Es ist keine Übertreibung, vom "Fachwerkland Hessen" zu sprechen. Denn mehr als in anderen Regionen prägt das Fachwerk hierzulande das Bild der Städte und Dörfer. Vom 800 Jahre alten Fachwerkhaus-Ensemble, das in Romrod bei Ausgrabungen gefunden wurde, bis hin zu den Wolkenkratzern in Frankfurt spannt sich der Bogen dieses genialen Konstruktionsprinzips vom Mittelalter bis in die Zukunft.

Touristen aus aller Welt sind verzaubert vom Charme der historischen hessischen Fachwerkstädte. Wer sich die Häuser in Limburg, Marburg, Alsfeld oder Eschwege anschaut, wird besonders am Dekor feststellen können, welcher gesellschaftlichen Schicht oder religiösen Gemeinschaft ihre damaligen Bewohner angehörten - ob Patrizier, Kaufleute oder Handwerker, sie alle haben mit der unterschiedlichen Gestaltung ihrer Häuser ihre Zugehörigkeit nach außen demonstriert.

So beliebt die Häuser auch bei Touristen sein mögen: immer weniger Einheimische wollen in ihnen wohnen. Fachwerkhäuser sind zumeist klein, krumm und schief, haben niedrige Decken und oft einen hohen Sanierungsbedarf. Etwa 400.000 Fachwerkhäuser gibt es in Hessen, aber etliche, besonders in kleineren Ortszentren, stehen bereits leer.

Doch es gibt interessante Sanierungs-Ideen, wie die Fachwerk-Akademie im nordhessischen Grebenstein, in der Bauherren den richtigen Umgang mit der alten Bausubstanz erlernen sollen, oder Beispiele für gelungene private Sanierung wie in der Innenstadt von Limburg.

Anregungen gibt auch das Freilichtmuseum Hessenpark, wo Fachwerkhäuser aus verschiedenen Regionen ein "Asyl" gefunden haben. Fachwerk ist aber nicht nur ein Bauelement mittelalterlicher Häuser, sondern auch ein noch heute viel genutztes Konstruktionsprinzip, etwa beim Bau von Hochhäusern und modernen Brücken.