Sie feierte gerade ihren 140sten Geburtstag, startet im weltbekannten Bergpark Wilhelmshöhe und ist eine der wichtigsten Verkehrsadern der nordhessischen Metropole: Kassels Straßenbahnlinie 1.

42 Minuten braucht die Linie 1 für die 13 Kilometer von der Haltestelle Wilhelmshöhe bis zur heutigen Endhaltestelle Vellmar Nord. Sie ist immer gut besetzt – genutzt von mehr als 22.000 Menschen am Tag.

Videobeitrag

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zum Video Eine Fahrt mit der Straßenbahnlinie 1 in Kassel

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Es war wohl der leise aufkommende Fremdenverkehr, der den Kasselern ihre erste Straßenbahn bescherte. 1877 konnten Gäste wie Einheimische mit der Cassel Tramways Company vom Königsplatz bis zur Wilhelmshöhe fahren und von dort ganz bequem Schloss und Bergpark besuchen. Das war die Geburtsstunde der Linie 1.

30 Minuten benötigte die Dampfbahn für die 6 Kilometer lange Strecke, 30 Pfennige zahlte man für die Fahrt. Damals war Kassel nach  Kopenhagen und Paris die dritte Stadt weltweit,  die eine Straßenbahn betrieb. Und sie ist heute weltweit die  Stadt mit der ältesten Straßenbahnlinie, die noch ihre ursprüngliche Streckenführung hat. Davon ist der Straßenbahn-Kenner Ulrich Fröhberg überzeugt. Bis heute hat die Linie 1 ihre Endhaltestelle am Bergpark Wilhelmshöhe, fährt durch den gutbürgerlichen Stadtteil Wilhelmshöhe über den Bahnhof Wilhelmshöhe in die Innenstadt. Von dort geht es weiter durch die multikulturelle Nordstadt und seit 2011 raus aus Kassel bis nach Vellmar. In keiner Linie wechseln Publikum und Straßenzüge so wie auf der Strecke der Linie 1.

Kassels älteste Straßenbahnlinie
Straßenbahnfahrer Adrian Baumann Bild © hr

Im Betriebshof Wilhelmshöhe beginnt die Frühschicht der Straßenbahnfahrer, die Lieblingsschicht von Adrian Baumann. Zwischen vier und sieben Uhr rücken  aus dem Depot in Kassel-Wilhelmshöhe 44 Straßenbahnen aus, alle 15 Minuten fährt auch unsere “Linie 1”. Adrian Baumann holt sich im Depot der Kasseler Verkehrsgesellschaft KVG “seine” Straßenbahn“ ab und macht sie startklar. Dazu gehört es auch, die vier 4 “Sandkästen” pro Wagen zu kontrollieren, die genau über den Bremsen liegen. Auch bei den modernsten Straßenbahnen wird fürs Bremsen immer noch Quarzsand benötigt, wenn die Schienen nass und schmierig sind. Aber das Schwierigste am Job, sagt Adrian Baumann, ist die Verantwortung für die vielen Fahrgäste, die jeder Fahrer in seiner Fahrerkabine ganz allein trägt. Straßenbahnfahren war schon sein Jungentraum – und den hat er zum Beruf gemacht.

Kassels älteste Straßenbahnlinie
Straßenbahnfahrerin Melanie Römer Bild © hr

Wir begleiten die Linie 1 und Adrian Baumann vom Hessischen Rundfunk über den Bahnhof Wilhelmshöhe, die Haltestellen Kirchweg, Rathaus, Königsplatz bis zum  Stern, immer in Richtung Vellmar.  Am Stern wird Baumann von seiner Kollegin Melanie Römer abgelöst. Sie ist seit sechs Jahren Fahrerin der Kasseler Verkehrsgesellschaft. Frauen fahren einfühlsamer, haben mehr Verständnis für die Fahrgäste, meint Melanie Römer.  Sie fährt die Linie 1 vom Stern über die Haltestellen Halitplatz und Holländische Straße bis zur Endstation Vellmar Nord.

Der Straßenbahn-Experte Ulrich Fröhberg

Kassels älteste Straßenbahnlinie
Ulrich Fröhberg Bild © hr

"Die Linie 1 ist wohl mit eine der ältesten Strecken der Welt. Ich habe viel rumgeforscht und habe nicht viel gefunden. Ich denke, das ist etwas, worauf Kassel, genau wie auf seinen Herkules durchaus stolz sein darf", sagt Ulrich Fröhberg. Er ist wahrscheinlich Kassels größter Straßenbahnfan und ein ausgewiesener Experte auf dem Gebiet des städtischen Schienenverkehrs. Seit seiner Schulzeit dokumentiert der pensionierte Lehrer die Geschichte der Straßenbahn.  Allein von Kasseler Modellen hat er 8000 eigene Fotos in seinem Archiv, kann über jeden Wagen, jede Haltestelle, jede Streckenänderung erzählen.

Nachzulesen in seinem reich bebilderten Buch "Die Kasseler Straßenbahn", zu erleben in unserem Film über "Kassels älteste Straßenbahnlinie", für den er mit den beiden Autorinnen stundenlang mit der Linie 1 zwischen den beiden Endehaltestellen hin und her gependelt ist und dabei begeistert Rede und Antwort stand. Ob zur alten Dampfbahn, "Verstärkungswagen", Kasseler Prototypen oder der Bedeutung der Straßenbahn für die Kasseler Innenstadt. Dass es Menschen gibt, die hier ohne Straßenbahn flanieren möchten, kann er so gar nicht nachvollziehen.

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Buchtipps

Ulrich Fröhberg:
Die Kasseler Strassenbahn
Sutton Verlag
Preis 19,95 Euro

Stephan Lücke:
Kasseler Strassenbahnen und Regiotrams
Sutton Verlag
Preis 20 Euro

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Streckenverlauf der Linie 1

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Haltestelle Hessischer Rundfunk

Nur wenige Meter von der Haltestelle entfernt liegt das Studio Kassel des Hessischen Rundfunks. Hier ist der Film über Kassels älteste Straßenbahnlinie entstanden. Der hr produziert an diesem Standort mit mehr als 100 Mitarbeitern Beiträge für die Hessenschau, die Tagesschau, für die Magazine "Herkules" und "Alles Wissen" und viele Folgen der Reihe "Erlebnis Hessen". Außerdem kommt die Welle hr4 direkt aus Kassel-Wilhelmshöhe.

Weitere Informationen

Kontakt und Information

hr-Studio Kassel
Anstalt des öffentlichen Rechts
Wilhelmshöher Allee 347
34131 Kassel
Telefon: 0561 31040

Telefon Besucherführungen:  069 1553119
Internet: Führungen im hr

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Haltestelle Kunoldstraße

An dieser Haltestelle beginnt die Geschichte von Holger Wittich. Allerdings ist das schon eine Weile her. Sie spielt im Jahr 1947, als der kleine Holger an der Haltestelle auf seine Mutter wartet. Als die vom Einkaufen aus einem nahen Geschäft zurück kommt, ist Holger, gerade mal zweieinhalb Jahre alt, weg. Irgendjemand hat ihn in eine haltende Straßenbahn gesetzt, wohl meinend, dass er dort hingehöre. Und Holger fährt begeistert durch die Stadt, die damals noch in Trümmern lag. Es dauerte, bis ihn zufällig jemand erkannte und nach Hause brachte. Zur Haltestelle Kunoldstraße. "Ich war wohl das ungewöhnlichste Fundstück der Linie 1", erzählt Holger Wittich.

Haltestelle Bahnhof Wilhelmshöhe

Hier hält die Straßenbahn unter dem "größten Wartehäuschen der Welt". Ein zugiges Wartehäuschen allerdings, denn das Vordach aus Stahlfachwerk, unter dem Reisende mit Bus, Straßenbahn oder Taxi ankommen, um zum Nah- und Fernverkehr umzusteigen, besteht aus 59 unregelmäßig verteilten hohen Säulen, zwischen denen mitunter der Wind pfeift und man bei Regen immer nasse Füße hat. 1991 eröffnete Bundespräsident Richard von Weizsäcker nach zehn Jahren Bauzeit den neuen Bahnhof, der Kassel ans ICE Netz und die wichtige Nord-Südstrecke anschloss. Bahnverkehr und illustre Fahrgäste gab es dort aber schon viel länger. Napoleon III kam hier an, Kaiser Wilhelm stieg hier aus, wenn er mit der Familie zur Sommerfrische anreiste, und 1970 verabschiedeten sich Willy Brandt und Willi Stoph am Bahngleis nach ihren wichtigen innerdeutschen Gesprächen.

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Kontakt und Information

Stadtmuseum Kassel
Ständeplatz 16
34117 Kassel
Telefon: 0561 7871400
Führungsanfragen / Aufsicht: 0561 7874405
E-Mail: stadtmuseum@kassel.de
Internet: www.stadtmuseum-kassel.info

Stadtarchiv Kassel
Wildemannsgasse 1 (Marstallgebäude)
34117 Kassel
Telefon: 0561 7874050
E-Mail: stadtarchiv@kassel.de
Internet: www.kassel.de/stadt/stadtarchiv

Das Stadtmuseum und das Stadtarchiv haben uns eine Reihe von historischen Fotos zur Linie 1 zur Verfügung gestellt.

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Haltestelle Kirchweg

Freitags ist hier am meisten los. Und die meisten Fahrgäste haben dann schwere Körbe oder Taschen dabei. Freitags ist Markt auf dem Wehlheider Platz. Direkt neben der Haltestelle. Dann ist das zentrale Element dieses Platzes umringt von bunten Ständen und Verkaufswagen. Angela Landgrebe, pensionierte Grundschullehrerin, kommt  immer mit der Linie 1 hierher, zum einkaufen, aber auch, um nach dem "Kopftopf-Brunnen" zu gucken. Zwei Säulen mit goldenen Birnen, in der Mitte ein roter Kochtopf, aus dem im Sommer Wasser sprudelt. Der documenta Künstler Heinrich Brummack hat ihn für den Platz geschaffen, und Angela Landgrebe hat so eine Art Patenamt für den Brunnen übernommen. Als eine Zeitlang immer Zettelchen an die wertvollen Marmorsäulen geklebt wurden, hat sie die regelmäßig abgekratzt. Bis der Künstler den Wehlheidern eine Bürgersäule als Ergänzung zu dem Ensemble gebaut hat, an der nun jeder seine Wünsche und Angebote pinnen kann.

Eine wunderbare Kunstanlage, sagt die Kunstschützerin Landgrebe. "Kassel, Kunst und Kaffee" nennt sie ihren Kurs an der Volkshochschule, in dem sie Kunstbegeisterte mit der Straßenbahn zu Kunstwerken  in ihrer Heimatstadt begleitet. Oft mit der Linie 1.

Weitere Informationen

Kontakt und Information

vhs Region Kassel
Wilhelmshöher Allee 19 - 21
34117 Kassel 
Telefon: 0561-1003 1681
E-Mail: vhs@landkreiskassel.de
Internet: www.vhs-region-kassel.de

Markt Wehlheiden
Auf dem Wehlheider Platz  findet jeden Freitag ein Wochenmarkt von 8- 13 Uhr mit regionalen Lebensmitteln statt. Angeboten werden u.a. Gemüse, Obst, Brot, Milchprodukte, Honig, Eier, Fleisch und Fisch.

Wehlheider Platz
34121 Kassel
Internet: www.regional-optimal.de

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Haltestelle Weigelstraße

An der Haltestelle Weigelstraße ist morgens vor acht und mittags nach ein Uhr am meisten los. Hier steigen jeden Tag hunderte Schüler aus, die die nahegelegene Jacob-Grimm-Schule oder das Friedrichs-Gymnasium besuchen. Den Weg kennt Winfried Jakob genau. In den 40ger Jahren ging er auf die damals anspruchsvollste Schule Kassels: das Wilhelmsgymnasium. Es wurde im Krieg zerstört, heute steht an seiner Stelle das Friedrichsgymnasium. 1942 wurde der damals 16-jährige als HJ- Schaffner zur Kasseler Straßenbahn eingezogen. Mittags  nach der Schule begann sein Dienst bei der Straßenbahn. Oft fuhr Winfried Jakob bis spät in die Nacht auf der "Linie 1". Die Stadt lag komplett im Dunkeln, damit feindliche Bomber ihr Ziel nicht finden konnten. Unter diesen Bedingungen die richtige Station auszurufen war ein Kunststück, was nicht immer gelang. "Angst", so erzählt der studierte Chemiker und Physiker, habe er nicht gehabt. "Weil junge Leute die Gefahren noch nicht erkennen".

Haltestelle Rathaus

Am Ende der Wilhelmshöher Allee, hinter der Rathauskreuzung, beginnt Kassels Fußgängerzone, die "Obere Königstraße". Der Weg der Linie 1 und anderer Straßenbahnlinien führt durch die Fußgängerzone. Die erste zentrale Haltestelle: "Rathaus". Hier steigt Oliver Obst fast täglich aus. Er ist Kassels jüngster Standesbeamter und nimmt uns mit ins Rathaus. Zu den Eheschließungen reisen auch immer wieder Brautpaare mit der Straßenbahn an. Die KVG vermietet ihre Straßenbahnen auch für Hochzeiten. Der Trausaal im Rathaus hat Blick auf die Fußgängerzone – damit es wegen der vielen Bahnen, die vorbeifahren, nicht zu laut wird, müssen Oliver Obst und seine Kollegen die Fenster vor jeder Trauung schließen.

Weitere Informationen

Kontakt und Information

Rathaus Kassel
Standesamt
Obere Königstraße 8
34117 Kassel
Telefon: 0561 / 115
Internet: www.serviceportal-kassel.de oder www.stadt-kassel.de

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Haltestelle Friedrichsplatz

Eine Institution am Friedrichsplatz war bis Mitte der 90iger Jahre der Familienbetrieb "Café Paulus" – heute ein Standort der Gastrokette Alex.  Barbara Herrmann-Kirchberg, die letzte Juniorchefin, erinnert sich für uns an die Geschichte. 1872 gründete ihr Urgroßvater Konditor Johann David Paulus am Ständeplatz das erste "Café Paulus" als kaiserlich-königliche Hofkonditorei. 1956 eröffneten ihre Eltern Rudolf und Gisela Herrmann  ihr erstes eigenes Café in der Treppenstrasse mit Außenbestuhlung. Das war neu in Kassel. 1966 kam dann das Café Paulus am Friedrichsplatz dazu. Tochter Barbara stieg hier in den Betrieb mit ein. Zu den Gästen des Cafés gehörten auch documenta-Künstler wie Josef Beuys. Vom Friedrichsplatz, dem Zentrum jeder documenta, war es nur ein Katzensprung in‘s Paulus.

Auch der Hessische Rundfunk sendete aus dem Café  Paulus: den "Kasseler Frühschoppen", eine Live-Talkshow des hr. Jeden Sonntag vormittag mit Moderator Klaus Krimmel. Als die Juniorchefin Barbara Herrmann-Kirchberg selbst Mutter wurde und für Betrieb und Kind zu wenig Zeit hatte, entschied sie sich für ihre Familie. Damit ging die Ära des Cafés 1994 zu Ende. Auch der Kasseler Frühschoppen musste nach der  letzten Sendung aus dem Paulus umziehen ins neugebaute Fernsehstudio an der Wilhelmshöher Allee. Das Traditionscafé der Familie Herrmann war Geschichte, die Linie 1 fährt immer noch am Café Alex vorbei – und weiter durch die Innenstadt.

Weitere Informationen

Kontakt und Information

Cafe Alex
Obere Königsstraße 28a
34117 Kassel
Telefon: 0561 766170
Internet: www.dein-alex.de/Kassel

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Haltestelle Königsplatz

Der zentrale Königsplatz in der Innenstadt ist ein Knotenpunkt mit viel Trubel und Hektik, weil viele Fahrgäste umsteigen in andere Bahnen und Busse. 

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts  wurde der Königsplatz angelegt. Namensgeber war Landgraf Friedrich 1., gleichzeitig  König von Schweden. Rund hundert Jahre später, am 9.Juli 1877 startete hier vor der alten Hauptpost die erste  Dampfbahn in Richtung  Wilhelmshöhe. 1903 gab es noch Pferdebahnen, aber in der Innenstadt  war  die Straßenbahn auch schon elektrisch unterwegs. In den 30er Jahren herrschte in Sichtweite  von Martinskirche und Druselturm reges Markttreiben auf dem Königsplatz. Im 2.Weltkrieg wurden 80 Prozent von Kassel  zerstört, der Straßenbahnverkehr eingestellt. Doch schon  im Herbst 1945 fuhr die Linie 1 wieder über den Königsplatz. Noch lange Jahre erinnerten die ausgebrannten Türme der Martinskirche an die Kriegszerstörungen. Der zentrale Königsplatz wurde mehrmals den Moden entsprechend umgestaltet. Höchst umstritten war die Treppe über der Straßenbahn, 1992 kurzerhand zum documenta-Kunstwerk erklärt und  im Jahr 2000 bei Nacht und Nebel abgerissen. 36 Wasserspeier aus Bronze schmücken den Platz seit 2005.  Und von der documenta 14 stammt der  Obelisk, man diskutiert noch, ob er bleibt. Diskutiert wird auch immer mal wieder, die Straßenbahnen aus der Fußgängerzone und vom Königsplatz zu verbannen. Aber für ein angestrebtes Bürgerbegehren sind nicht mal genügend Unterschriften zusammengekommen.

Weitere Informationen

Kontakt und Information

Stadtmuseum Kassel
Ständeplatz 16
34117 Kassel
Telefon: 0561 7871400
Führungsanfragen / Aufsicht: 0561 7874405
E-Mail: stadtmuseum@kassel.de
Internet: www.stadtmuseum-kassel.info

Stadtarchiv Kassel
Wildemannsgasse 1 (Marstallgebäude)
34117 Kassel
Telefon: 0561 7874050
E-Mail: stadtarchiv@kassel.de
Internet: www.kassel.de/stadt/stadtarchiv

Das Stadtmuseum und das Stadtarchiv haben uns eine Reihe von historischen Fotos zur Linie 1 zur Verfügung gestellt.

documenta
Internet: www.documenta.de

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Am Stern

Am Stern findet ein Fahrerwechsel in der Linie 1 statt. Bei unserer Fahrt wird Adrian Baumann von Melanie Römer abgelöst. In der Nähe befindet sich einer der KVG-Aufenthaltsräume, in dem Baumann sich mit anderen Kollegen trifft, um Pause zu machen. Zum Beruf, findet Adrian Baumann, gehört schon eine Portion Mut dazu: "Man fährt ja keine Pakete oder Apfelsinen durch die Gegend, sondern Fahrgäste. Das können 3 bis 400 Mann sein. Deswegen ist das nicht jedermanns Sache."

Holländischer Platz

Am Holländischen Platz muss die Linie 1 derzeit die Geschwindigkeit reduzieren: von 50 runter auf Tempo 15  - wegen der Arbeiten am offenen Gleisbett. Der Holländische Platz ist Standort der Kasseler Universität, viele Studenten steigen ein und aus. Hier packen auch die Musiker der Kasseler Brass-Band "Blech und Schwefel" ihre Instrumente in der Bahn aus – für einen Flashmob, der vielen Mitfahrern ein Lächeln ins Gesicht zaubert  und für richtig gute Stimmung sorgt. Sie sind auf dem Weg zu ihrem Probenraum, der auch an der Holländischen Straße liegt.

Die Musiker sind viel unterwegs. Sie verstehen sich als Botschafter Kassels,  wollen durch ihre Musik Begegnungen von Menschen aus unterschiedlichen Ländern fördern.

Weitere Informationen

Kontakt und Information

Brassband Blech und Schwefel
Probenraum:
Mombachstraße 10-12
34 127 Kassel

Ansprechpartnerin: Katja Siebert
Telefon: 0561 471723
Internet: www.blech-und-schwefel.de

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Halitplatz

Der Name der Haltestelle erinnert an den 2006 ganz in der Nähe ermordeten Kasseler Bürger Halit Yozgat. Direkt gegenüber, auf dem Halitplatz vor dem Hauptfriedhof an der Holländischen Straße hat die Stadt Kassel außerdem ein Mahnmal errichtet, zum Gedenken alle Opfer der Mordserie des rechtsextremen NSU. Eines der Opfer war der Kasseler Halit Yozgat. Im Alter von 21 Jahren wurde er im April 2006 nahe der Haltestelle in seinem Internetcafé erschossen und dort von seinem Vater gefunden. Die Neonazis des NSU prahlten in einem Bekennervideo mit den rassistischen Taten. Die beiden mutmaßlichen Täter haben Selbstmord begangen, weitere Tatbeteiligte stehen in einem jahrelangen Prozess in München vor Gericht.

Holländische Straße

Bis 2011 endete die Linie 1 an der Haltestelle Holländische Straße in Kassels Norden. Seit dem Streckenausbau fährt die 1 bis zur Endstation in Vellmar Nord. Fahrerin Melanie Römer durfte die Jungfernfahrt übernehmen.

Vellmar Nord

Gut drei Jahre Bauzeit und knapp 40 Millionen Euro haben die vier Kilometer gekostet. An der Endstation heißt es wieder: Bremssand nachfüllen. Je nach Wetterlage muss Melanie Römer während des Dienstverlaufs zwei bis drei Eimer pro Wagen aufschütten. Bei einer 60 Meter langen Doppeltraktion, also zwei aneinandergekuppelten Straßenbahnen, sind acht Sandkästen nachzufüllen. Da bleibt von der Pause nicht viel übrig. Und danach geht es über eine Wendeschleife wieder zurück durch die ganze Stadt: gut 42 Minuten von Vellmar Nord bis zur Endhaltestelle im Bergpark Wilhelmshöhe. Nicht nur die älteste, sondern auch die schönste Linie sagen viele Fahrgäste.

Weitere Informationen

Bei Nachfragen wenden Sie sich bitte an

Redaktion "Erlebnis Hessen"
Hessischer Rundfunk
Studio Kassel
Telefon: 0561 3104120

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Sendung: hr-fernsehen, "Erlebnis Hessen", 23.01.2018, 20:15 Uhr