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zum Video Sportunfall mit Folgen – Irenes' Kreuzband unterm Messer

Irenes auf dem OP-Tisch

Gelenkbeschwerden beeinträchtigen das Leben Betroffener sehr. Und Schmerzen im Gelenk können viele Ursachen haben, beispielsweise auch, wenn ein Kreuzband reißt. Was passiert da genau? Und wir lernen Elfriede W. kennen. Ihr Hüftkopf hat sich fast aufgelöst und sie hat so schlimme Schmerzen, dass sie wirklich nicht mehr laufen kann.

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Arzt aus der Serie

Dr. Ingo Tusk
Vizepräsident Deutsche Gesellschaft f. Sportmedizin u. Prävention
Chefarzt der Orthopädie
Klinik Rotes Kreuz Frankfurt
Königswarter Str. 16
60316 Frankfurt
Tel.: 069 / 4071-0
Fax: 069 / 4071-481
E-Mail: orthopaedie@rotkreuzkliniken.de
Internet: www.rotkreuzkliniken.de

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Das Kniegelenk – größtes Gelenk bei allen Säugetieren

Das Kniegelenk ist hinsichtlich seines Aufbaus und der Bewegungsmöglichkeiten ein echtes Meisterwerk der Natur – und ist dazu auch noch extrem belastungsfähig. Immerhin lasten bei manchen Sportarten bis zu 1,5 Tonnen auf unserem Kniegelenk, ohne dass es zu Verletzungen kommt. Allerdings nur, wenn die Belastung senkrecht auftrifft. Dagegen können kleinere, schräg einwirkende Belastungen oder schnelle und überraschend auftretende Krafteinwirkungen zu Verletzungen führen. Genau zu solchen Fehlbelastungen kommt es bei vielen Mannschaftssportarten (Fußball, Volley- oder Basketball), aber auch beim Tennis, beim Skifahren oder mancher Laufsportart. Sehr häufig kommt es dann zu Meniskusverletzungen oder / und Verletzungen der Bänder am Kniegelenk.

Gezielte Untersuchung bereits wegweisend für Diagnose

Jede Knieverletzung sollte zuerst von einem Orthopäden oder Sportmediziner untersucht werden. Der erfahrene Arzt kann oft bereits durch eine sorgfältige Untersuchung recht genau erkennen, welche Strukturen wahrscheinlich betroffen sind. Da sich beim Röntgen lediglich Knochen gut darstellen lassen, ergeben Röntgenaufnahmen des Knies bei Verletzungen von Kniebinnenstrukturen (Meniskus, Bänder) meist keine wesentlichen Informationen. Anders ist das beim Ultraschall und der Kernspintomografie, die gerade ihren Vorteil in der exzellenten Darstellung von Weichteilgewebe haben.

Mittlerweile gibt es auch Geräte, die speziell bei Extremitäten eingesetzt werden, so dass der Patient nicht zwangsläufig in eine enge Röhre fahren muss. Bringt aber auch die Kernspintomographie kein sicheres Ergebnis, bleibt nur noch eine Kniespiegelung, die so genannte Arthroskopie. Sie hat zudem den Vorteil, dass viele Verletzungen dabei auch repariert werden können, beispielsweise indem man den Meniskus näht oder Teile entfernt, oder ein verletztes Band näht oder durch eine zuvor an andere Stelle entnommene Sehne ersetzt. Eine Kniegelenkspiegelung ist kein großer Eingriff, dem Operateur reichen drei kleine Zugangsöffnungen, durch die er die Instrumente einführt.

Therapie individuell und nach Verletzungsart

Handelt es sich um eine Meniskusverletzung, dann kann die in wenigen Fällen konservativ also ohne Operation ausheilen. Insbesondere bei jungen Patienten, wenn der Verlauf des Risses günstig liegt oder der Riss sehr klein ist. Krankengymnastik und Medikamente können den Heilungsprozess unterstützen. Ist eine Operation bei einer Meniskusverletzung nötig, kann hierbei entweder das geschädigte Gewebestück entfernt werden oder der Riss genäht werden, mit Laser verschweißt oder mit speziellen Stiften und/oder Schrauben repariert werden.

Ziel ist es immer, möglichst viel des ursprünglichen Faserknorpels zu erhalten. Ganz ähnlich werden auch Bandverletzungen behandelt, dabei wird beim Bandersatz inzwischen meist statt künstlicher Materialen körpereigenes Gewebe verwendet, meist Sehnen von Muskeln, deren Entnahme zu keinerlei Einschränkungen nach der Operation führt. Während die Betroffenen nach Meniskusverletzungen recht schnell wieder auf die Beine kommen, dauert die Heilungsphase nach einem Kreuzbandriss in der Regel sechs Monate.

Knieverletzungen vorbeugen

Das allerdings ist ziemlich schwer; einzig eine gut ausgebildete Muskulatur um das Knie herum kann die Verletzungsgefahr in geringem Umfang vermindern, da die Muskeln das Gelenk vor unkontrollierten Bewegungen stabilisieren und so schützen können. Der natürliche Verschleiß des Meniskus lässt sich mit einigen Verhaltensregeln vermutlich zumindest verzögern. So ist das Sitzen an sich „Gift“ für unsere Kniegelenke, gerade die Menisken werden beim Sitzen gequetscht und dadurch kaum ernährt.

Bewegung dagegen sorgt für Durchblutung, die Ernährung von Knorpelgewebe und den Abtransport von Abfallprodukten aus den Stoffwechselvorgängen. Wer also täglich viele Stunden am Schreibtisch sitzt, tut gut daran, zwischendurch mal aufzustehen und sich zu bewegen. Ganz wesentlich zur Vermeidung von Sportverletzungen ist ein Aufwärmtraining. Zunächst sollten dabei die großen Muskelgruppen (Schultern, Rücken und Oberschenkel) bewegt werden, anschließend zumindest die Muskeln dehnen, die bei der geplanten Sportart besonders belastet und gefordert werden. Jede Position sollte dabei mindestens 10 Sekunden lang gehalten werden, damit sich die Sehnen auch wirklich bis zur optimalen Länge dehnen.

Die anderen Teile der Serie:

  • Hüftprothese (1/4)
  • Knie-Teilprothese: Der Oxford-Schlitten (3/4)
  • Behandlung mit Hyaluron (4/4)

Sendung: hr-fernsehen, "Die Ratgeber", 30.04.2019, 18.45 Uhr