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zum Video Expressiv: Ramon A. John lotet im Hessischen Staatsballett seine Grenzen aus

Für einen Balletttänzer ist er eigentlich zu groß, seine Frisur erinnert an Yul Brunner und er ist entgegen dem Klischee vom schlanken Asketen ein Liebhaber süßer Nachtische. Ramon A. John wurde in Fulda geboren, er tanzte beim Saarbrücker Ballett, und nun ist der 28-jährige Solotänzer ein Star im Hessischen Staatsballett.

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Nächste Vorstellungen:
"Liliom"
Staatstheater Darmstadt, 14.03.19

Premiere im Hessischen Staatstheater Wiesbaden
30.03.19

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"Tanz bedeutet für mich eigentlich nur pure Leidenschaft. Ich hab als Kind angefangen zu tanzen in dem Wohnzimmer von meiner Großmutter, auf Disney-Musik, glaube ich, war das, und ja, seitdem habe ich nicht mehr aufgehört. Das war wirklich was, was ich wirklich selbst machen wollte", so Ramon.

Und so ist er einer der ausdrucksstärksten Tänzer Deutschlands geworden: Ramon A. John, 28 Jahre, engagiert beim Hessischen Staatsballett in Wiesbaden und Darmstadt. Sein Traumberuf bedeutet für ihn: Jeden Tag klassisches Training, dann noch Proben und abends oft noch Vorstellung.

Den Ausdruck für den Charakter finden

Aktuell tanzt Ramon John im Ballett "Liliom". Nach einem Theaterstück, in dem es um Menschen geht, die ein besseres Leben suchen und dabei scheitern. Gemeinsam mit dem Ballettdirektor loten Daniel, der die Titelrolle tanzt, und Ramon aus, mit welchen Bewegungen man die Spannungen in einer schwierigen Freundschaft darstellen kann. Neben der richtigen Technik muss Ramon John den passenden Ausdruck für seinen Charakter finden, den Bösen im Stück.

"Fixur wurde beschrieben als Ganove, als Gauner so ein bisschen. Er ist eigentlich der beste Freund von Liliom, stachelt ihn aber halt zu miesen Geschäften an, um einfach Geld zu verdienen, der kleine Teufel auf der Schulter. Im Buch ist er sehr schleimig beschrieben und deswegen gehen wir an die Figur ran wie schlangenmäßig und sehr gezogen", so Ramon.

Unterstützung durch Mutter und Oma

Als kleiner Junge schon probierte sich Ramon John gern in verschiedenen Rollen aus – in einer Showtanzgruppe. Seine erste Rolle: das Erdmännchen im Disney-Musical "Der König der Löwen". In Fulda ist er geboren und aufgewachsen, der Vater ein aus Trinidad Tobago stammender US-Soldat.

Seine Mutter und seine Oma haben ihn immer unterstützt. Auch als er mit fünfzehn Jahren beschließt, Berufstänzer zu werden. "Wenn einem das so Spaß macht und Freude macht, dann muss man das einfach durchziehen und nicht auf das hören, was andere sagen!", sagt er.

Den "Faust als bester Tänzer

So hat er diese starke Bühnenpräsenz entwickelt – die gerade bei modernem Tanz gefragt ist. Ein Erfolgsstück des Ensembles – "Sadeh21". Oder "Ein Sommernachtstraum", mit eher klassischer Choreografie. Auch als Solotänzer geht es darum, im Ensemble zu unterstützen.

Ramon John ist ungeheuer vielseitig, hat vor kurzem den "FAUST", den bedeutendsten Theaterpreis Deutschlands, gewonnen. Als bester Tänzer – für seinen Wanderer in "Eine Winterreise".  

Kein Verzicht auf Süßes

Jetzt ist aber mal Zeit, mit einem Klischee über Tänzer aufzuräumen – die halten nämlich nicht wirklich Diät. "Ich mag sehr gern Süßes. Muss immer und passt auch immer", gesteht er. Denn jede Aufführung ist ein Kraftakt. In dieser jungen aufregenden Companie, in der zeitgenössischer Tanz Spaß macht.

"Ich stoße oft an meine Grenzen"

Mit 15 erst hat Ramon in Frankfurt seine Ballettausbildung begonnen. Und eine Tänzerkarriere kann schon mit 40 vorbei sein: durch eine Verletzung beim Training oder in der Vorstellung oder wenn der Körper einfach nicht mehr mitmachen will. Und jeden Tag gilt es, nicht nur die Grenzen des Körpers zu überwinden.

"Oh, ich stoße oft an meine Grenzen, es ist schwierig, so offen zu bleiben auch, um Neues rein zulassen. Und da gibt es auch Sachen, die mag man gerne und dann kommt jemand Neues und sagt einem, es ist so besser, und sich dann da drauf einzulassen ist immer schwierig. Und da muss ich mir dann immer selbst sagen, das ist das Beste für mich, wenn ich einfach immer neue Impulse bekomme und da irgendwie was Neues rausfinden kann über mich selber", so Ramon.

Ramon A. John und sein Tanz – ganz besonders und ganz besonders intensiv.




Bericht: Dorothee Ott

Sendung: hr-fernsehen, "hauptsache kultur", 07.03.2019, 22:45 Uhr