Während Geschwindigkeit die einen fasziniert, bringt es die anderen auf die Palme. Gerade Biker, die auf kurvenreichen Straßen heizen, haben eine Debatte über Fahrverbote für Motorräder ausgelöst. Aber Raser, das sind ja nicht nur die anderen. Ob Biker oder Autofahrer: vermutlich werden wohl nur die wenigsten von sich behaupten können, dass sie nicht schon mal wegen Geschwindigkeitsüberschreitung mal geblitzt wurden. Philipp Engel fragt: Was ist der Reiz am Rasen und ab wann wird’s kriminell?

Einfach drauf los – das gönn’ ich mir. Ob mit dem Rennrad den Feldberg hinunter oder mit Tempo 200 auf der Autobahn, Geschwindigkeit fasziniert. Das Herz pocht, die Umwelt rast vorbei. Es ist wie ein Rausch! Was reizt Menschen am Tempo ohne Limit, am Dröhnen des Motors?

Warum sind sie bereit, dafür Risiken einzugehen und sind Männer dafür anfälliger als Frauen? Warum wird Geschwindigkeit so sehr mit Freiheit verbunden? Und ist dies eine Freiheit auf Kosten der anderen? Viele sind auch genervt von den Rasern, es bringt sie auf die Palme. Sie wollen es gemütlicher angehen oder leiden darunter, wenn ihre Region als Rennstrecke missbraucht wird. Gibt es ein Recht darauf, so schnell zu fahren, wie der Motor hergibt?

Waren bis in die 1990er Jahre Autos mit einer Geschwindigkeit von über 220 eher die Ausnahme, steht diese Zahl heute auf dem Tacho fast jedes neu zugelassenen Autos. Häufig ist überhöhte Geschwindigkeit die Unfallursache. Für den Verkehrsminister sind Tempolimits "gegen jeden Menschenverstand". Stattdessen wird auf die Verantwortung der Autofahrer gesetzt. Doch sind wir bei so hohen Geschwindigkeiten wirklich in der Lage, die Situation zu beherrschen oder gaukelt uns die Technik etwas vor?

Inzwischen gibt es erste Hersteller, die freiwillig in ihren Autos Tempolimits einbauen. Ist dies die einzige Möglichkeit, unser Verhalten und unsere Einstellung zum Rasen zu verändern?

Philipp Engel erlebt in einem Selbsttest den Rausch der Geschwindigkeit, spricht mit Menschen, die nicht so glücklich darüber sind, dass Motorräder und Autofahrer ihre Region als Rennstrecke nutzen und testet, ob man durch langsameres Fahren wirklich viel später ankommt.


Sendung: hr-fernsehen, "engel fragt", 16.09.2020, 21:45 Uhr