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zum Video Was tun bei Zeckenbiss?

Eine Zecke sitzt auf der Haut

Jetzt lauern sie wieder in Wäldern und Wiesen: Zecken! Sobald ihnen ein Opfer nahe kommt, lassen sich die Spinnentiere blitzschnell fallen. Hauptopfer sind Wildtiere wie Mäuse, Kaninchen oder Füchse, aber auch das Blut von Menschen schmeckt den Zecken. Der Speichel dieser Spinnentiere enthält bis zu 25 Erreger, die beim Menschen sehr unterschiedliche Krankheiten hervorrufen können.

Zecken entfernen – so geht`s

Eine Zecke wird mit einer Zeckenkarte entfernt

Sobald Sie eine Zecke entdecken, sollte diese umgehend entfernt werden. Weil sich die Zecke mit den Widerhaken ihres Stechapparates fest in der Haut verankert hat, ist es sinnvoll, eine Zeckenkarte, Zeckenzange, eine spezielle Schlinge oder eine Pinzette zu benutzen. Das Instrument sollte direkt über der Haut angesetzt werden, dann gerade nach oben ziehen. Nicht ruckartig, sonst reißt möglicherweise der Kopf vom Körper ab und bleibt in der Haut. Falls das passiert, keine Panik! Der Fremdkörper wird meist problemlos wieder abgestoßen. Wenn zur Hand, dann desinfizieren Sie anschließend die betroffene Hautstelle. Die entfernte Zecke lebt dann noch. Kochendes Wasser oder mechanisches Zerquetschen mit einem Gegenstand (nicht mit den bloßen Fingern!) machen ihr den Garaus.

Wichtig:

  • Versuchen Sie, zügig zu arbeiten, die Zecke also bereits beim ersten Versuch zu entfernen. Je häufiger Sie z. B. die Zeckenzange ansetzen, umso mehr gerät das Spinnentier in Stress. Dann gibt es vermehrt Verdauungssäfte in die Wunde ab. Die Infektionsgefahr steigt.
  • Keinesfalls sollten Sie früher übliche "Hausmittel" wie Klebstoff, Öl oder Nagellackentferner auf die Zecke träufeln. Das nämlich versetzt die Zecke ebenfalls in Stress mit den bereits beschriebenen Folgen.
  • Gleiches gilt für den Rat, beim Herausziehen gegen den Uhrzeigersinn zu drehen. Die Widerhaken der Zecke sind ungerichtet. Die Drehrichtung und das Drehen selbst erleichtern das Entfernen nicht.
  • Vermeiden Sie, die Zecke beim Entfernen zu zerquetschen. Denn dabei werden die infektiösen Verdauungssäfte in die Wunde gedrückt.

Schutz vor Zeckenstichen

  • Tragen Sie lange Hosen und langärmelige Oberteile, ziehen Sie die Socken über die Hosenbeine, wenn Sie Wiesen und Wälder durchstreifen.
  • Auf heller Kleidung fallen die dunklen Krabbler schneller auf und Sie können sie noch vor dem ersten Hautkontakt abschütteln.
  • Ziehen Sie nach dem Spaziergang ihre Kleider aus und schütteln Sie sie draußen gut ab.
  • Geben Sie Ihre Kleidung in den Wäschetrockner. Die heiße trockene Luft überleben die Insekten nicht! Erst bei Waschvorgängen ab 60°C werden die Spinnentiere abgetötet.
  • Suchen Sie anschließend Ihren ganzen Körper ab. Achten Sie besonders auf Hautfalten: Armbeugen, Achseln, Kniekehlen, Leistenbeugen, Schritt, Schambereich, Hals, Nacken, Haaransatz und den Bereich hinter den Ohren.
  • Auch Kinder, die draußen gespielt haben, sollten gründlich abgesucht werden!
  • Verwenden Sie Mückenschutz, der auch gegen Zecken wirkt.

Diese Krankheiten werden von Zecken übertragen

Zecken übertragen vor allem zwei Krankheiten: Die Lyme-Borreliose und die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME).

Lyme-Borreliose

Eine runde Rötung am Bein.

Die so genannte Lyme-Borreliose ist die häufigste durch Zecken übertragene Krankheit in Europa. Dabei überträgt die Zecke sogenannte Borrelien, Bakterien, die dann eine Borreliose verursachen können. Tückisch ist die Erkrankung, weil sie sehr unterschiedliche Symptome hervorrufen kann und das oft erst Monate oder sogar Jahre nach dem Zeckenbiss. Doch nicht jede Zecke überträgt auch tatsächlich Borrelien. Etwa 6 bis 35 Prozent der Tiere sind von Borrelien befallen. Wird man von einem infizierten Tier gestochen, kommt es jedoch nur mit einer Wahrscheinlichkeit von fünf bis zehn Prozent zu einer Infektion. Das Infektionsrisiko steigt nach einer Saugzeit von mehr als 12 Stunden. Deshalb ist es wichtig, die Zecke so schnell wie möglich zu entfernen.

Schätzungen des Robert-Koch-Instituts aus dem Jahr 2013 gehen von etwa 60.000 bis 100.000 Erkrankungen pro Jahr in Deutschland aus. Ein typisches Anzeichen einer Infektion ist eine ringförmige Hautrötung um die Einstichstelle herum. Diese so genannte Wanderröte tritt allerdings nicht immer nach einer Infektion auf. Wer diese Wanderröte beobachtet, sollte seinen Hausarzt aufsuchen, der umgehend Antibiotika verordnen wird.

Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)

Bei FSME handelt es sich um eine spezielle Form der Hirnhautentzündung, die durch Viren ausgelöst wird. Zecken können diese Viren übertragen. Die ersten Symptome sind drei bis 14 Tage nach einem Zeckenbiss zu beobachten, wobei die Beschwerden denen eines grippalen Infektes ähneln: leichtes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Müdigkeit und Abgeschlagenheit; möglich sind auch Erbrechen und Schwindel. Nach Abklingen der Beschwerden kommt es meist nach zwei bis drei Wochen zu einem Rückfall. In diesem zweiten Krankheitsstadium befallen die Viren nun das Nervensystem. Es kommt zu hohem Fieber, starken Kopfschmerzen und einer Nackensteifigkeit, die für die begleitende Hirnhautentzündung typisch ist. Man kann sich gegen FSME impfen lassen. Empfohlen wird die Impfung all jenen, die in Risikogebieten leben und sich oft draußen aufhalten. Risikogebiete in Hessen sind die Landkreise Groß – Gerau, Offenbach, Bergstraße, Marburg-Biedenkopf, der Odenwald- und Main-Kinzig Kreis, der Landkreis Darmstadt–Dieburg und die Stadt Darmstadt.

Mit 347 Fällen im Jahre 2016 ist FSME nicht besonders häufig in Deutschland; bei Kindern verläuft die Erkrankung häufig mit leichteren Symptomen. Bei Erwachsenen werden nicht selten schwerwiegende Verläufe beobachtet.

Unser Studiogast:

Prof. Dr. Sandra Ciesek
Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie
Universitätsklinikum Frankfurt
Paul-Ehrlich-Straße 40
60596 Frankfurt am Main
Haus 40, 3. OG

Sekretariat:
Telefon: 069 6301 - 5219
E-Mail: sonja.carstens@kgu.de
Web: https://www.kgu.de/einrichtungen/institute/zentrum-der-hygiene/medizinische-virologie/

Weitere Informationen

weitere Kontakte und Links

Borreliose und FSME BUND Deutschland e. V. (BFBD)
Patientenorganisation Bundesverband
Postfach 1205
64834 Münster
Telefon: 06071 497397
Hotline: 0180 500 69 5
(Mo - Do 10:00 bis 12:30 Uhr / Fr 18:00 bis 20:00 Uhr;
14 Cent/Minute aus dem Festnetz, max. 42 Cent aus dem Mobilnetz)
E-Mail: info@borreliose-bund.de
Internet: www.borreliose-bund.de/

Bundesverband Zecken-Krankheiten e. V. (BZK)
Selbsthilfeverband für chronische Infektionen wie Bornaviren, Borreliose, CFS, EBV und Co.
Christel Schmedt
Werrastr. 60
64625 Bensheim
Telefon: 06251 5806 79
E-Mail: schmedt@bzk-online.de
Internet: www.bzk-online.de/

Links:

  • www.borreliose-gesellschaft.de : Hier finden sich die aktuellen Behandlungsleitlinien sowohl für die Lyme-Borreliose, Hautformen und die Neuroborreliose.



  • www.zecken.de : Weitgehend werbefreie Internetseite, die vieles rund um das Thema Zecken und vor allem FSME bietet. Initiiert von der Firma Pfizer, die den FSME-Impfstoff für Menschen und Tierimpfstoffe entwickelt und vertreibt.
Ende der weiteren Informationen


Sendung: hr-fernsehen, "Die Ratgeber", 09.05.2019, 18:45