Der Burgwald ist einer der größten Wälder in Hessen. Ein Vogelparadies, herausragend durch seine vielen Eulen. Die großen Uhus leben hier und die kleinste Eule, der Sperlingskauz. Der Wald ist ein Traum für Vogelkundler, mit unberührter Natur und geheimnisvollen Gedenksteinen.

Vor allem gibt es große, uralte Moore, die Kohlenstoff binden und den Klimawandel bremsen. Forscher sind begeistert, weil die Moore im Burgwald wieder wachsen – das gibt es sonst in Deutschland kaum noch. Deshalb versuchen Menschen aus der Region seit langem, die Moore zu schützen. Der Burgwald ist auch gefährdet:  Trockenperioden lassen den Borkenkäfer gedeihen, Stürme werfen immer wieder massenhaft wertvolle Bäume um. Wir sind unterwegs zwischen Frankenberg und Marburg, ganz im Nordwesten von Hessen: im unbekannten Burgwald, dem drittgrößten hessischen Waldgebiet.

Die Eulen und der Vogelförster

Sperlingskauz im Burgwald.
Ein Sperlingskauz im Burgwald. Bild © hr

Man nennt ihn den "reitenden Vogelförster". Michael Hoffmann ist oft mit seinem Pferd unterwegs durch den Burgwald. Vor allem, um das Vogelvorkommen zu kartieren. Den nur spatzengroßen Sperlingskauz oder auch einen brütenden Uhu im Steinbruch - Michael Hoffmann ist Experte für die gesamte Vogelwelt im Burgwald. Vom Sperlingskauz kennt er hier 40 Brutpaare.

Nirgendwo sonst in Hessen gibt es so viele Brutbäume. Die Bäume, die der Vogelförster entdeckt hat, werden mit einem "H" ausgezeichnet. Das H steht für Habitat, also Lebensraum. Dieses schützt den Baum und damit auch die kleinste Eule hierzulandevor der Motorsäge.

Sorgfältig geheim halten Vogelkundler die Horste einer anderen Spezies: die des Schwarzstorchs. Schon bei der geringsten Störung fliegen die Altvögel den Horst nicht an, die Brut wäre gefährdet. Im Burgwald und dem oberen Edertal gibt es inzwischen wieder eine ganze Reihe bestätigter Bruten.

Weitere Informationen

Weitere informationen

Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG)
Michael Hoffmann
Telefon: 06458 - 50 90 42
Infos unter: www.hlnug.de/themen/naturschutz/schutzgebiete/natura-2000/vogelfoerster

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Die Moore und die Aktionsgemeinschaft "Rettet den Burgwald"

Eins vor allem macht den Burgwald im Westen Hessens zu etwas ganz Besonderem: sein Reichtum an Mooren. Sie sind einzigartige Lebensräume für seltene Pflanzen, Insekten und Amphibien. Wie Bänder ziehen sich die Moore  durch die Waldtäler. Während andernorts die Moore schwinden, melden die Biologen aus dem Burgwald Wachstum. Ein Erfolg der Schutz-Aktivitäten: Baumbewuchs wird abrasiert, wenn er zu viel Wasser zieht, die Förster wählen die Neubepflanzung danach aus.

Ein Moor im Burgwald aus der Vogelperspektive aufgenommen.
Der Burgwald ist eine der wenigen Regionen, die ein Moor-Wachstum vermelden kann. Bild © hr

Die Arbeit der Moorexperten trägt nach wenigen Jahren schon Früchte: Bärlapp, Sonnentau und Wollgras, die typischen Moorpflanzen haben sich wieder eingestellt. Das wirkt gegen den Klimawandel. Denn in den dicken Moorschichten aus Moosen  wird das Klimagas CO2 quasi festgehalten, eingebaut in pflanzliche Substanz. Wächst das Moor also, wird immer mehr Kohlendioxid aus der Atmosphäre entnommen. In den Mooren der Welt  ist mehr CO2 gebunden als in allen Wäldern. Leider funktioniert das auch andersrum: werden Moore trockengelegt - zur Torfgewinnung oder für die Landwirtschaft - wird das Klimagas freigesetzt. 

Für den Schutz des Waldes setzt sich seit 40 Jahren auch die Aktionsgemeinschaft "Rettet den Burgwald" ein. Gegründet gegen die Planungen einer Trasse der Autobahn 4 in den Siebzigern, kümmern sich die Naturaktivisten seither um alle Belange zu seinem Schutz. Sie bauenzum Beispiel alte Drainagegräben zurück, damit das Wasser sich wieder ausbreitet und die trockengelegten Flächen wieder vernässen, sie renaturieren vom Menschen genutzte Wiesen und legen Streuobstgehölze an. Engagement seit über 40  Jahren, um den Burgwald als Naturraum zu erhalten.

Der Burgwald ist aber auch Wirtschaftswald - mit allen Problemen, die der Klimawandel mit sich bringt. Die Trockenheit macht dem Wald zu schaffen, Sturmschäden binden viele Arbeitskräfte. Die Förster stehen vor der Herausforderung, mit naturgemäßer Waldwirtschaft den Wald sturmfester zu machen.

Weitere Informationen

Weitere informationen

Aktionsgemeinschaft "Rettet den Burgwald"
Binge 8
35083 Wetter (Hessen)
Telefon: 06423 - 35 83
E-Mail: ag-burgwald@web.de
Infos unter: www.ag-burgwald.de

Arbeitseinsätze finden im Normalfall jeden ersten Samstag im Monat statt. Bei Interesse kann man sich melden bei: Lothar Feisel (06423 - 77 63) und Uwe Lenz (06423 - 44 71). Die AG trifft sich meist um die Mittagszeit für drei bis vier Stunden. Für Verpflegung wird gesorgt.


Hessen Forst
Forstamt Burgwald
Forstamtsleitung: Eberhard Leicht
Wolkersdorfer Straße 81
35099 Burgwald
Telefon: 06451 - 72 08 0
E-Mail: ForstamtBurgwald@forst.hessen.de

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Die Herrenbänke und andere Steine

Nur wenige Wälder in Hessen sind wie der Burgwald nahezu unzerschnitten durch große Verkehrsadern. Ein Meer aus Bäumen, in dem vor allem Kiefern dominieren. Schnurgerade verläuft darin noch  die historische  Verbindung zwischen zwei längst verfallenen Jagdschlössern der Landgrafen. Der "Herrenweg" ist heute als Wander- und Radstrecke beliebt. Und war vor Jahrzehnten Schauplatz eines kleinen Kriminalfalls. Tonnenschwere Sandsteinbänke - noch aus landgräflicher Zeit - waren über Nacht verschwunden. Einfach geklaut. Mit den alten Techniken hat Hessenforst jetzt neue bauen, aufstellen und deutlich besser befestigen lassen als die alten von 1610.

Nahaufnahme des Gedenksteins für Hans Ross.
Um Hans Ross ragen sich einige Mythen im Burgwald. Bild © hr

Zum Burgwald gehören viele alte Geschichten, die es Forstamtsleiter Eberhard Leicht besonders angetan haben. Eine der bekanntesten ist die von Hans Ross. Ein Wanderweg trägt seinen Namen und ein Sandstein erinnert an sein Schicksal. Der Förster soll 1676 von Wilddieben erschossen worden sein. Nach dem Dreißigjähriger Krieg war es hier ganz schön gefährlich. Wie bei anderen mischen sich auch bei der Geschichte vom Förstermord Wahrheit und Legende. Eine Version besagt, dass drei Raben ihn morgens gewarnt haben, er diese Warnung missachtete und dann zu Tode gekommen sei. Mehr als 50 Gedenksteine im  Burgwald erinnern an Morde, Unfälle oder Angriffe. Viele liegen versteckt, alle sind geheimnisvoll .. so wie die Geschichten dahinter.

Auf den neuen alten Herrenbänken können Wanderer jetzt wieder so gut rasten wie damals, als die Jagdhelfer noch mit Kutschen über den Herrenweg von einem Jagdschloß zum anderen eilten. 

Weitere Informationen

weitere Informationen zum wandern im Burgwald

Infos unter: www.region-burgwald-ederbergland.de/tourismus
Infos unter: www.wanderkompass.de/Deutschland/Burgwaldpfad
Infos unter: www.outdooractive.com/de/wanderung/waldecker...burgwald.../1372847/
Infos unter: www.ich-geh-wandern.de/hessen-extratour-franzosenwiesen-burgwald

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Der Christenberg

Christenberg Burgwald
Die Martinskirche ist eine der ältesten erhaltenen Kirchen der Region. Bild © hr

Ganz im Westen des Burgwalds liegt der Christenberg. Fast 400 Meter hoch, mit Resten keltischer und fränkischer Festungen und mit der weithin sichtbaren Martinskirche mit ihrer 1000-jährigen Geschichte. Die Bürger von Münchhausen im Tal beerdigen heute noch ihre Toten auf dem Christenberg. Hier kann man auch einkehren und von der Terrasse aus den Blick ins Edertal und bis zum Rothaargebirge genießen.

Weitere Informationen

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Waldgasthaus Christenberg
Christenberg 3
35117 Münchhausen
Telefon: 06457 - 368
Infos unter: www.waldgasthaus-christenberg.de

Öffnungszeiten:
Mittwoch bis Sonntag von 11:30 bis 21:00 Uhr
Montag und Dienstag Ruhetag (ausgenommen Feiertage)

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Edelkrebse für den Burgwald

Ein burgwälder Edelkrebs in einem Eimer.
In den Mooren des Burgwalds haben die heimischen Edelkrebse gute Chancen zu überleben. Bild © hr

In der Wettschaftsaue im Burgwald verfolgt der Biologe Christoph Dümpelmann ein Projekt mit Edelkrebsen.  Aus ehemaligen Fischzuchttteichen will er einen wertvollen Lebensraum schaffen und damit auch Nahrung für die seltenen Schwarzstörche ranschaffen. Die Krebse dafür holt er aus einem alten Kiesteich südlich des Burgwaldes. Das Problem: dort wie auch an vielen anderen Orten wird der heimische Edelkrebs durch eingeschleppte amerikanische Signalkrebse verdrängt, die sehr aggressiv sind. Bei einer Fangaktion  im Kiesteich kommen auf 1.500 Signalkrebse gerade mal 11 Edelkrebse! Genau die aber werden dann im Burgwald wieder ausgesetzt. Hier haben sie eine Chance zu überleben, denn amerikanische Signalkrebse gibt es in der Wettschaftsaue nicht.

Weitere Informationen

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Flusskrebsforum
E-Mail: forum.flusskrebse@umweltbuero.at
Infos unter: www.forum-flusskrebse.org

Für die Region Marburg / Lahn:

Christoph Dümpelmann
Büro für Fischbiologie und Gewässerökologie
Zeppelinstraße 33
35039 Marburg/Lahn
Telefon: 06421 - 44 079
E-Mail: vimbavimba@web.de

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Ein Film von Eckhard Braun und Sabrina Kurth
Sendung: hr-fernsehen, "Erlebnis Hessen", 08.01.2019, 20:15 Uhr