Pinguine lassen sich am Boulders Beach die Sonne auf den nassen Pelz scheinen.

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zum Video Vom Tafelberg zum Kap der guten Hoffnung | Nix wie raus (2/4)

Ein Highlight folgt auf das nächste. Das Auge wird nicht satt von der Vielfältigkeit der Ausblicke: ob gigantischer, wolkenumhüllter Tafelberg, die Fahrt über den Chapman´s Peak Drive oder markantes, früher wegen seiner Klippen gefürchtetes Kap der Guten Hoffnung. Wenn dann am Tagesende noch putzige afrikanische Brillenpinguine das Programm abrunden, bleiben keine Wünsche mehr offen.

Unsere Route führt zunächst zum Tafelberg. Wie ein riesiger Amboss ragt der Tafelberg mehr als 1.000 Meter über die Stadt und die Aussicht von seinem Gipfel ist phänomenal. Im Sommer hüllt er sich jeden Nachmittag in eine Wolkendecke ein. Die Ureinwohner, die Khoisan, nannten ihn den Meeresberg. Und tatsächlich ist er so flach, weil er sich vor Millionen von Jahren vom Meeresboden erhob. Der Tafelberg ist übrigens ein ganzer Bergrücken, der sich von Kapstadt bis zur Spitze der Halbinsel, dem Kap der Guten Hoffnung hinzieht. Zusammengefasst im Table Mountain National Park. Die extrem artenreiche Pflanzengruppe in diesem Nationalpark wird Fynbos genannt, was sich in etwa mit „feines Gebüsch“ übersetzen ließe. Die rund 9.000 Fynbos-Arten eint eine kuriose Eigenschaft: Um sich selbst zu erhalten, müssen sie verbrennen. Seit Urzeiten wird diese Region von Buschbränden heimgesucht. Pflanzen und Tiere haben deshalb Taktiken entwickelt, um diese Feuer zu überleben. Ameisen zum Beispiel sammeln Fynbos-Samen und verbuddeln sie. Die Samen überdauern so in der Erde bis das nächste Feuer ihren Panzer knackt und neue Pflanzen entstehen.

Unsere Tour Richtung Süden geht weiter über 114 Kurven, die es in sich haben. Nur ein unscheinbares Mäuerchen trennt den Chapman´s Peak Drive vom Abgrund, aber Landschaft und Aussicht sind gewaltig. Die neun Kilometer lange Küstenstraße auf der Kap-Halbinsel südlich von Kapstadt schlängelt sich zwischen Meer und steilen Felswänden entlang von Hout Bay nach Noordhoek.

Schwindelfrei am Kap der Guten Hoffnung

Angekommen am Kap der Guten Hoffnung, ca. 44 km südlich von Kapstadt, führt von dem Cape Point genannten Felsen mit dem Leuchtturm ein kurzer Weg an den Klippen entlang zum eigentlichen Kap der Guten Hoffnung. Dafür sollte man allerdings schwindelfrei sein, besonders dort wo der Weg sich ganz nah an den Klippen über den Diaz Beach schlängelt. Sonst muss man das Auto nehmen und außenrumfahren. Der Portugiese Bartholomeu Diaz war der erste Europäer, der die äußerste Spitze Afrikas umrundete und an diesem Tag war es äußerst windig. Deshalb hieß das Kap bei ihm noch Kap der Stürme. Und dies ist nun die ultimativ letzte Station vor der Antarktis. Erinnerungsfotos müssen hier sein, denn was wäre eine Südafrika-Reise ohne eine Aufnahme mit dem meistfotografierten Schild des Kontinents.

Simons Town ist das nächste Ziel. Dort ist es nicht mehr so windig wie am Kap. An der Stelle, wo sich die Marine ihr sicheres Hauptquartier gebaut hat, befindet sich der einzige Leuchtturm Südafrikas, dessen Plattform – ein einzelner Felsen – komplett überflutet wird.

Am Boulders Beach leben zwischen den Granitblöcken Afrikanische Brillenpinguine. 1982 ist ein Pärchen hier plötzlich aufgetaucht, um sich niederzulassen. Und die haben sich wohl besonders wohl gefühlt. 2.500 sind es Schätzungen zufolge inzwischen, Tendenz steigend.

Die Anzahl der Besucher am Boulder´s Beach übertrifft jedoch jedes Jahr noch bei weitem die der Pinguine. Im Gänsemarsch geht es wackelnd ins Meer. Dort verwandeln sie sich dann in agile Schwimmer mit ungeahnter Ausdauer. Bis zu 50 Kilometer am Tag legen manche von ihnen auf der Suche nach Nahrung zurück. Man vergisst die Zeit an diesem besonderen Ort, denn die Brillenpinguine sind einfach zu unterhaltsam.

Die anderen Teile der Serie:

  • Teil 1: Kapstadt – Metropole mit provinziellem Scham
  • Teil 3: Unterwegs auf der Garden Route
  • Teil 4: Tiere beobachten im Kruger Nationalpark

Sendung: hr-fernsehen, "Die Ratgeber", 16.04.2019, 18:45 Uhr