Sie ist Hessens nördlichste Wasserstraße. Über Jahrhunderte war die Weser für die Menschen das Tor zur Welt. Als Handelsstraße gingen mit ihr Waren jeglicher Art über Bremen bis nach Asien oder Amerika.

Das älteste Transportmittel waren wohl die Flöße. Die, die sie bauten und damit stromabwärts fuhren, hatten den Ruf von wilden Kerlen, Haudegen, und unerschrocken zu sein. Sie trotzten Wind und Wetter, lebten über Tage in einfachster Art und Weise auf ihren zusammengebundenen Holzstämmen - bis in die sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, dann ging die Weserflößerei endgültig zu Ende, das Holz wurde nur noch mit Lastwagen auf der Straße transportiert.

Ein Verein hält bis heute die Erinnerung an das alte Handwerk wach und hat wieder ein Floß gebaut. Von Anfang an begleiten die Filmautoren Eckhard Braun und Jens Waechter die Männer bei ihrem Projekt, beim Schlagen der Bäume im Reinhardswald, beim kunstvollen Bau des Wassergefährts und schließlich den Fluss hinab. "Regional ist nicht egal" - dieses Motto leitet sie. Und deshalb stammen die Bäume auch aus beiden großen Waldgebieten rechts und links des Weserufers: dem hessischen Reinhardswald und dem niedersächsischen Solling.

Die Weserflößer

Sie sind eine Gruppe romantischer Männer die gerne anpacken und die die Tradition der Weserflößerei erhalten möchten. Begonnen hat alles mit einem Partyfloß, dann kam die Idee mal ein "richtiges" zu bauen, so wie früher. Bis Mitte der 1960ger Jahre lebten etliche Familien an der Weser von der Flößerei. In den besten Zeiten waren es bis zu 700 Flöße, die die Baumstämme aus dem Solling und aus dem Reinhardswald zu den Sägemühlen nach Minden, Bremen oder sogar bis ins Ruhrgebiet flößten.

Einer der letzten Weserflößer war Willy Wasmuth, der zeigte den Männern aus Reinhardshagen und Umgebung die Floßbautechnik. Sie sind die letzten sagen sie, die diese Technik auch im 21. Jahrhundert noch beherrschen. Die Arbeit beginnt im Wald. Bäume werden gefällt, entastet und entrindet. In Reinhardshagen-Vaake haben die Männer drei Tage Zeit, um daraus ein verkehrstüchtiges Floß zu bauen.

Die ersten beiden Stämme bilden an Leinen gehalten die äußere Begrenzung des Floßes. Die nächsten 66 rollen den Hang hinab ins Wasser, werden erst geheftet, dann mit Hightech-Spanngurten zusammen gehalten. Schweißtreibend und nicht ungefährlich ist diese Arbeit. So entstehen nach und nach zwei Böden, vier Rudern und eine mobile Küche. Und weil bei der diesjährigen Floßfahrt auch zahlende Passagiere dabei sind, wird noch ein glatter Laufboden obendrauf genagelt. Vor der TÜV Abnahme am Tag 3 der Bauarbeiten herrscht Nervosität bei allen 18 Flößern.

Der Mann vom TÜV vermisst eine Fuß-Reling, bemängelt den Tiefgang – die Weser führt wenig Wasser- zeigt sich aber grundsätzlich beeindruckt von der Teamleistung. Nur: das Floß ist noch gar nicht fertig, Nachtschicht ist angesagt, bevor das Gefährt, das von einem Bootsführer mit Schiffspatent angeführt wird, am nächsten Morgen ablegen kann. Über 200 Kilometer Strecke wollen die Männer zurücklegen, wie ihr Vorbild Willi Wassmuth, von Reinhardshagen-Vaake bis nach Minden in Westfalen. Die Menschen aus der Region säumen den Uferweg, auf dem Floß gibt es viel zu tun.

Ein zerbrochenes Ruder muss mit einfachsten Mitteln repariert werden, das Niedrigwasser macht beim Anlegen Probleme und dann ist da noch der Regen. Das Team von Erlebnis Hessen begleitet die 18 Romantiker bis zur Landesgrenze nach Nordrhein-Westfalen, durch eine wunderschöne Landschaft, mit guter Verpflegung an Bord und einem nicht immer gut gelaunten Kapitän.

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Kontakt und Informationen

Weserflößer Reinhardshagen e. V.
Eckhard Meyer, 1. Vorsitzender
Untere Kasseler Str. 1
34359 Reinhardshagen
Telefon: 0178-1133429
Mail: eckhard.meyer@weserfloesser.de
Internet: www.weserfloesser.de

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Hutewaldprojekt im Solling

60 wilde Exmoorponies und eine Rinderherde als Landschaftsgärtner für ein Hutewaldprojekt! Für Kurt Hapke vom Naturpark Solling-Vogler erledigen die Tiere ihre Arbeit zuverlässig. Sie werden wild gehalten, leben ohne menschliches Zutun und finden genug Nahrung. Im Herbst vor allem Eicheln, ansonsten Buchen und Pflanzen, die sie abfressen, so die Hutewaldflächen frei halten, die sonst zuwachsen würden. Über 200 Hektar Wald sollen sich so zu einer Hutelandschaft entwickeln, ähnlich der, auf die die Bauern früher ihre Tiere zum Mästen geschickt haben.
Förster Hartmut Loges betreut das Projekt in seinem Revier und ist erfreut über den Einsatz der Pferde, die mitunter Fällarbeiten überflüssig machen.

Vor allem Eichen sollen im Hutewald stehen, ihre Früchte sind das beste Futter. Lärchen werden gefällt, Eichen gepflanzt. Der Wald verträgt jedoch nur eine gewisse Anzahl an Tieren. Deshalb dokumentiert Kurt Hapke zusammen mit seinen beiden Mitarbeiterinnen die Exmoorponies. Ein paar werden an ein Projekt nach Dänemark verkauft. Damit man sie beim Verladen wieder erkennt, werden sie fotografiert. Naturschutz, Landschaftspflege und Kulturgeschichte- das Hutewaldprojekt im Solling vereint alle drei Aspekte.

Weitere Informationen

Kontakt und Informationen

Naturpark Solling-Vogler
Wildpark 1
37603 Holzminden/Neuhaus
Telefon: 05536 1313
E-Mail: info@naturpark-solling-vogler.de
Internet: www.naturpark-solling-vogler.de

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Die Weserfähren

Vier Weserfähren gibt es bis heute zwischen Veckerhagen bis zur Landesgrenze nach Westfalen. Sie ersetzen die Brücken auf diesem Abschnitt. Diese kleinen zum Teil in Gemeindehand befindlichen Gierseilfähren werden von den Gästen und Einheimischen im Wesertal gerne benutzt. Sie alle funktionieren ohne Motor, nur mit Wasserkraft, sind umweltfreundlich und beliebt.

Bis zu 100 Mal am Tag setzt Reinhard Bolte in Veckerhagen über. 365 Tage im Jahr. Mit Sohn Benjamin betreibt er die Fähre als eigenständiger Unternehmer. "Es ist jeden Tag was anderes", sagt er. Sein Kollege Wolfgang Borchhardt aus Wahmbeck sieht das genauso. Er macht alles von Hand. Schubst die Fähre an, drückt die Schranke runter, kurbelt, um die Kette reinzuholen. Wie die Flößer waren die Fährleute im Wesertal Originale. Borchhardt erinnert sich an den legendären "Fährmann Schnippelbohne", den ein Journalist mal als den "Playboy von der Weser" bezeichnete.

Am Saisonende im Oktober kommen nur noch fünf bis sechs Autos am Tag. Im Winter müssen die Pendler weiter fahren, die Gierseilfähre in Wahmbeck macht dann Pause, überwintert fest vertäut am Ufer bis zum Saisonstart im März.

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Kontakt und Informationen

Die Fähre Veckerhagen/Hemeln fährt das ganze Jahr über. Die von Oberweser-Oedelsheim ist von Mai bis September in Betrieb. Immer Freitag, Samstag, Sonntag und an Feiertagen: 10-18 Uhr.

Märchenfähre Lippoldsberg
Wahlsburg (Ortsteil Lippoldsberg)
Fährzeiten: 15.03. bis 31.10.,
Montag bis Freitag: 7-18 Uhr,
Samstag und Sonntag: 8-18 Uhr,

Kontakt:
Gemeindeverwaltung,
Am Mühlbach 15
37194 Wahlsburg,
Telefon: 05572 93780
Mail: Gemeinde@Wahlsburg.de.
Internet: www.wahlsburg.de

Die Fähre Wahmbeck gehört zum Flecken Bodenfelde
Sie fährt vom 1.3. bis 31.10.

Anschrift:
Amelither Str. 23
37194 Bodenfelde

Postanschrift:
Postfach 2155
37192 Bodenfelde
Telefon: 05572 93690
E-Mail:flecken@bodenfelde.de
Internet: www.bodenfelde.de

Weserbergland Tourismus e.V.
Deisterallee 1
31785 Hameln
Telefon: 05151 93000

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Der Wesersandstein

Wesersandstein ist weltweit begehrt, hart und teuer. Rund um Bad Karlshafen bauen Steinhauer das Naturprodukt seit Jahrhunderten quasi in Handarbeit ab. Früher wurde der Stein gesprengt, heute erledigen das PS-starke Bagger, die die tonnenschweren Blöcke aus der Wand brechen. Was hier heute abgebaut wird, hat sich vor über 200 Millionen Jahren gebildet. Flusssysteme brachten Sande heran, die sich in den Ausläufern der heute "hessische Senke" genannten Niederungen ablagerten.

Über Millionen Jahre ging das wohl so. Unter dem Druck von 1000 Meter dicken anderen Ablagerungen wurde daraus schließlich Sandstein. Die Karlshafener und Trendelburger Schichten sind besonders widerstandsfähig. Im 19. Jahrhundert entstanden hier deshalb zahlreiche große Brüche, in denen Hunderte Arbeiter das Material abbauten und verarbeiteten. Über die Weser konnte die wertvolle Fracht weit transportiert werden. Heute sind gerade noch fünf Steinbruchbetriebe in der Region übrig geblieben, wie der von Jürgen Bunk am Rand von Bad Karlshafen. Mauersteine, Pflastersteine, Platten für Wege - vor allem für den Denkmalschutz ist die Nachfrage groß, und ganze Kirchen werden damit ausgelegt. Inzwischen kaufen hier auch amerikanische und kanadische Kunden, um alte Stadtgebäude zu restaurieren. Denn der dortige Sandstein bröselt schon nach 100 Jahren.

Aus dem rohen Stein werden wertvolle Platten, Treppenstufen oder Fenstersimse gehauen und gesägt. Der Sandstein wird von der Weser bis Amerika und Kanada exportiert, er gilt als einer der härtesten der Welt. Die Steinmetze in den Brüchen stammen zumeist aus Portugal. Schon seit Jahrzehnten, seit ihre Familien den armen Süden verließen, haben sie in Nordhessen eine zweite Heimat gefunden.

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Kontakt und Informationen

Firma Wesersandstein Jürgen Bunk GmbH
Brückenstraße 10
34385 Bad Karlshafen

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Hugenottenstadt Bad Karlshafen

Sie kamen mit Schiffen die Weser hinauf, aus Richtung Bremen. Von weitem sahen sie ihre neue Heimat am Fluss liegen. Bad Karlshafen, 1699 von Landgraf Carl von Hessen an der Mündung der Diemel in die Weser gegründet. Die ersten Bewohner in der Planstadt waren Hugenotten, die wegen ihres protestantischen Glaubens in Frankreich verfolgt wurden. Die Flüchtlinge brachten Handwerksberufe aus ihrer alten Heimat mit, die in Deutschland nahezu unbekannt und sehr willkommen waren. Und sie blieben in Hessen. Bad Karlshafen und einige andere kleine Orte der Region wurden damals Beispiele für eine gelungene Integration. Denn die Menschen sind in ihrer neuen Heimat Hessen geblieben. Bis heute haben viel Bewohner hugenottische Wurzeln.

Auch Dorothe Römers Familie wurde damals mit offenen Armen empfangen. Heute ist sie Gastgeberin, bietet Flüchtlingen Hilfe und Unterstützung. Und auch ein bisschen Heimatkunde bei einer Stadtführung extra für junge Flüchtlinge.

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Kontakt und Informationen

Stadtverwaltung Bad Karlshafen
Hafenplatz 8 (Rathaus)
34385 Bad Karlshafen
Telefon: 05672 99990

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Ein Film von Jens Waechter und Eckhard Braun
Sendung: "Erlebnis Hessen", hr-fernsehen, 31.03.2020, 21:00 Uhr