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zum Video Halswirbelsäulen-OP im Kampf gegen Dauerkopfschmerzen

Marcus Kaiser hat nach einem Unfall beim Judo extreme Kopfschmerzen. Die Diagnose: Ein Bandscheibenvorfall an der Halswirbelsäule. Prof. Michael Rauschmann aus dem Sana-Klinikum in Offenbach schlägt eine Operation vor.

Bandscheiben – Stoßdämpfer im Rücken

Die Bandscheiben sind knorpelige Strukturen zwischen den Wirbelkörpern. Sie fungieren als elastische Puffer und federn Stöße und Erschütterungen ab. Bei einem Bandscheibenvorfall kann ein Teil der Bandscheibe auf Nervenfasern drücken und so deren Funktion beeinträchtigen. Die Folge sind Schmerzen in Rücken, Beinen oder auch Armen.

Symptome

  • akut auftretende, stechende Schmerzen im betroffenen Wirbelsäulenabschnitt
  • Schmerzen können in weitere Körperregionen ausstrahlen (Arme, Beine, Nacken, Kopf, Bauchraum)
  • Empfindungsstörungen und Muskelschwäche (Taubheit, Kribbeln) in Bein-, Knie- oder Fußregion
  • Sensibilitätsverlust / Lähmungserscheinungen
  • Taubheitsgefühl im Anal- und Genitalbereich bis hin zu Störungen beim Stuhlgang und Wasserlassen à Notfallsymptome, bitte sofort Arzt verständigen!

Ursache

Während des täglichen Gehens und Stehens werden die Bandscheiben mehr und mehr zusammengedrückt. Erst durch eine längere Entlastung, zum Beispiel nachts im Liegen, können sie sich wieder regenerieren. Sie weiten sich, indem sie Flüssigkeit aus dem umliegenden Gewebe aufnehmen, bis sie ihre ursprüngliche Form zurückgewonnen haben. Mit dem Alter verlieren die Bandscheiben jedoch an Flexibilität. Der Flüssigkeitsgehalt sinkt, sie sind weniger elastisch. Der innere Teil der Bandscheibe, der Gallertkern, verliert seine Pufferfunktion, wodurch sich Risse im umliegenden Faserring bilden können. Durch Fehl- oder Überbelastungen kann der Faserring aufreißen und der Gallertkern in den Rückenmarkskanal austreten. Folge: der Kern drückt auf das umliegende Nervengewebe.

Risikofaktoren

Hauptrisikofaktoren sind Fehl- und Überbelastungen. Wer sich zum Beispiel nach vorne beugt, um mit krummem Rücken einen Kasten Wasser hochzuheben, der übt eine enorme Belastung auf die Lendenwirbelsäule und ihre Bandscheiben aus. Aber auch langes Sitzen belastet die Bandscheiben. Zwischendurch immer wieder aufstehen entlastet den Rücken und beugt Schmerzen vor.

Therapie

Konservative Therapie

Das beschwerdefreie Bewegen des Patienten steht an erster Stelle. So wird ihm vorab ein schmerz- und entzündungshemmendes Medikament verschrieben. Falls die Schmerzen akut und unerträglich sind, kann auch vor Ort ein betäubendes Medikament oder Kortison per Spritze verabreicht werden. Zudem ist Wärme meist hilfreich. Sie regt die Durchblutung in der Haut an und lockert die verkrampfte Rückenmuskulatur.

Der Erfolg einer konservativen Therapie zeigt sich nach etwa sechs bis acht Wochen. Werden die Beschwerden in dieser Zeit nicht besser, ist möglicherweise eine Operation notwendig.

Operation

Eine Operation ist sinnvoll, wenn

  • Schmerzmittel und Bewegungstherapien nicht helfen
  • Lähmungserscheinungen sich verschlimmern und nicht mehr weggehen
  • bei Notfällen: beispielsweise Blasen- und Stuhlinkontinenz, Taubheitsgefühl im Genital- und Analbereich

Ziel einer Operation ist es, den Bandscheibenvorfall zu entfernen und die eingeengten Nervenstrukturen zu entlasten. Mithilfe eines Operationsmikroskops werden der verschobene Teil des Gallertkerns sowie Teile der Bandscheibe entfernt. Der Aufenthalt in der Klinik liegt durchschnittlich bei nur drei bis fünf Tagen. Allerdings wird danach eine stationäre Reha empfohlen. Dabei soll vor allem die stützende Muskulatur stabilisiert werden. Zudem werden die Patienten auf ihren Arbeitsalltag vorbereitet.

Vorbeugen

Die bewährteste Methode einem Bandscheibenvorfall vorzubeugen, ist regelmäßige Bewegung. Denn Sport und Gymnastik helfen, die Rückenmuskulatur aufzubauen und zu stärken, wodurch die Wirbelsäule entlastet wird. Schwimmen oder Radfahren gilt beispielsweise als rückenfreundlich. Häufiges Sitzen belastet die Wirbelsäule. Daher: hin und wieder aufstehen, strecken und etwas bewegen. Bei schweren Gegenständen die gehoben werden sollen, tief in die Hocke gehen, Rücken gerade halten und mit Hilfe der Beinmuskulatur in die aufrechte Position kommen. So wird die Wirbelsäule deutlich weniger beansprucht.

Weitere Informationen

Unsere Experten

Arzt
Prof. Dr. Michael Rauschmann
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Sana Klinikum Offenbach
Starkenburgring 66
63069 Offenbach
Telefon: 069 - 84 05 58 21
E-Mail: Wirbelsaeulenorthopaedie-SOF@Sana.de
Infos unter: www.klinikum-offenbach.de/wirbelsaeulenorthopaedie-und-rekonstruktive-orthopaedie

Physiotherapeut
Daniel Schnürer
MFT Frankfurt
Grüneburgweg 12
60322 Frankfurt am Main
Telefon: 069 - 95 90 99 59
E-Mail: info@mft-frankfurt.de
Infos unter: www.mft-frankfurt.de

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Linksammlung

Internetseite mit dem Titel "Denk an mich. Dein Rücken" auf Initiative der Berufsgenossenschaften und Unfallkassen, der Sozialversicherung Landwirtschaft Forsten und Gartenbau und der Knappschaft. Hier geht es um die Vorbeugung von Verletzungen und Verschleißerscheinungen mit vielen Tipps.

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Buchtipp

Franziska Weber
Nie wieder Rückenschmerzen! 99 effektive Übungen für den Alltag
Nikol Verlag 2017, ISBN-10: 3868204008
Preis: 6,95 Euro

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Sendung: hr-fernsehen, "Die Ratgeber", 05.04.2019, 18:45 Uhr