Severin Groebner

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zum Video Der Humorist Severin Groebner – wie man mit Wiener Schmäh den Weltuntergang überlebt

Severin Groebner ist gebürtiger Wiener, lebt seit zehn Jahren in Frankfurt und ist – so könnte man sagen - der erfolgreichste österreichische Humor-Export. Der vielfach preisgekrönte Bühnen-Satiriker, Zeitungs- und Radio-Kolumnist singt zur Elektro-Ukulele, poltert, albert und lässt zeitgeistigen Bläh-Sprechern die Luft ab.

Weitere Informationen

Buch:
Severin Groebners Lexikon der Nichtigkeiten, Ein Rundumschlag für Zeitgenossen, satyr Verlag, 1. Auflage Okt  2018

Auftritte:
"Der Abendgang des Unterlands":
Nächste Tourdaten in Rhein-Main:
Die KÄS – Kabarett-Theater Frankfurt, 26.10.2018, 20.00 Uhr
Stahlburg Theater, Frankfurt, 12.11.2018, 20.00 Uhr
Theater am Park, Bad Nauheim, 01.12.2018, 20.00 Uhr

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Severin Groebner nennt sich selbst "Humorist". "Da ist der Komiker drin, der Satiriker. Alles was, mit Humor zu tun hat, ob Grimmassen oder Gesten, und dann versuche ich, die Leute auch mit fein ziseliertem Wort zum Lachen zu bringen. Also, wenn ich Heimat definieren müsste. Dann würd ich sagen: Heimat ist exakt jene Gegend, die mit zunehmender Distanz immer schöner wird.", sagt er lachend.

"Man kann sich mühelos durch die ganze Welt essen"

Groebner lebt mit Frau und Kind im Frankfurter Ostend, im Schatten der Europäischen Zentralbank; - ein Stadtviertel der Kontraste: "Frankfurt hat etwas sehr Unromantisches, wie ich finde, was viele Leute abschreckt. Manche mögen das nicht. Aber ich mag es, wenn die Schnitte hart sind. Hier die EZB, da wird hoffentlich gut auf unsere Währung aufgepasst -, und gegenüber ist, wie man das in Wien nennt, der 'Arbeiterstrich'. Arme bulgarische oder rumänische Bauarbeiter, die hoffen, hier für einen Hungerlohn einen Job zu finden."

In der Großstadt findet er viele Anregungen für seine Arbeit. "Ich hab mir Frankfurt ausgesucht, weil hier die ganze Welt zusammenkommt. Weil sich hier Kulturen begegnen. Hier findet Integration statt. Und man kann sich mühelos durch die ganze Welt essen."

Das geht mal mongolisch, mal finnisch oder auch österreichisch. Ein kleines Stück Wiener Heimat. "Ich bin bei der Küche ein großer Patriot... Ich hätte gern ein Achtel von dem Wagram. – Und noch ein Wässersche dazu. Gern – Danke!"

"Wenn weltuntergangs­technisch noch Zeit is, dann red' mer übern Nachtisch!"

In Wiener Kneipen macht Severin Groebner erst Rockmusik, singt auch Lieder zum Klavier. Und im "Niedermair" spielt er Mitte der 1990er Jahre sein erstes Solo-Kabarettprogramm. Er bekommt die wichtigsten österreichischen und deutschen Kleinkunstpreise. In Frankfurt tritt er regelmäßig im Stalburg-Theater auf.

"Der Mann macht ein richtig geiles Kabarett. Und er hat sich von Jahr zu Jahr ständig weiterentwickelt. Das sage ich nicht über jeden. Es macht wirklich Spaß, diesem jungen Mann bei seiner Arbeit zuzusehen", sagt Stalburg-Betrieber Michael Herl über ihn.

Eine Szene aus dem "Weltuntergang": "Wenn der Deutsche hört, es ist Weltuntergang, dann: jetzt aber Butter bei die Fische, schnell was organisieren, wir gründen eine Behörde, müssen wir noch jemanden umbringen? Flott, flott, flott! - Der Wiener dagegen sagt sich: Es is a Dilemma. Mei, wir werden bald draufgehen. Aber i werd des jetzt net ändern. I trink no a Achtel. Vom Guten. Bestelln wir uns doch erst noch ein Kaiserfleisch mit Petersilien-Erdäpfln. Und wenn weltuntergangs­technisch noch Zeit is, dann red' mer übern Nachtisch!"

"Zuständig für Intoleranz und Trinkfestigkeit"

Sein jüngste Soloprogramm heißt "Der Abendgang des Unterlands". Es geht darin um Leute, die Angst vor dem Untergang des Abendlandes schüren. Und  die glauben, auf schwierige Fragen sehr einfache Antworten geben zu können. Österreich hat da in den letzten Jahren so seine Erfahrungen gesammelt:

"Also, das Problem bei den rechtspopulistischen Parteien ist, dass sie es grundsätzlich sehr gut schaffen, den sogenannten Diskurs zu kapern. Das ist das erste, was sich verändert, bevor sie in der Regierung sitzen. Ob Bildungs- oder Gesundheitspolitik oder Infrastruktur. Es kommt die rechtspopulistische Partei und sagt: ja die Ausländer! Die Ausländer sind Schuld an den kaputten Schulen", so Groebner.

Eine Szene aus dem Stück "Identität": "Also meine Großeltern waren lupenreine Nazis, echte Österreicher: meine Großmutter aus dem Allgäu, der Großvater Rumäne … Und mein Ur-Urgroßvater war französischer Besatzungssoldat, eigentlich ein Kelte, aber Ulan aus Ungarn, aber eigentlich aus Schlesien. Also gab es einen polnischen Zweig in der Familie. Und der ist zuständig für Intoleranz und Trinkfestigkeit."

"Werden Sie Ameise!"

In der Frankfurter Satire-Kneipe "Henscheid" liest Groebner aus seinem neuesten Buch, dem "Lexikon der Nichtigkeiten". Er hat darin Kolumnen verarbeitet, die er für die Wiener Zeitung oder fürs Radio geschrieben hat. Ein Rundumschlagwerk von A wie Abendland bis Z wie Zuwanderung. "Was Kultur ist, was Abendland, oder die Zukunft ist oder das Volk, das weiß keiner so genau. Jeder hat einen fixen Begriff davon im Kopf. Aber den hat halt nur er oder sie", so Groebner.

Mit seinem Spiel und seinen Texten, setzt Severin Groebner eigene Definitionen dagegen – das ist sein humorvoller Appell – gegen Klischees und festgefahrene Ansichten:

Eine Szene aus "Identität: "Es gibt Menschen, die wollen einen Staat haben, wo alle gleich aussehen. Und die einen haben, der sagt, wo’s langgeht. Denen kann man nur raten: Werden Sie Ameise!"

Bericht: Arne Kapitza

Sendung: hr-fernsehen, "hauptsache kultur", 25.10.2018, 22:45 Uhr