielsweise den Standort und Zeitstempel der Tester, aber auch die eindeutige Geräte-ID des Handys und die Telefonnummer – unverschlüsselt.

Das Fazit

Das beste Bikesharing-Angebot kommt laut Stiftung Warentest von „Nextbike“ und „Call a bike“ – nur bei ihnen war die Sicherheit der geprüften Räder insgesamt akzeptabel. Nextbike verleiht in mehr als 60, Call a bike in mehr als 70 deutschen Städten. Für sporadische Nutzer ist Nextbike oft preiswerter. Für Vielnutzer lohnen sich die Abopreise von Call a Bike – vor allem für Studenten, Senioren und Bahncard-Inhaber.

Kosten der Testsieger im Überblick

Nextbike

  • Registrierung: kostenlos (telefonisch 3 Euro)
  • Jährliche Grundgebühr: keine
  • Einzelpreise: 1 Euro / 30 Minuten, Tageshöchstpreis 9 Euro
  • Abonnement: 10 Euro / Monat, 49 Euro / Jahr. Die ersten 30 Minuten pro Miete für ein Rad sind kostenlos. Nur für die Stadt oder Region gültig, in der das Abo abgeschlossen wurde.
  • Ist günstig für: Sporadische Nutzer, die kein Abo abschließen wollen

Call a bike

  • Registrierung: kostenlos (telefonisch 5 Euro)
  • Jährliche Grundgebühr: 3 Euro
  • Einzelpreise: 1 Euro / 30 Minuten, Tageshöchstpreis 15 Euro, ermäßigt 12 Euro
  • Abonnement: 9 Euro / Monat, 49 Euro / Jahr, ermäßigt: 7 Euro/ Monat, 39 Euro / Jahr. Die ersten 30 Minuten pro Miete für ein Rad sind kostenlos. Gilt fast für das gesamte Call-a-bike-Angebot. Abo für ein zweites Rad kostet 29 Euro / Jahr
  • Ist günstig für: Vielnutzer, die deutschlandweit mieten wollen und / oder oft mit einer Begleitperson radeln. Insbesondere für Studierende, Menschen ab 65 Jahre und alle, die eine Bahncard besitzen.

Hier finden Sie in Hessen Miet-Fahrräder von Nextbike und Call a bike:

  • Bensheim (Nextbike)
  • Bürstadt (Nextbike)
  • Darmstadt (Call a bike)
  • Frankfurt am Main (Nextbike & Call a bike)
  • Fulda (Call a bike)
  • Gießen (Nextbike)
  • Hanau (Call a bike)
  • Heppenheim (Nextbike)
  • Kassel (Nextbike)
  • Lampertheim (Nextbike)
  • Marburg (Nextbike)
  • Offenbach (Call a bike)
  • Rüsselheim am Main (Nextbike)
  • Schwalbach am Taunus (Nextbike)
  • Wiesbaden (Nextbike & Call a bike)

Checkliste: So sind Sie sicher unterwegs

Bevor Sie sich ein Fahrrad mieten, sollten Sie folgende Funktionen am Fahrrad überprüfen:

  • Bremsen testen: Können Sie den Bremshebel bis an den Lenker ranziehen oder rosten die Bremszüge? Dann nehmen Sie besser ein anderes Rad! Vor Fahrtbeginn sollten Sie auch unbedingt die Vorder- und Hinterradbremse testen.
  • Licht kontrollieren: Vor der Fahrt sollten Sie außerdem überprüfen, ob die Lampen voll funktionstüchtig sind. Stellen Sie erst während der Fahrt fest, dass das Licht nicht richtig funktioniert: Absteigen und die Fahrt reklamieren.
  • Luftdruck prüfen: Wenn das Drücken des Reifens verdächtig einfach geht, sollten Sie unbedingt ein anderes Fahrrad wählen.
  • Bei Pedelecs den Akku inspizieren: Sind die Akkuhüllen verkratzt oder verbeult, könnte das bedeuten, dass die Pedelecs umgefallen und der Akku somit beschädigt ist. Auch in diesem Fall sollten Sie auf ein anderes Fahrrad umsteigen.
  • Gepäckbefestigung überprüfen: Möchten Sie Gepäck auf Ihrem Miet-Fahrrad transportieren, sollten Sie überprüfen, ob die Bänder noch intakt sind.
  • Zu guter Letzt: Sattelhöhe einstellen: Haben Sie alle Funktionen überprüft und sich für ein Rad entschieden, sollten Sie vor Fahrtbeginn Ihre Sattelhöhe ungefähr auf Hüfthöhe einstellen. Gegebenenfalls müssen Sie die Höhe nach den ersten Metern nachjustieren.
Weitere Informationen

Studiogast

Anne Kliem
Stiftung Warentest
Lützowplatz 11-13
10785 Berlin
Internet: www.test.de

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Sendung: hr-fernsehen, "Die Ratgeber", 06.06.2019, 18:45