Deutschrap ist gerade echt angesagt. Und da preschen jetzt auffallend viele junge Frauen vor wie die Frankfurterin Alyssa. Ihre Musik ist zwar nicht weniger provokativ, aber erfrischend anders und beseelt von ihrer Liebe zu 90's HipHop, Funk, Soul, Jazz und House. Was sagt Deutschrap über unsere Zeit aus? Und wie hat sich deutsche Musik seit den 1950ern bei uns entwickelt? Die Vielfalt ist jedenfalls groß. - Ein Blick auch in die Musikszene Hessen.

"Soundtrack Deutschland" – Was Songs über unsere Gesellschaft verraten

Gibt es eine DNA der Musik von 1945 bis heute? Mit dieser Frage haben die FAZ-Journalisten Martin Benninghoff und Oliver Georgi über 20 international bekannte Sängerinnen und Sänger aus Deutschland besucht. Sie wollten herausfinden, welche Themen die Menschen bewegt: Heimatgefühle, die Sprache, die Wiedervereinigung und das Erstarken von Fremdenhass. Heraus kamen 23 sehr persönliche Interviews, die einen spannenden Einblick geben in die deutsche Seele. Denn Musik – so eine These der beiden Autoren – ist ein Spiegelbild unserer Befindlichkeiten.

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Martin Benninghoff und Oliver Georgi
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Mit Heino sprachen sie darüber, wie viel Kommerz im Schlager steckt. Mit Judith Holofernes von der Band "Wir sind Helden" redeten sie über Schubladendenken und Geschlechterrollen in der Musik. Und mit Klaus Meine von den "Scorpions" ging es um deutsche Piefigkeit und die Frage, warum man als international erfolgreicher Künstler in der eigenen Heimat nicht akzeptiert wird.

23 Gespräche, verschiedene Genres: vom Schlager über Rock und Techno bis hin zur erfolgreichsten Musikgattung der heutigen Zeit: dem Deutschrap. Und die alles verbindende DNA? Die zeigt sich laut dem Autoren-Duo vor allem durch eine wiedergewonnene Leichtigkeit im Umgang mit der deutschen Sprache. Denn während nach dem Krieg das Singen auf Deutsch für viele verpönt war und man sich erst langsam der eigenen Herkunft wieder annähern musste, würden junge Künstlerinnen und Künstler heute ganz unverblümt mit der deutschen Sprache spielen. Und dabei immer wieder neu verhandeln, was es heißt, deutsch zu sein.

"hauptsache kultur" hat die beiden Buchautoren getroffen und mit ihnen eine Zeitreise durch die letzten sechs Jahrzehnte deutsche Musikgeschichte gewagt.
Bericht: Simon Broll

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Buch

Martin Benninghoff und Oliver Georgi: "Soundtrack Deutschland: Wie Musik made in Germany unser Land prägt"
Edition Michael Fischer / EMF Verlag; November 2020"

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Female power rules – wie Frauen den Deutschrap aufmischen

Harte Beats, harte Sprache und Gangsta-Gehabe: Der Deutschrap als Genre ist immer noch eine Männerdomäne. Künstler wie Cro, Bausa und Kollegah laufen trotz fragwürdiger Texte auf sämtlichen Radiosendern rauf und runter. Frauen, die auf Deutsch rappen, hört man da kaum. Dabei mangelt es in der Hip Hop-Szene gar nicht an weiblichen Vertreterinnen.

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Frau lächelt in Kamera
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"Der dümmste Kommentar, den ich einmal bekommen habe, warum Frauen im Hip Hop angeblich nichts verloren haben, ist, dass es genetisch bedingt ist, dass Frauen nicht rappen können," sagt Lina Burghausen, Mitbegründerin von 365XX – einem Rap-Label nur für Frauen.

Im letzten Jahr konnten vor allem weibliche MCs mit Klicks und Followern beeindrucken wie Nura, Juju, Schwester Ewa oder Haiyti. Ist die Zeit gekommen für eine neue Rap Kultur? Gehört die Zukunft des Deutschrap vielleicht sogar den Frauen?

Frau lächelt in Kamera

Eine junge Künstlerin aus Frankfurt, die sich aufmacht die HipHop-Szene zu erobern, ist Alyssa. Sie macht Musik, die beseelt ist von der Liebe zu 90's HipHop, Funk, Soul, Jazz und House. Schon als Kind verfasste sie Gedichte, im Laufe der Zeit wurden daraus Songtexte. Es geht um Sex, Liebe, komplexe Beziehungen und Social Media Hypes. Mit ihren Themen zwischen Selbstreflexion und female empowerment trifft Alyssa den Lebensalltag vieler junger Menschen. Und sie schießt auch mal zurück gegen das andere Geschlecht. Doch bei aller Direktheit steckt in ihren Texten immer auch poetische Kraft. Eine Mischung, von der das HipHop-Genre gut etwas mehr vertragen kann.
Bericht: Wero Jägersberg

Wie zwei Musikproduzenten aus Wetzlar einen Chart-Hit schrieben

"Head, Shoulders, Knees and Toes" – was an ein Lied aus der Kindheit erinnert, ist der Titel eines Songs, der europaweit Erfolge feiert. Und der kommt nicht aus Berlin, London oder Los Angeles - sondern aus Wetzlar.

zwei Männer

Geschrieben haben ihn die zwei Musikproduzenten Janik Riegert und Josh Tapen. "Quarterhead" nennen sie sich. Seit dem Abitur schreiben die beiden Songs. Ihre Musik ist vielfältig. Von Deep-House über Elektro bis zu Pop-Songs – sie haben schon viele Produktionen an den Start gebracht. "Head, Shoulders, Knees and Toes" ist bisher aber ihr Erfolgreichster. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in Frankreich, Rumänien und Österreich war er in den Single-Charts. Auf Spotify wurde der Titel über 100 Millionen Mal gestreamt. Hauptsache Kultur hat die zwei Songwriter aus Wetzlar getroffen.
Bericht: Sophia Luft

Von Kinderliedern, die fast keine sind – wie Fredrik Vahle die Revolution in die Kindermusik brachte

"Da flog sie, o Pardon, auf dem Besenstiel davon…" So ist sie, diese Anne Kaffeekanne, lässt sich von niemandem was vorschreiben und pocht auf ihre Freiheit. Sie ist die Hauptfigur in einem der bekanntesten Lieder von Fredrik Vahle. Er: 78 Jahre alt, kommt prima ohne  Internet zurecht und ist einer der großen deutschen Kinderliedermacher. Seine Lieder: teilweise Jahrzehnte alt und noch immer aktuell. Sie haben Generationen geprägt – erst auf Schallplatte, jetzt via YouTube, Toniebox und Musik-Streams.

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Porträt
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Fredrik Vahles Lieder sind keine Mainstream-Kindermusik. Er packt auch kritische Themen an, die in anderen Kinderliedern nicht vorkommen: soziale Ungleichheit, Ausländerfeindlichkeit, Kapitalismuskritik. Und bringt damit einen revolutionären Geist in die Kindermusik. Die Figuren, die er erschaffen hat, sind frei, stark, selbstbestimmt. Ein bisschen Pippi Langstrumpf in Liedform. Für seine Verdienste in der "Entwicklung des neuen Kinderlieds" wurde Fredrik Vahle das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen, er ist Mitglied im PEN-Zentrum, einer Schriftstellervereinigung, die sich für die Freiheit des Wortes einsetzt, und er lehrt als außerplanmäßiger Professor für Germanistik an der Uni Gießen. Hauptsache Kultur trifft den Kinderliedermacher in seinem in Salzböden und erfährt, warum Kinder auch nach mehr als 45 Jahren noch sein liebstes Publikum sind.
Bericht: Daniela Möllenkamp

Alyssa – Power-Frau mit Attitüde

Frau auf Bühne

Mit ihrer lässigen Art und eine Priese spielerischer Arroganz gehört sie zu den heißesten Newcomerinnen der deutschen Hip-Hop-Szene: Alyssa. Das ist eine junge Musikerin aus Frankfurt mit philippinisch-italienisch-spanischen Wurzeln. Ihre Musik ist beseelt von der Liebe zu 90's HipHop, Funk, Soul, Jazz und House. Schon als Kind verfasste sie Gedichte, die im Laufe der Zeit Songtexten wurden. Im Oktober letzten Jahres hat sie ihre erste EP "Neu" veröffentlicht, auf der sie beweist, dass sie nicht nur rappen kann, sondern über großes Gesangstalent verfügt. In ihren Liedern geht um Sex, Liebe, komplexe Beziehungen und Social Media Hypes. Mit ihren Themen zwischen Selbstreflexion und female empowerment trifft Alyssa den Lebensalltag vieler junger Menschen, vor allem Frauen, die sich in den frauenverachtenden Texten der männlichen Vertreter nicht wiederfinden können. Alyssa steht für Female Power und Selbstbewusstsein und schießt als Rapperin auch mal süffisant zurück gegen die Homies. Doch bei aller Direktheit steckt in ihren Texten poetische Kraft. Man fühlt sich von ihr direkt in den Bann gezogen. Weshalb wir sicherlich noch viel von ihr hören werden.

Weitere Informationen

Moderation: Cécile Schortmann
Redaktion: Dorothee Ott, Juliane Hipp

Unsere nächste Sendung ist am Donnerstag, 21.01.2021, 22:30 Uhr!

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Sendung: hr-fernsehen, "hauptsache kultur", 14. Januar 2021, 22:30 Uhr