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zum Video Geschichten erzählen mit Bildern - Die Illustratorin Eva Feuchter

Sie galt lange Zeit als reine Text-Ergänzung. Als Bild, das der Schrift erläuternd "beigegeben" wird. Das alleine für sich nicht stehen kann. Zum Glück ist das jetzt vorbei. Illustrationen werden endlich als eigenständige Kunstrichtung entdeckt. Und dass ihre eigenen Bilder Kunst sind, davon ist Eva Feuchter inzwischen selbst auch überzeugt.

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Buchtipp

Frankfurt für Anfänger
Verlag Edition Frankfurt Ansichten, 2018

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Ein uraltes Kunsthandwerk: Die Illustration: "Durch diese Abstraktion hat es sowas Ansprechendes, womit man die Leute leicht erreichen kann, das ist zugänglich", sagt die Illustratoirn Eva Feuchtner.

Trotzdem ist das, was  Eva Feuchter zeichnet, keine Illustration im üblichen Sinne. "Ich will halt, dass wenn jemand die Bilder sieht, dass man sich da reingezogen fühlt…das man da ankommt im Bild", sagt sie.

Eva Feuchter kreiert Bilder, die für sich alleine stehen und die voller Geschichten stecken. Ihre Motive findet die 27-Jährige, indem sie durch die Straßen zieht und schaut was passiert: "Also wenn ich das Gefühl habe, ich bin hier an einer besonderen Stelle in der Zeit und kann mir vieles dazu vorstellen, wenn mich das inspiriert, was ich sehe und denke ohh, cool, in dem Haus, was da wohl für Menschen wohnen, was passiert hier in dieser Stadt..das ist das Spannende für mich!"

Ein anderes Türkeibild

Ghost Town  - die Serie realisierte sie während eines längeren Aufenthaltes in Istanbul. Eva Feuchter mischt dabei dramatische und klare Elemente mit hellen, freundlichen Farben. Gegensätze? Nein, sagt sie.  

Auch ein Buchprojekt ist entstanden, über das Leben in der Stadt am Bosporus, jenseits der aktuellen Berichterstattung. "Das einzige, was wir in den Nachrichten über die Türkei hören, ist halt nur noch die politische Seite, Demonstrationen und Menschenrechtsverletzungen und das ist total wichtig zu wissen und Dinge, die da passieren. Aber auf die lange Sicht haben wir nur noch das eine Türkeibild von einem Land, wo man nicht mehr hingeht, mit dem man nichts zu tun hat und sich von den deutsch-türkischen Leuten, die in Deutschland leben, immer mehr distanziert. Und mit dem Projekt ging es eigentlich darum, dass man sagt, okay..das gibt’s, es gibt aber auch noch den Alltag, der total unter geht", so die Illustratorin. 

Es war eine Art Undercover-Mission erzählt sie, denn auf offener Straße konnte sie mit dem Fotoapparat nicht fotografieren. Also zog sie mit dem Handy los und machte faszinierende Entdeckungen, wie etwa Katzenhäuser. "Die Bevölkerung gibt sich total viel Mühe diesen Katzen ein Zuhause zu bieten, obwohl sie auf der Straße leben."

Das Dorf in Frankfurt

Ihr jüngstes Projekt "Frankfurt für Anfänger". Das Buch hat sie illustriert und nahm dafür die Mainmetropole ins Visier. "Frankfurt ist extrem kontrastreich, das ist mir damals auch als erstes aufgefallen. Ich mochte Frankfurt auch erst nicht…ich kannte es aber auch nicht", so Feuchter.

Während zahlreicher Touren durch die Stadt hat sich das geändert. Außerdem liebt sie Stadtleben, sagt sie. Weil sie aus einem kleinen verschlafenen Dorf stammt, in dem nie etwas los war. Doch genau der dörflichen Charakter ist es, der sie auch an Frankfurt fasziniert: "Und auch wie das hier aussieht mit den Pflanzen, das wollte ich bei dem Bild auch rüberbringen, weil das Dörfliche dann auch das Natürliche ist und ich finde das kommt bei dem Haus gut rüber – das steht halt im Kontrast zu dem urbanen Teil von Frankfurt."

"Sagen wir mal so, ich werde davon leben"

Gegensätze – vielleicht wie in ihren Bildern? Eva Feuchter zeichnet vier bis fünf Skizzen, bevor sie zu malen beginnt. Fast 30 Stunden arbeitet sie an einer so aufwändigen Illustration. Dabei kombiniert sie präzise Handarbeit mit Computertechnik. Eine Kunst!

In den vergangenen Jahren hat die Illustrationskunst sehr an Aufmerksamkeit gewonnen, doch finanziell macht sich das bei Eva Feuchter nicht bemerkbar: "Sagen wir mal so, ich werde davon leben – weil das mein Beruf ist. Ob ich dann jeden Monat meine kompletten Ausgaben durch gemalte Bilder bezahlen kann, ist die andere Frage", sagt sie.              

In Frankreich, Italien oder Japan haben Illustrationen längst einen ganz anderen Stellenwert als bei uns. Woran liegt das? "Die Anerkennung fehlt, insofern als dass viele Menschen davon ausgehen, dass man es hobbymäßig macht und es da auch nicht bezahlt werden muss, weil man es ja so wieso gerne macht. Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, wie es ist in einem Land zu leben, wo es mehr anerkannt wird, keine Ahnung", sagt sie lachend.              

Wird Zeit, dass sich das ändert. Eva Feuchters Arbeiten hätten mehr Anerkennung verdient....

Beitrag: Dorothea Windolf

Sendung: hr-fernsehen, "hauptsache kultur", 30.08.2018, 22:45 Uhr