Von der Diktatur zur Demokratie - Wie war das nach dem Krieg in Hessen? „Das ging langsam, die Prägung war unheimlich stark. Denn die Nazis hatten ja das Leben bis in die Alltäglichkeit erfasst“, erzählt der damals 16-jährige Karl-August Helfenbein aus Lauterbach. Aber nach zwölf Jahren Nazi-Terror war nicht nur ihm schnell klar: „Das Gespräch mit den Amerikanern war die Entdeckung einer neuen Welt.“ Einer besseren Welt. Trotz Zerstörung, Wohnungsnot und Hunger: “Es war ein Befreiungsschlag!“, sagt auch Oswald Henzel aus Hungen, bei Kriegsende ebenfalls 16 Jahre. In der hr-Dokumentation erzählen Zeitzeugen vom demokratischen Neuanfang in Hessen nach 1945, den sie als Kinder erlebten. Was bedeutete die neue Freiheit für den Alltag, für die Schule, für ihr Leben? Bereits am 20. Januar 1946 fanden in Hessen die ersten freien Wahlen statt. In der Familie der damals 10-jährigen Lore Schwarz im hessischen Sprendlingen ein besonderer Tag: „Da war man schon enthusiastisch, dass man wählen durfte!“ Rund 1,2 Millionen Menschen durften in Hessen bei den ersten Gemeindewahlen ihre Stimme abgeben und fast 85 Prozent taten das auch. Ein Höchstwert bei der Wahlbeteiligung, der später nicht wieder erreicht wurde. Und nur 19 Monate nach Kriegsende, am 1. Dezember 1946, hatte das Land Hessen eine demokratische Landesverfassung. Für Kriegskinder wie Peter Schmidt aus Darmstadt, damals sieben Jahre alt, steht jedenfalls fest: „Demokratie müssen wir schützen, das ist ganz klar!“