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zum Video Julia Finkernagels Reisebuch "Ostwärts"

Sie liebt das Neue, das Andere, die Reisen in fremde Länder. Und sie begeistert sich für's Geschichtenerzählen. Beide Leidenschaften vereint Julia Finkernagel nun in ihrem ersten Reisebuch "Ostwärts" zur gleichnamigen TV-Serie.

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Buch:
Julia Finkernagel: "Ostwärts: Mit dem Rucksack von Leipzig in die Mongolei. Oder wie man mit den Händen Suppe isst, ohne sich nachher umziehen zu müssen"
240 Seiten, 16,00 €
Knesebeck Verlag, März 2019

Nächste Lesungen:
13.04.2019, Filmklubb, Offenbach
08.05.2019, Kino Hofheim

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Ganz weit weg. Hier ist Julia Finkernagel am liebsten unterwegs. Von Polen bis in den Kaukasus und immer weiter bis in die Mongolei. 15 Länder hat sie durchreist und eine Fernsehserie  daraus gemacht: "Ich mag das Fremde. Ich mag das kennenlernen, das mir nicht vertraut ist. Ich finde, man lernt immer etwas über sich selber. Man lernt so was über sich selbst, wenn man seine eigene Komfortzone verlässt. Und ich mag diesen Perspektivwechsel", sagt sie.

"Ich muss mich anpassen"

Zum Beispiel in der kirgisischen Steppe. Hier besucht Julia Finkernagel mit ihrer Dolmetscherin und dem Kamerateam Nomaden in ihrem Zuhause und packt – typisch für sie - mit an, schlüpft in die Rolle der kirgisischen Schwiegertochter. Schauen, genau beobachten, teilnehmen und nachempfinden, wie die anderen leben, das interessiert sie.

"Dann merkt man irgendwann, dass nicht die anderen anders sind, dass man da, wo man ist, selber anders ist. Und dann merkt man, ah, ich muss was lernen, ich muss mich anpassen, ja, ich muss Kartoffeln schälen, ich muss den Mann bedienen. Das ist halt eine andere Messlatte. Ich kann nicht meinen Kriterienkatalog anlegen in einem anderen Land", so Finkernagel.

Gastfreundschaft als außergewöhnliches Erlebnis

Seit sieben Jahren lebt Julia Finkernagel in Offenbach. Sie mag diese Stadt wegen der vielen Nationen, die hier leben. Auch hier macht sie überraschende Entdeckungen. Die größten Zitronen Hessens zum Beispiel, ein Import aus Italien: "Lustige Sachen, skurille Sachen, komische Sachen passieren - manchmal auch tragische Sachen. Überall stecken Geschichten drin. Und ich habe das Gefühl, es ist meine Aufgabe, diese Geschichten zu entdecken. Und dann auch zu erzählen. Das macht mich glücklich und ich glaube, das würde ich auch als Leidenschaft bezeichnen", sagt sie.

Diese Leidenschaft findet sich jetzt in ihrem Buch "Ostwärts". Darin scharfsinnig beobachtete und launig beschriebene Abenteuer,  anrührende und verblüffende Begegnungen mit Menschen. Die Autorin stellt ihr Buch in Offenbach vor. Und entführt ihre Gäste nach Georgien. "Hier gilt das Sprichwort: Jeder Gast ist ein Geschenk Gottes. Die Georgier nehmen das wörtlich", erklärt sie.

Hier kennt die Gastfreundschaft keine Grenzen und – es kommt wie es kommen muss: Einer geht doch noch. Am Ende bekommt Julia sogar noch Wegzehrung mit. Diese Herzlichkeit. Die lässt sie auch über das Leben zuhause in Deutschland nachdenken.

"Die Gastfreundschaft in den ganzen Ländern, in denen ich war, die ist berührend und ist auch in bisschen beschämend, weil man sich dann auch an sich selbst erinnert. Da klingelt jemand, der nicht angemeldet ist und man denkt sofort: Ich hab nicht geputzt, ich hab auch nix im Kühlschrank. Ach, es ist ganz unordentlich hier. Es ist in Deutschland immer so, wenn ich jemand besuche, da ist das Erste, was ich höre. Ich hab nicht geputzt", so Finkernagel.

Aus dem Flughafenmanagement raus in die Welt

Früher hat Julia Finkernagel am Frankfurter Flughafen gearbeitet. Sie hatte Kommunikationsdesign studiert und war hier im Management. Ein toller Job. Sie mochte ihre Arbeit. Warum hat sie das aufgegeben? "Manchmal frage ich mich das auch. Es musste einfach sein. Es war so ein Ruf. Es war so ein Ruf in die Ferne, ins Unbekannte. Zu gucken, was gibt‘s denn noch da draußen."

Am Flughafen nahm sie sich zunächst ein Sabbatjahr und ging auf Reisen. Immer wieder schickte sie originelle Reiseberichte an Freunde, die sie weiterverbreiteten. Schließlich wurde eine Redakteurin vom MDR auf sie aufmerksam. Und: Julia Finkernagel ergreift ihre Chance. Die Reisereportagen und ihr Buch leben von ihrer Spontaneität und ihrer Bereitschaft sich einzulassen. 

"Es macht mich offener, es macht mich toleranter", sagt sie. "In dem Moment, wo ich ins Ausland gehe und diesen Perspektivwechsel einnehme und sehe, wie ist dort das Leben, wie fühlt es sich an, wie sind die Leute so. Da nehm ich mir immer davon ein Stückchen mit nach Hause. Das verändert mich. Das kann ich auch nicht ablegen. Und das ist das, was ich wahnsinnig bereichernd finde, wenn ich auf Reisen gehe und wenn ich meine Reisegeschichten erzähle."

Bleibt noch zu klären, wie man Suppe mit den Händen isst, ohne sich nachher umziehen zu müssen. Julia Finkernagel erklärt's mit Plov, einem kirgisischen Reisgericht: "Da greift man da rein, dreht das um und dann schiebt man mit dem Daumen das in den Mund und da geht kein Reiskorn daneben und es gibt ein Zeichen. Wenn die so machen - Plov. Was gibts heute? Plov. Dann wissen alle:  Plov."

Und Wie geht es jetzt weiter? Vielleicht noch einen Film drehen oder ein weiteres Buch schreiben? Auf alle Fälle: Geschichten erzählen.

Also: Gute Reise!

Autor: Uli Zimpelmann

Sendung: hr-fernsehen, "hauptsache kultur", 04.04.2019, 22:45 Uhr