Zucker bereitet so manche Gaumenfreude - hinterlässt bei Dauergenuss aber auch seine Spuren.

Video

zum Video Zucker in Lebensmitteln

Eis, Schokolade oder Gummibärchen – wir alle lieben zuckerhaltige Lebensmittel. Doch essen die meisten von uns täglich zuviel Zucker – oft ohne es zu bemerken. Denn auch in vermeintlich deftigen Fertiggerichten wie Tiefkühlpizza oder Kartoffelsalat versteckt sich verhältnismäßig viel Zucker. Zuviel Zucker birgt ernst zu nehmende Gefahren für unsere Gesundheit: neben Karies auch Diabetes Typ 2 oder die Entstehung von Herz- und sogar Krebserkrankungen.

Wie kann die Volkskrankheit gestoppt werden? Wie können die "Zuckerfallen" für den Konsumenten klarer gekennzeichnet werden und sind chemisch hergestellte oder auch natürliche Zuckerersatzstoffe eine gesunde Alternative?

Tägliche Höchstmenge

Zucker ist ein wichtiger Energielieferant für den Körper. Doch zu viel Zucker macht übergewichtig und krank: Allein in Deutschland leben fünf Millionen Diabetiker - auch eine Folge des übermäßigen Zuckergenusses. Diabetes kann Schäden an Gefäßen, Nieren und Nerven verursachen und zu Herzinfarkt und Schlaganfall führen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt eine tägliche Höchstmenge von 25 Gramm Zucker, das entspricht etwa sieben Zuckerwürfeln. In Deutschland liegt der Pro-Kopf-Verzehr viermal so hoch - bei rund 100 Gramm.

Warum zu viel Zucker dick macht

  • Zucker wird über den Magen-Darm-Trakt aufgenommen
  • ... und ins Blut geschleust.
  • Die Bauchspeicheldrüse misst, wie viel Zucker im Blut ist. Bei hohem Blutzuckerspiegel schüttet sie Insulin aus.
  • Mit dem Insulin können Muskeln und Leber den Zucker aufnehmen - so viel, wie sie für einen Tag brauchen.
  • Den restlichen Zucker wandelt der Körper in Fett um und lagert es in den Fettzellen an.

So viel Zucker steckt in Fertiggerichten

Fertiggerichte und Fast Food enthalten oft große Mengen an verstecktem Zucker. Beispiele:

  • ein Zuckerwürfel entspricht etwa drei Gramm Zucker
  • Tiefkühlpizza mit Salami: 6 Zuckerwürfel
  • Kartoffelsalat aus dem Kühlregal: 9 Zuckerwürfel
  • Rotkohl aus dem Glas (700 Gramm): 25 Zuckerwürfel
  • Fitness-Müsli: 39 Zuckerwürfel
  • Früchtejoghurt (200 Gramm): 8 Zuckerwürfel
  • Cornflakes (100 Gramm): 12 Zuckerwürfel
Tiefkühlpizza im Ofen
Selbst in einer Tiefkühlpizza steckt Zucker. Bild © Imago Images

Viel Zucker enthalten auch Gewürzgurken, Brot, Frischkäse, Salzstangen und fertige Salatsoßen. Statt Fertigprodukte zu kaufen, sollte man deshalb frisch kochen und zum Beispiel Müsli oder Fruchtjoghurt selbst machen.

Zucker in Lebensmitteln meiden

Zucker ist häufig Ersatz für chemische Bindemittel oder Konservierungsstoffe. In fettarmen Light-Produkten dient er als Geschmacksträger. Aufpassen sollte man bei folgenden Hinweisen auf der Verpackung:

  • Die Aufschrift "reduzierter Zuckergehalt" bedeutet nur, dass in einem Produkt 30 Prozent weniger Zucker als in vergleichbaren Produkten steckt.
  • Die Hinweise "nur mit natürlicher Süße", "ohne Zuckerzusatz" oder "100 Prozent Frucht" täuschen in der Regel darüber hinweg, dass die Lebensmittel sehr viel Fruchtzucker enthalten.
Videobeitrag
Tipp der Woche

Video

zum Video Obacht vor versteckten Zuckerfallen!

Ende des Videobeitrags

Orientierung beim Einkauf bieten die Mengenangaben in der Zutatenliste. Doch dort taucht nicht immer herkömmlicher Haushaltszucker auf. Oft verwenden die Hersteller Zuckerstoffe wie Laktose, Maltose, Malzextrakt, Glukosesirup oder Fruktose. Der Zusatz dieser süßenden Substanzen ist meist billiger, aber nicht gesünder oder kalorienärmer.

Fruchtzucker kann zu Fettleber führen

Lange Zeit glaubten Mediziner, Fruchtzucker (Fruktose) sei gesünder als normaler Zucker. Sie gingen davon aus, dass Fruktose den Blutzuckerspiegel nicht so schnell ansteigen lässt. Doch das Gegenteil ist der Fall. Bei übermäßigem Verzehr von Fruchtzucker besteht die Gefahr einer Fettleber:

  • Viel Fruchtzucker steckt in Dicksäften aus Agaven, Birnen und Äpfeln sowie in Honig. Sie sollten daher sparsam verwendet werden. Gerade sehr beliebt ist Kokosblütenzucker, der aus dem Saft der Kokosblüte gewonnen wird und einen sehr niedrigen Fruktoseanteil hat. Er lässt den Blutzuckerspiegel nur langsam ansteigen.
  • Yaconzucker wird aus der Yaconwurzel, die in Peru wächst, hergestellt. Er ist ideal für Diabetiker und Übergewichtige: Er ist zwar weniger süß, hat aber nur halb so viel Kalorien wie Zucker, Honig oder Dicksäfte.

Süßstoffe mit Vorsicht genießen

Forscher suchen nach Ersatzstoffen für Zucker, die den Teufelskreis von zu hohem Blutzucker und ständigem Hunger nach Süßem durchbrechen. Doch für manche Süßstoffe sind tägliche Höchstmengen festgesetzt:

  • Für Stevia wird eine leicht gefäßerweiternde und blutdrucksenkende Wirkung vermutet. Deshalb sollte die Höchstmenge von vier Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht nicht überschritten werden.
  • Aspartam ist für Gesunde dagegen nicht so schädlich wie früher gedacht. Wer unter Stoffwechselkrankheiten leidet, sollte aber den Arzt fragen.
  • Für die Zuckeraustauschstoffe Xylit und Erythritol (Sucolin) ist keine Höchstmenge festgelegt.

Zuckerindustrie beeinflusste Studien

Ein Stück der Stevia-Pflanze mit den daraus gewonnen Tabletten und Würfelzucker.
Aus der Pflanze "stevia rebaudiana" wird ein zuckerähnlicher Süßstoff gewonnen. Bild © Imago Images

Bereits 1964 gab es in den USA vermehrt Erkenntnisse, dass Zucker der Gesundheit schadet und mitverantwortlich ist für Herz-Kreislauferkrankungen und Diabetes. Doch ein Zucker-Lobbyist engagierte für 50.000 US-Dollar zwei renommierte Ernährungsforscher der Universität Harvard. Sie sollten Studien zu einer Metastudie zusammenfassen und im Sinne der Zuckerindustrie neu interpretieren: Nicht Zucker sei das Problem, sondern Fett. Diesen Wissenschaftsskandal haben erst kürzlich zwei US-Forscher anhand von Gesprächsprotokollen aufgedeckt.

Nährwertangaben vs. Nutri Score

Die Hersteller der Lebensmittelindustrie sind schon seit 2016 verpflichtet, genaue Angaben über Inhaltsstoffe auf ihre Verpackungen zu schreiben. Doch die Aussagen über Zucker oder Fettgehalt sind klein gedruckt und können von den Konsumenten auch oft nicht richtig eingeordnet werden. Wie viel Zucker ist zu viel und was genau bedeuten „gesättigte Fettsäuren“? Deswegen fordern viele schon lange ein neues Informationssystem wie beispielsweise den von französischen Wissenschaftlern entwickelten Nutri-Score. Das ist ein farbiges System, mit dem Lebensmittel in Frankreich gekennzeichnet werden. Dabei werden Inhaltsstoffen Punkte zugeordnet und je nachdem, ob es sich um ein tendenziell eher gesundes Lebensmittel wie Obst und Gemüse oder ein tendenziell eher ungesundes Lebensmittel handelt, bekommen sie einen hohen oder niedrigen Punktewert zugeordnet. Die fünfstufige Scala, die auf der Verpackung abgedruckt wird, verläuft von dunkelgrün bis rot bzw. von A bis E und lässt auf den ersten Blick erkennen, mit welcher Art von Produkt es der Konsument zu tun hat.

Zuckersteuer

Seit April 2018 gibt es die Zuckersteuer auf Limonaden in Großbritannien. Wenn ein kohlesäurehaltiges Getränk die mehr als fünf Gramm Zucker pro 100 Milliliter enthält, müssen die Hersteller pro Liter 21 Cent Steuern zahlen. Ab 8 Gramm sind es 28 Cent. Das führte dazu, dass in Großbritannien viele Hersteller ihre Rezeptur veränderten. Fanta beispielsweise hat von 6,9 Gramm Zucker pro 100 Milliliter auf 4,6 Gramm reduziert. Doch in Deutschland dagegen hat Fanta sogar 9 Gramm Zucker auf 100 Milliliter. Doch Kritiker weisen darauf hin, dass die Hersteller in Großbritannien nun einfach andere Süßungsmittel verwenden, die sich ebenfalls negativ auf die Gesundheit auswirken können. Besser wäre es natürlich, insgesamt weniger Süße im Getränk zu haben. In Deutschland ist eine Zuckersteuer deshalb unwahrscheinlich, weil sich Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) eindeutig dagegen ausgesprochen hat. Sie setzt mehr auf die freiwillige Verpflichtung der Lebensmittelindustrie.

Weitere Informationen

Studiogast

Dr. Stephan Lück (Ernährungswissenschaftler)
Ernährungswerk
Lichtstr. 26 - 28
50825 Köln
Tel.: 0221 99 55 49 35
E-Mail: info@stephanlueck.de
Web: www.ernaehrungswerk.de

Ende der weiteren Informationen

Sendung: hr-fernsehen, "Die Ratgeber", 24.04.2018, 18:45