Eingeimpft Filmstills

Video

zum Video Eingeimpft – Der Streit ums richtige Impfen

Ein Kind kommt zur Welt. Aber die Eltern streiten: Die Mutter will Töchterchen Zaria nicht impfen lassen – gegen den Willen des Vaters. Der gibt zunächst nach, nimmt sich aber vor, die Impfentscheidung besonders gründlich zu prüfen. Der Vater ist der hessische Filmemacher David Sieveking – der daraus einen spannenden Dokumentarfilm drehte.

Weitere Informationen

"Eingeimpft" ab dem 13. September im Kino

Ende der weiteren Informationen

Eigentlich könnte alles so friedlich sein bei David Sieveking, seiner Partnerin und der gemeinsamen Tochter. Wäre da nicht das Thema Impfen, das das noch junge Paar entzweit. Eine Szene aus Sievekings neuem Film: "Ich finds ganz schwierig. Dass David sich impfen lässt, finde ich vernünftig. Aber bei ihr weiß ich es nicht."/ "Soll ich das so verstehen, dass ihr Euch da nicht wirklich einig seid? Ähm, es ist so, dass ich es lieber nicht machen würde, David es aber vernünftig findet, es zu machen."

Und so verschiebt das Paar die Impfung immer weiter. Dieser Konflikt ist der Ausgangspunkt von "Eingeimpft". Ein Dokumentarfilm mit Streitpotential. Drei Jahre lang hat der gebürtige Friedberger Sieveking an seinem autobiografischen Film gearbeitet. Doch warum denkt er, dass sein persönlicher Impfstreit auch andere Zuschauer interessiert?

"Ich habe dann gemerkt bei Gesprächen auf Spielplätzen, dass das auch für andere Eltern ein heißes Eisen ist, dass darüber richtig ja diskutiert wird, stark polarisiert gesprochen wird", so Sieveking.

Furcht vor Impfstoffen

Das Thema Impfen löst viele Emotionen aus. Auch, weil die eigene Impfentscheidung ja  Folgen für andere hat und Infektionskrankheiten wie die Masern dann wieder ausbrechen können. "Ich finde es total einfach zu sagen, ich lasse mein Kind jetzt nicht impfen, aber ich profitiere von all denen, die trotzdem impfen, ich profitiere einfach effektiv davon, weil wenn alle aufhören zu impfen, dann - das geht einfach nicht./Ich seh es differenziert, man muss sich die Sachen genau anschauen./Das heißt, ihr impft nicht gegen Masern, Tetanus, Diptherie und Polio ? Bis jetzt nicht./Ok./Ja. Genau, bis jetzt nicht" – ein Dialog im Film.

Das Paar streitet schon über das Impfen, als Zaria noch ein Baby ist. Denn Jessica hat durch eine eigene, schlechte Impferfahrung von Anfang an Bedenken, ihrer gesunden Tochter Krankheitserreger zu spritzen. Außerdem fürchtet sie die Wirkverstärker in einigen Impfstoffen: "Es ist Aluminium, Metalle, die du in das Baby reinspritzt/Aber ne geringe Dosierung/ja, das finde ich aber scheiße. Ich will, dass das Kind metallfrei bleibt. Ich find das kacke. Da hab ich Angst vor. Ich liege Nächte davon wach. Ich könnte weinen. Ich will nicht so ein Metall in sie reinspritzen."

Um herauszufinden, ob es seriöse Argumente für Jessicas Skepsis gibt, und für den lieben Frieden, fängt Sieveking an zu recherchieren. Er besucht renommierte Institute, spricht mit Impfkritikern wie Experten der Pharmaindustrie. Und er erfährt so einiges. Etwa, dass es Lebend- und Totimpfstoffe gibt. Dass Totimpfstoffe, damit sie besser wirken, mit Wirkverstärkern versetzt werden. Und dass diese Aluminiumsalze im Verdacht stehen, unerwünschte Nebenwirkungen hervorzurufen, was aber wissenschaftlich nicht erwiesen ist.

Heftige Kritik

Weil der Film impfkritischen Ansichten und wissenschaftlichen Erkenntnissen gleichermaßen Raum lässt, wird er von vielen scharf kritisiert. Die Medizinerin Natalie Grams hat sogar eine eigene Internetseite erstellt, um vor dem Film zu warnen und über das Impfen aufzuklären: "Der Film verunsichert, zwischen den Zeilen streut er große Zweifel und Ängste, irrationale Ängste am Impfen. Er verunsichert. Und ich würde befürchten, dass junge Eltern gerade aus dem Film gehen und über das Impfen neu nachdenken, aber nicht im Sinne einer aufgeklärten guten Weise, sondern dass sie Angst davor bekommen", sagt sie.

David Sieveking fühlt sich von der teils heftigen Kritik an seinen Film überrollt. "Ich hätte jetzt wirklich nicht gedacht, dass ich sozusagen so verdammt werde und in eine Ecke gestellt werde mit gefährlichen Impfgegnern, die sozusagen überhaupt Krankheitserreger leugnen und so weiter, denn mein Film ist einfach ein autobiografischer Bericht, aus dem Leben gegriffen, und ist keine wissenschaftliche Abhandlung", rechtfertigt er sich.

"So ein bisschen nach Pipi Langstrumpf-Manier"

Sieveking schildert alles aus einer freundlich-naiven Erzählhaltung heraus. Normale Supermarkt-Besuche kommen genauso vor wie die ungeliebten Termine beim Arzt. Ein wichtiges Erlebnis für Sieveking bei seiner Impfsuche: eine Reise nach Guinea-Bissau. Hier begleitet er einen dänischen Forscher. Peter Aaby zufolge stärken Lebendimpfstoffe die Körperabwehr insgesamt, während Totimpfstoffe eher schaden würden. Kann hierin eine Lösung für das Impfdilemma stecken?

"Ich finde es perfide, dass der Herr Sieveking ja immer wieder betont, er sei keine Experte und der Film würde keine Impf-Empfehlungen aussprechen. Aber ich denke doch, die Botschaft des Films ist, mach es wie du willst, halte dich nicht an die Experten, halte dich nicht an die zuständige unabhängige Impfkommission, sondern mach es so ein bisschen nach Pipi Langstrumpf-Manier", kritisiert Grams.

"Es ist nicht so, dass ich mir die Welt so gemacht habe, wie ich will, sondern ich habe Wissenschafter aufgesucht, und jetzt zu sagen, es sei unwissenschaftlich, unsachlich, ist einfach mal eine Lüge", so Sieveking.

"Eingeimpft" ist eine Mischung aus einer persönlichen Familiengeschichte und der Suche nach alternativen Impfmethoden. Unterhaltsam allemal. Doch diese Vermischung birgt auch eine gewisse Gefahr. Ein Film, der noch für viele Diskussionen sorgen wird. Nicht nur unter Ärzten.

Bericht: Grete Götze

Sendung: hr-fernsehen, "hauptsache kultur", 13.09.2018, 22:45 Uhr