Video

zum Video as äre enn...: Wie Wortjongleur Marcus Jeroch uns vor Ohren führt, was Sprache mit uns macht

Ob im Tigerpalast in Frankfurt oder mit seinen Soloprogrammen - Marcus Jeroch jongliert mit Buchstaben und Worten wie kein anderer. Silben tauschen, absurder Humor, Doppeldeutiges und Poetisches – all das beherrscht Marcus Jeroch und hat damit schon mehrere Bühnenpreise gewonnen.

Weitere Informationen

Marcus Jeroch: "Schöner denken"
21.2. Bad Soden
3.3. Marburg
Frankfurt, Tigerpalast 10. 02., 06.03.

Ende der weiteren Informationen

Er spielt mit Buchstaben und Worten: "Weib" – "Leib" – "Weiblein mein." Ob für uns auf der Straße oder im Frankfurter Tigerpalast. Marcus Jeroch ist Deutschlands bekanntester Wortjongleur und er lässt uns die Poesie in der Sprache wiederentdecken. Im Tigerpalast führt der gebürtige Hamburger regelmäßig als jonglierender Conférencier durch den Abend. Und begeistert mit poetisch-absurden Texten:"Meine Damen und Herren, was geschieht, wenn wir nicht alle Buchstaben, die uns zur Verfügung stehen, verwenden? Wir sind trotz_em trotz _es Fehlens in _er Lage, unsere Ge_anken un_ I_een mitzuteilen. _as aber ist, _enn ein z_eiter Buchstabe fehlt? Un_ _ann ein _eie_rer, ein _ri__er?"

"Poe-Ich, Poe-Du, Poe-Er, Poe-Wir, Poe-Ihr, Poe-Sie!"

Aufwärmen vor der Show. Marcus Jeroch lässt uns hinter die Kulissen blicken: "Hallo! ….Ja, das ist mein Efeu. Das ist ein bisschen Natur in der Garderobe. Hübsch. Da sind wir irgendwann draufgekommen, dass man hier einen Knoten macht, sonst stößt man hier dagegen. Aber jetzt ist es wunderschön."

Die Schönheit im Alltäglichen aufzeigen, auch in der Sprache: Darum geht es Jeroch in seinen Shows. Seine Sprachspiele sind oft nicht gleich zu verstehen, ein bisschen muss man nachdenken. Das liegt auch an den Texten. Gerne zitiert er seinen Lieblingsautor: den Dichter Friedhelm Kändler, den er persönlich kennt. Über diese Texte wollen wir mit dem Wortjongleur reden – da kommt sie uns schon wieder dazwischen: "seine" Poesie: "Vielleicht ein Gedicht, das geht so. Poe-Ich, Poe-Du, Poe-Er, Poe-Wir, Poe-Ihr, Poe-Sie!"

"Ich stelle immer wieder fest, das mag ja schwierig sein, aber das ist ja gerade das, was es schön macht. Die Menschen freuen sich, wenn sie etwas Schwieriges geknackt haben", sagt er. "Angefangen hat das Ganze eigentlich mit Jonglieren. Ich habe kurz was studiert, dann wollte ich Straßenjongleur werden. Das hat sich ergeben, weil ich in Berlin war, und da habe ich selbst Straßenjongleure gesehen. Habe selbst vorher für mich ein bisschen jongliert und das war so ein komischer Moment, wo ich eigentlich für mich wusste, das will ich machen. Ich habe bestimmt so acht Stunden am Tag vier Jahre lang trainiert. Ich bin einfach immer rein in den Trainingsraum und dann abends wieder raus aus dem Trainingsraum."

"Sag es anders – sag es per Vers!"

Für seine Wortjonglagen hat Marcus Jeroch schon viele Preise gewonnen, jetzt will er auch mit Lesungen begeistern. Wie hier bei "Buch und Wein" in Frankfurt. Texte von Friedhelm Kändler. Um dessen Gedichte herauszugeben, hat er sogar einen eigenen Verlag gegründet. Was fasziniert ihn an dem Autor? "Ich liebe einfach die Sprache und die Poesie und die Art und Weise, auch die Formen, die in der Sprache entdeckt werden von Friedhelm Kändler. Das ist eben das, was Poesie möglich macht, dass man eben in diese Welt dann eintaucht und dabei irgendetwas denkt", sagt er.

Und so liest er: "Im Frühling kehr'n die Kräfte wieder. Die Menschen schreiben schmutz'ge Lieder. Die Triebe sind reanimiert – das ist mir Freitag so passiert." – "Es sprach der Hahn zum Wasserhuhn – lass es uns im Wasser tun!" – "Sag es anders – sag es per Vers!"

Und die Zuschauer sind begeistert: "Wie er mit Worten und mit Buchstaben, mit diesen Dingen jongliert, das ist schon fantastisch." – "Das ist mal was zum Nachdenken, das kommt erst, wenn man nach Hause fährt. Dann denkt man noch mal drüber nach,  was gesagt wurde, da bleibt was hängen."

"Gedicht: Willst Du Liebe? Dann Ge'dicht"

Es soll auch was hängen bleiben, gerade weil Sprache wieder eine Kampfzone wird. Verkürzungen, Vereinfachungen, simple Erklärungen. Auch Jeroch bemerkt diesen Missbrauch: "Das ist halt einfach eine Tendenz, die es vielleicht heutzutage gibt, dass man wirklich verkürzt spricht oder verkürzt schreibt. Weiß ich nicht – diese verschiedenen Dienste, die man da benutzt, ich auch. Ist doch wunderbar, wenn man kurz was schreiben kann und ein Foto dazu. Führt aber eben schon dazu, dass weniger Sorgfalt bei der Sprache verwandt wird. Und ich glaube, das reicht, wenn man das einfach hört, wenn man die Poesie wahrnimmt und auf die Weise kann man dem entgegenwirken. Das ist schön, wenn es gelingt."

Und so sagt er im Tigerpalast: "Ich geb Ihnen noch ein kleines Gedicht mit auf den Weg: Gedicht: Willst Du Liebe? Dann Ge’dicht."

Bericht: Dorothee Ott

Sendung: hr-fernsehen, "hauptsache kultur", 07.02.2019, 22:45 Uhr