Betrügerische Online-Shops entlarven

Sie sehen aus wie normale Shops und bieten Ware teilweise extrem günstig an, aber: Alles nur Schein! Wer bei einem Fake-Shop bestellt, wird heftig enttäuscht: das Geld Ist weg, die Ware wird nicht versendet. Doch woran kann man einen Fake-Shop erkennen?

Unsere Expertin Sonja Guettat hat wichtige Tipps für Sie:

1. Auffällige Internetadresse/URL

Die Domain kann täuschen. Die Adressendung ".de" ist nicht unbedingt ein Hinweis auf einen deutschen Sitz des Händlers! Das Kürzel "https://" plus Abbildung eines Vorhängeschlosses am Anfang der Adresszeile steht für eine gesicherte Verbindung. Fehlt es, sollten Sie diesen Shop eher nicht nutzen. Allerdings heißt "https" nicht, dass der Anbieter seriös ist. Auch Betrüger nutzen Zertifikate.

2. Kaufpreis

Fragen Sie sich: Ist es realistisch, das Produkt zu diesem Schnäppchenpreis zu erwerben? Welchen Preis muss man bei einem anderen Shop zahlen? Ist der niedrige Preis für das hochwertige Produkt realistisch? Achtung, wenn das Produkt in anderen Shops nur deutlich teurer oder gar nicht (mehr) zur Verfügung steht.

3. Es gibt kaum Kontaktmöglichkeiten und das Impressum fehlt

Das Impressum enthält Angaben über den Shop-Betreiber: Sowohl der Name, als auch eine ladungsfähige Anschrift, d. h. eine Adresse unter der er tatsächlich erreichbar ist, müssen zu finden sein. Fehlt das Impressum, ist der Shop unseriös. Versuchen Sie herauszufinden, ob sich an der angegebenen Adresse tatsächlich eine Firma befindet. Suchen Sie danach im Internet. Oft gibt es die Adresse zwar, die vermeintliche Firma existiert jedoch nicht. Das Impressum muss neben der Adresse auch einen Vertretungsberechtigten und eine E-Mail-Adresse enthalten. Außerdem einen Verweis auf das Handelsregister mit entsprechender Nummer. Letzteres kann im Zweifel genauer überprüft werden (direkt beim Handelsregister).

4. Falsche Gütesiegel

Vertrauenssiegel
Fake-Shops verwenden Vertrauenssiegel häufig missbräuchlich. Sie werden einfach auf die Seite kopiert. Oder sie nutzen echte Gütesiegel wie etwa "Trusted Shops", ohne dieses Zertifikat zu besitzen. Durch einen Klick auf das Siegel können Sie prüfen, ob das Siegel mit einem Zertifikat des Siegel-Betreibers verlinkt ist. Denn ohne entsprechenden Link dürfte es sich um eine Fälschung handeln.

Unter der Adresse http://internet-guetesiegel.de/ findet man eine Zusammenstellung von vertrauenswürdigen Siegeln. Das schützt jedoch nicht vor einer missbräuchlichen Verwendung.

5. (Un)sichere Zahlungsweise

Wenn es nur die Möglichkeiten "Vorauskasse", "Sofort-Überweisung" und "Bezahlung mit einem Gutschein" gibt – dann FINGER WEG! Manchmal stehen dort auch andere Bezahl-Möglichkeiten. Zum Beispiel: Kauf auf Rechnung. Oder: Kauf per Kreditkarte. Wenn man darauf klickt, passiert nichts. Das ist meistens ein Trick! Damit die Kunden glauben, dass der Shop echt ist.

6. Kundenbewertungen (sind immer "sehr gut")

Generell macht es beim Online-Shopping Sinn, sich als Kunde nicht nur auf Bewertungen innerhalb eines Shops zu verlassen. Sollten sich aber die Lobeshymnen häufen, kann dies ein zusätzliches Indiz für einen Fake-Shop sein – vor allem, wenn anderweitige Bewertungen stark davon abweichen und vermehrt auf betrügerische Machenschaften hinweisen. Auch "Sterne" haben keine Aussagekraft. Besser sind verschiedene Kundenbewertungen in sozialen Medien oder Foren.

7. Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB)

Fake-Shops können frei erfundene oder von anderen Seiten kopierte AGB aufweisen. Leicht zu erkennen ist das aber nicht immer. Ein deutliches Erkennungszeichen für Fake-AGB ist es, wenn sie in schlechtem Deutsch aus einem Übersetzungsprogramm daher kommen. Ist das der Fall oder fehlen die AGB sogar ganz, sollten Sie lieber nichts bestellen.

Auch treffen Fake-Shops irritierende Regelungen zum Widerrufs- und Rückgaberecht. Wenn in dem Internet-Shop steht, dass es kein Widerrufs-Recht und kein Rückgabe-Recht gibt oder merkwürdige Regelungen zu finden sind – dann Finger weg!

8. Bestellbutton

Der Bestell-Knopf muss richtig beschriftet sein. Es muss klar sein, dass man etwas bezahlen muss. Richtig: "zahlungspflichtig bestellen", "jetzt kaufen" oder "zahlungspflichtig buchen"
FINGER WEG: Wenn dort "anmelden", "weiter" oder "bestellen" steht.

Widerrufs- und Rückgaberecht
Die meisten Bestellung kann man bei einem Internet-Shop rückgängig machen. Das nennt man Widerruf und für den Widerruf gibt es bestimmte Regeln. Diese stehen in der Widerrufs-Belehrung. Auch wenn es ausnahmsweise kein Widerrufsrecht gibt, muss das in der Belehrung angegeben werden. Wenn eine Widerrufsbelehrung im Internetshop nicht zu finden ist, dann Finger weg!

9. Falls ich in die Fake-Shop-Falle getappt bin, habe ich denn Chancen, mein Geld zurück zu bekommen?

Das hängt von der jeweiligen Zahlungsweise ab. Bei den meisten Fakeshops muss per Vorkasse via Überweisung oder Sofortüberweisung auf ein Bankkonto bezahlt werden. Doch das ist eine der riskantesten Zahlungsweisen überhaupt.

  • Wer schon Geld überwiesen hat, sollte umgehend seine Bank auffordern, die Zahlung rückgängig zu machen. Wenige Stunden nach einer Onlinebestellung ist dies meist noch möglich. Bei anderen Zahlungsarten wie dem Lastschriftverfahren kann die Zahlung noch bis zu acht Wochen nach Einzug rückgängig gemacht werden. Auch hierzu muss man sich an seine Bank wenden.
  • Alle Belege für die Online-Bestellung sollten gesammelt und gesichert werden. Dazu gehören Kaufvertrag, Bestellbestätigung, E-Mails und ein Screenshot des Angebots.
  • Rechtlich handelt es sich bei einer solchen Vorgehensweise um Betrug. Betroffene können die ausgedruckten Unterlagen von der nächstgelegenen Beratungsstelle der Verbraucherzentrale prüfen lassen und Strafanzeige bei der Polizei stellen. Das ist auch online möglich.


Übrigens: Der angegebene Kontoinhaber ist in der Regel wenig hilfreich. Fakeshops eröffnen die Konten auf den Namen von unbeteiligten Dritten. Diese wissen oft gar nicht, dass sie ein Konto bei der jeweiligen Bank besitzen.

Auch bei einer Kreditkartenzahlung – so sie denn überhaupt angeboten wird – ist es oft schwierig, sein Geld zurückzubekommen. Wer per Kreditkarte bezahlt, hat oft einen sehr großen Aufwand, um das Geld zurückzuholen. In der Regel müssen Sie nachweisen, dass keine Ware geliefert wurde oder es sich bei der erhaltenen Ware um eine Fälschung handelt. Oft müssen Sie erst versuchen, sich mit dem Onlineshop zu einigen, bevor der Kreditkartenanbieter zurückzahlt. Das kostet Zeit und strapaziert die Nerven des Geschädigten. Um das Geld zurückzubekommen, raten wir wie folgt vorzugehen:

- Kreditkarte sperren lassen
- Erstatten Sie Strafanzeige bei der Polizei.
- Setzen Sie sich mit dem Kreditkartenanbieter in Verbindung und fordern Sie eine Rückerstattung wegen Betrugsverdacht. Je nach Bedingungen des Anbieters gelingt das mehr oder weniger komfortabel.

Weitere Informationen

Gast im Studio

Sonja Guettat
Expertin für Verbraucherrecht
Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz e. V.
Seppel-Glückert-Passage 10
55116 Mainz
Telefon: 06131-28 48-0
E-Mail: info@vz-rlp.de
Infos unter: www.verbraucherzentrale-rlp.de/beratungsstellen/mainz

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Sendung: hr-fernsehen, "Die Ratgeber", 05.08.2019, 18:45 Uhr