Noch im Mittelalter durchstreiften Elche die norddeutschen Moorwälder und Feuchtwiesen vom Emsland bis ins Wendland. Im 17. Jahrhundert galt der große Hirsch dann als ausgestorben. Seit einigen Jahren aber kehren die Elche zurück. Immer wieder ziehen einzelne Tiere aus Osteuropa nach Norddeutschland. Naturschützer Jonathan Rauhut beschäftigt sich mit den Wanderrouten der Elche. Die Tiere gehen nicht einfach der Nase nach, Elche folgen uralten „Wegbeschreibungen“, die vermutlich genetisch verankert sind. Das Problem dabei: in dem archaischen „Navi“ der Elche sind moderne Gefahrenquellen wie Autobahnen kein Thema. Obwohl die Menschen in Norddeutschland echte Elch-Fans sind und die Tiere hohe Sympathiewerte genießen, sind die Vorbehalte gegen eine neue Ansiedelung wilder Elche hoch. „Die Menschen sind den Umgang mit Wildtieren einfach nicht mehr gewohnt.“ Jonathan Rauhut kämpft dafür, dass sich das ändert und die Elche Toleranz bei den Menschen finden. In Gefangenschaft werden Elche eher selten gehalten, sie zählen zu den empfindlichsten Zootieren und reagieren sensibel auf Hitze und Stress. Ein glückliches Händchen in Sachen Elchhaltung hat Thomas Hennig im Wisent-Gehege in Springe. Im Juli 2020 rettete er ein geschwächtes Elchkalb aus dem Gehege. Er nennt es Susi und zieht es mit der Hand auf. Nachdem Susis Leben schon ein paar Mal auf der Kippe stand, kommt es jetzt vor allem darauf an, ob es dem kleinen Elch gelingt, aufzuholen und sich unter Artgenossen zurechtzufinden. Wenn Susi die Elchsprache nicht schnell „lesen“ kann, kann es durchaus gefährlich für sie werden. Die Reportage bietet durch die Beobachtung von Elchkalb Susi und ihren Artgenossen im Wisent-Gehege bildstarke, nahe, spannende und ungewöhnliche Eindrücke aus dem Leben der größten Hirsche. Zudem zeigt sie, dass Niedersachsen nicht nur alte Heimat, sondern auch neues Einwanderungsland für wilde Elche ist.