Hubertus Dissen treibt 500 Schafe im Berufsverkehr über die Kasseler Hafenbrücke. Die Tiere des Stadtschäfers übernehmen die Landschaftspflege in den Kasseler Parks und Auen.

Michael Pillkowsky hat zwei Berufe: Erzieher und Landwirt. Wenn er den Kindergarten verlässt, nimmt er an manchen Tagen sein Pferd und treibt Highlandrinder mit langen Hörnern von einer Wiese zur nächsten. Nur die Hochhauskulisse verrät dann, dass er diese Form der Landwirtschaft mitten in Kassels innerstädtischem Naturschutzgebiet betreibt. Die Kasseler Stadtbauern haben viele Gesichter. Eines gehört dem Unternehmensberater Victor Hernández. Seit drei Jahren bringt er Bienen auf Kassels Dächer. Was als Hobbyimkerei mit ein paar Bienenvölkern begann, hat sich zu einer echten Passion für den 38-Jährigen entwickelt. Mehr als dreißig Völker summen mittlerweile in vier verschiedenen Stadtteilen von der Nordstadt bis Wilhelmshöhe - und es werden immer mehr. Die Bienen finden in der Stadt ständig blühende Pflanzen, der Ertrag ist besonders gut. Der wegen seines guten Geschmacks mehrfach prämierte Stadthonig ist nicht nur bei den Kasselern beliebt. Spätestens Ende November ist er so gut wie ausverkauft. Als Vorsitzender des Kasseler Imkervereins berät Victor Hernández nun auch andere in Sachen Stadtbienen. 2016 will er in der Nordstadt die erste "Bienothek" eröffnen, einen Laden, in dem man unterschiedlichen Honig probieren und kaufen kann und in dem Workshops zur Imkerei angeboten werden. Landwirtschaft und Gartenbau zurück in die Stadt zu bringen, das ist auch die Idee der „Saisongärten“. In Kassel bepflanzt Katharina Mittelstraß die Parzellen im Frühjahr mit Gemüse. Die Nachfrage, so eine Parzelle zu mieten, ist mittlerweile groß geworden. Das Interesse wächst, auf diese Weise eigenes Gemüse hochzuziehen und zu ernten.

Ein Film von Nathaly Janho und Ulrich Schaffrath