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zum Video "Keine Angst vor dem dreigestrichenen f!" – Wie die Sopranistin Gloria Rehm als Königin der Nacht...

Mühelose Koloraturen und eine mitreißende Bühnenpräsenz – damit begeistert Gloria Rehm derzeit nicht nur die Presse, sondern auch die Zuschauer im Wiesbadener Staatstheater. Die Sopranistin singt hier die berühmte Rachearie der Königin der Nacht aus Mozarts "Zauberflöte", die Partie mit dem dreigestrichenen f.

Was für ein Duett! Gloria Rehm und ihre Mischlingshündin Lucie singen sich schon mal ein. "Ja, ja, die singt auch manchmal wirklich genau den gleichen Ton. Bezaubernd, ein gut trainierter Hund!", sagt sie lachend. Gloria Rehm ist die Entdeckung am Wiesbadener Staatstheater. Seit drei Jahren ist sie hier im Opernensemble engagiert. Als lyrischer Koloratursopran. Die können nicht nur außerordentlich hoch singen, sondern auch lachen.

 Ein Knochenjob: "Für mich ist eigentlich das Anstrengendste, die Probenzeiten und dann parallel Vorstellung haben mit hundert anderen Stücken, weil man eben doch Operette, Wagner, Königin der Nacht und Puccini hintereinander singen muss, und dann vielleicht noch Hänsel und Gretel, und dann hat man sich das so von der Konstitution her gelegt, dass man es dann super hinkriegt und dann wird die Kollegin krank und dann muss man doch irgendwie alles anders machen. Man geht schon ganz schön auf dem Zahnfleisch manchmal", sagt sie.

Geübt bis zum Umfallen

Die Rolle der "Marie" war eine ihrer größten Herausforderungen. Für ihre "Marie" in der Oper "Die Soldaten" gewann Gloria Rehm den begehrten Theaterpreis "Der Faust". Eine brave Bürgerstochter wird darin zur Soldatenhure. Zuschauer und Kritiker waren begeistert, mit Bravour hat sie diese extrem komplizierte Zwölftonmusik gemeistert.

"Ich habe die Partitur gar nicht mitlesen können am Anfang, aber irgendwann lernt man dann doch, die Struktur der Musik zu erkennen und auch wenn es ganz grausam ist eigentlich, ganz viel Lärm und so, aber je öfter man es hört, desto schöner wird es und desto mehr Struktur erkennt man und es ist auch eigentlich sehr gesanglich geschrieben, ich hab einfach geübt, bis ich umgefallen bin und irgendwann hatte ich's auswendig", so Rehm.

Durch Zufall in den Sängerberuf

Dabei war Opernsängerin gar nicht ihr Traumberuf. Geboren in Fritzlar und aufgewachsen in Berlin, hatte Gloria Rehm trotz Schulchor und Musical-AG erstmal andere Berufsvorstellungen. "Ich werde lieber Politikerin oder Diplomatin, zum Glück hab ich's nicht gemacht, sonst hätte ich längst 'ne Depression", sagt sie.

Nach dem Abitur arbeitete sie in einem Waisenhaus in Rumänien. Deshalb musste es auch ein rumänischer Straßenhund sein, als sie sich zu einem Vierbeiner entschloss. Zum Gesangsstudium kam Gloria Rehm dann durch Zufall.

"Ich habe eine Lehrerin beim Zeitungsaustragen kennen gelernt, die hat dann gesagt, hach, Du kannst das studieren, Du hast doch 'ne gute Stimme, das hab ich dann gemacht, und das hat bis jetzt ganz gut funktioniert. Und es macht auch viel Spaß, man lernt sehr viel über sich selbst, über andere Menschen, über das Leben, über Kunst, über Geschichte, über alles, Sprachen, sehr reichhaltig", sagt Rehm.

Bühnenpräsenz und vielseitige Stimme

Italienisch musste sie lernen, um Puccini singen zu können. Auch Musikgeschichte, Schauspiel und sogar Ballett waren Studienfächer. Denn Opernregisseure fordern schon lange immer mehr Körpereinsatz, gerade die weiblichen Rollen werden heute ausdrucksvoller in Szene gesetzt.  

Immer wieder loben Kritiker Gloria Rehm für ihre starke Bühnenpräsenz und die vielseitige Stimme. Die muss sie gut pflegen, lange Waldspaziergänge mit Lucie helfen dabei, gelassen und fit zu bleiben. Schon wieder Probe – Lucie ist es gewohnt, geduldig zu warten. Sport und Yoga – daraus schöpft Gloria Rehm ihre Kraft – besonders wichtig an Tagen, an denen sie morgens probt und abends noch auf die Bühne muss.

Erlaubnis, richtig wütend zu sein

Von weichen Tönen muss sie später in der Vorstellung der "Zauberflöte"  auf die hohen Koloraturen der Königin der Nacht umschalten, die mit dem dreigestrichenen f. Die Königsdisziplin für eine Sopranistin. "Es ist vor allem mal eine Herausforderung, die erstmal schön sauber zu singen und die fs zu treffen, weil es sind doch einige! Und jeder weiß, dass sie kommen, es schon immer wieder schwer. Aber es macht auch Spaß, weil so richtig wütend sein darf man ja als Sopran selten", sagt sie

Das darf Gloria Rehm aber jetzt - in der berühmten Rache-Arie der Königin der Nacht.

Bericht: Dorothee Ott

Sendung: hr-fernsehen, "Hauptsache Kultur", 29.11.2018, 22:45 Uhr