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zum Video Namika - Popstar aus Frankfurt

Sie ist 27 Jahre alt, hat 105.000 Follower auf der Internetplattform Instagram – und ihr Hit "Lieblingsmensch" hielt sich 43 Wochen auf Platz 1. Doch ist das wirklich "Alles was zählt" über die Sängerin Namika?

Im gleichnamigen Song, erschienen auf ihrem neuen Album, kritisiert die Frankfurterin, dass heutzutage immer alles in Zahlen gefasst und ausgewertet werden muss. Deshalb nimmt die Deutsch-Marokkanerin "hauptsache kultur" mit zu den Orten in ihrer Heimatstadt, die für sie wirklich zählen.

Kaum eine Musikerin hat in Deutschland derzeit so viel Erfolg wie sie: Ihre Songs gelangen sofort in die Charts, ihre Tourneen – ausverkauft. Wer ist diese junge Frau? Was sind die Dinge, die im Leben für sie zählen?„Ich hatte das Glück, dass ich relativ früh wusste, was ich machen möchte in meinem Leben. Also, für immer. Und für mich war es immer Musik", sagt Namika

Namika heißt eigentlich Hanan Hamdi und ist in Frankfurt geboren. In Goldstein am Stadtrand lebte sie, bis sie 15 Jahre alt war - in einer Zwei-Zimmer-Wohnung mit Mutter, Stiefvater und Bruder.„Hier hat alles angefangen. Ich war ewig nicht mehr hier, das ist auch für mich so eine kleine Zeitreise zurück. Das war das Schlafzimmer und wir hatten zwei, drei Betten drin […]. Ganz am Fenster hatte ich noch eine kleine Ecke für meinen Schreibtisch. Und da habe ich angefangen, Texte zu schreiben“, erinnert sich die 27-Jährige.

Das Leben mit zwei Kulturen

Namika kennt das Leben mit zwei Kulturen. Ihre Eltern stammen aus Marokko. Bei Besuchen in Nordafrika ist sie aber „die Deutsche“ - und in Deutschland fühlt sie sich oft reduziert auf „die Marokkanerin“. „Dieses Dilemma habe ich irgendwie noch nicht so wirklich gelöst. Aber ich glaube, ich habe eine Vorab-Antwort darauf: Zu Hause ist da, wo dein W-Lan ist. Und das ist Frankfurt am Main. Ja, ich sehe mich als beides. Ich bin Deutsche, aber ich bin auch Marokkanerin. Und ich sehe keinen Grund, warum ich das Eine oder das Andere irgendwie verleugnen sollte.“

Namika wächst bei ihrer Mutter und den Großeltern auf – ihren Vater lernt sie nie kennen. Seine Geschichte offenbart sie auf ihrem neuen Album, einem Album mit sehr persönlichen Texten. Im Song „Ahmed“ rappt sie darüber, wie ihr Vater verschwindet und wegen Drogendealerei im Gefängnis landet.

"Später erfahren wir, dass er vor Jahren abgeschoben wurde
Sitzt die Haftstrafe ab in 'nem Knast bei Nador
Wird entlassen mit der Diagnose Krebs.
Kommt auf die Idee, seine Familie wiederzusehen."

„In dem Song erzähle ich die Geschichte meines Vaters und dass er eben irgendwann mal verschwunden ist, als meine Mutter mit mir schwanger wurde. Ich habe ihn nie kennengelernt, weil er einfach viel zu früh verstorben ist“, so Namika.

Zwischen Tonstudio, Bühne und Handball

Das Musik machen hilft ihr damit umzugehen. Aber ihr Leben hätte auch ganz anders aussehen können: Statt Tonstudio und Bühne, - Profi-Handball! Die Carl von Weinberg-Schule, eine Eliteschule des Sports ist für die 27-jährige auch ein Ort, der für sie „zählt“. Hier trainierte sie früher bei der HSG Goldstein. Und heute darf sie mal wieder Schiedsrichterin sein. Zeitweilig spielte Namika in der 3. Bundesliga. Auch im Sport hätte sie es ganz nach oben schaffen können.

„Das war aber sehr, sehr anstrengend. Vor dem Unterricht, vor der ersten Stunde, bevor es in den Matheunterricht geht, erst mal zwei Stunden Handballtraining und das kann morgens echt anstrengend sein“, erinnert sich Namika.

Luwamm Habte spielte im selben Handballverein wie Namika. Bis heute sind sie enge Freundinnen. Sie verrät uns, welcher Spielertyp Namika war. „ Sie war eigentlich eher so der Typ Leader. Sie konnte schon viele mitreißen, was die Trainingsmoral und die Spieleinstellung anging […]. Sie war auch Mannschaftskapitän – und Vorbild für die meisten“, so Luwamm Habte.

Mit Disziplin Ziele verfolgen

Eine Frau also, die schon früh weiß, was sie will. Letzten Endes entscheidet sich Namika für die Musik. Was sie die Sportzeit lehrt: Mit Disziplin Ziele verfolgen. Nach dem Abi schafft sich Namika Equipment an und nimmt ihr eigenes Mixtape auf. Damals heißt sie noch „Hän Violett“ und rappt sich im Stil der 90er in die Herzen ihrer Youtube-Fans.

Dadurch wird Sony, (eines der größten Musiklabels), 2013 auf sie aufmerksam. Kurze Zeit später unterschreibt Hanan Hamdi ihren ersten Vertrag und wird zu „Namika“. „Das war ein sehr surreales Gefühl. Vor allem ich komme ja mehr aus dem Untergrund Hiphop, Rap. Da haben wir auch unsere ersten Schritte gemacht. Alles irgendwie selbst finanziert und es war ein sehr harter und steiniger Weg, um so ein Mixedtape auf die Beine zu stellen. Das klingt erst mal so leicht, aber das bringt sehr viel Verantwortung mit sich. Finanziell auch. Und auf einmal kam da ein Major-Label“, so Namika.

Mit „Lieblingsmensch 43 Wochen lang auf Platz 1

Mit dem Label wird ihr Sound gefälliger. Und sie – 2015 - auf einen Schlag berühmt: Ihr Song „Lieblingsmensch“ steht sagenhafte 43 Wochen lang auf Platz 1. Mit diesem stand sie jetzt auch auf der Bühne vor dem Brandenburger Tor - zur Feier der Deutschen Einheit. Ein Höhepunkt ihrer Karriere. Geerdet wird sie durch ihre Heimat: „Meine Familie und meine Freunde. Weil ich auch immer noch hier wohne und nicht weggezogen bin. Das Umfeld, in dem ich mich bewege, ist genau das von damals noch. Und deswegen habe ich mich glaube jetzt nicht großartig verändert.“

Hanan Hamdi aus Frankfurt hat sich ihren Traum erfüllt –als Namika ist sie heute eine der populärsten deutschen Sängerinnen. Auch wenn das nicht alles ist, was für sie zählt.

 „Ich glaub alles, was zählt, das kann man nicht zählen.“

Bericht: Christiane Schwalm

Sendung: hr-fernsehen, "hauptsache kultur", 01.11.2018, 22:45 Uhr