"Tatort - Der Angriff" - Setfotos
Spielen zwei alte Freunde, die von einer Art Gewalt-Apokalypse heimgesucht werden: Peter Kurth und Ulrich Tukur. Bild © Sonja Fouraté (hessenschau.de)

Action im Wetteraukreis: In einer ehemaligen US-Kaserne in Friedberg vor den Toren Frankfurts wird gerade der neue "Tatort" mit Ulrich Tukur gedreht. Als Vorbild dient ein Hollywood-Klassiker.

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Es geht ans Eingemachte. Der nächste Tukur Tatort wird ein Action Thriller. Dicker Kunstnebel, schwere Waffen und gefährliche Stunts. Auf dem Filmset wird mit allen Tricks gearbeitet. Kommissar Murot kommt ordentlich ins Schwitzen. "Es ist anstrengend", sagt Murot-Darsteller Ulrich Tukur. "Ich weiß gar nicht, wie viel Stunden es sind. Es sind zehn, elf, zwölf Stunden mitunter und es ist sehr körperbetont, ich werde durch den Raum geschleudert und muss unter Leichen herumrobben, und wir kämpfen ums Überleben in einer geschlossenen Polizeistation, die eigentlich ein Polizeimuseum ist. Wir werden angegriffen von finsteren Wesen, Avataren, Islamisten, Nazis, man weiß es nicht genau und es ist schon sehr anstrengend."

Hollywoodstoff für Offenbach

Wir sind in Friedberg- in einer stillgelegten US Kaserne hat das Tatort Team ein Filmset geschaffen. Ulrich Tukur alias Kommissar Murot nimmt uns mit hinter die Kulissen. Drei Wochen lang wurde ein altes Gebäude entkernt und zu einer Polizeiwache umgebaut. Tankstelle, Polizeihäuschen, Transportautos – alle Requisiten extra für den hr-Tatort auf Krimi getrimmt.

Die Geschichte spielt in einer stillgelegten Polizeiwache, jetzt ein Museum. Kommissar Murot besucht dort einen alten Kollegen. Dabei gerät er in einen Hinterhalt. Regieanweisung für den Kommissar – wie soll er die Knarre halten. "Soll ich Ihnen mal die Wahrheit sagen. Ich mag das gar nicht. Das Schießen mit Waffen nicht. Das ist unheimlich. Ich weiß, dass die tendenziell dazu da sind Körper und Leiber zu zerfetzen und zu töten. Und auch diese Position. Ich finde das lächerlich und unangenehm", so Tukur.

Pech für den Schauspieler. Denn hier wird viel geballert. Regisseur Thomas Stuber verwandelt einen Hollywood Thriller in einen modernen Tatort. Die Vorlage: "Anschlag bei Nacht" von Kultregisseur John Carpenter aus dem Jahr 1976. Die Handlung, ursprünglich in Los Angeles, wird jetzt ins hessische Offenbach verlegt. Die Story fast identisch – aber bei Regisseur Thomas Stuber sind die Angreifer keine brutalen Gangs, sondern zombiehafte Wesen.

"Das sind nicht die typischen Beinnachschleifenden, halbgesichtsoffenen Zombies. Der Film kommt sehr realistisch daher. Alles was diese Menschen, diese Angreifer machen, sie reden nicht, sie sind seltsam emotionslos. Und darum geht es: um eine ganz existentielle, realistische Geschichte von diesen Menschen, die in dieser Wache eingepfercht sind und nicht wissen, wer sie da draussen angreift. Und das ist das sehr spannende", so Stuber.

Alles hausgemacht

Thomas Stuber hat schon viele Filme gemacht und sogar den deutschen Fernsehkrimipreis gewonnen. Nun arbeitet er sich akribisch Szene für Szene durch das Drehbuch – das er selbst geschrieben hat. Den kompletten Tatort produziert der hr übrigens in Eigenregie, baut die Kulissen, stellt die Technik, hat das Team und die Ausrüstung.  

"Normalerweise arbeitet man mit einer externen Produktionsfirma, aber beim hr ist alles integriert. Das hat sehr viele Vorteile. Die Wache, die wir da hingestellt haben, und die Umsetzung, das geht nur mit dem hr, habe ich das Gefühl, mit der Baubühne, so eine Größenordnung für ein Fernsehspiel zu bauen. Ist mein Eindruck", so Stuber.

Mit Preisen ausgezeichnete Fernsehfilme

Aufwändige Kulissen, besondere Spezialeffekte, eine ungewöhnliche Bildsprache, die Tukur-Tatorte sind immer etwas anders als normale Fernsehkrimis. "Im Schmerz geboren" hieß die Produktion aus dem Jahr 2015, angelegt als klassisches Drama. Und dafür gab es die Goldene Kamera und den Grimme Preis. Überhaupt werden die extravaganten Tatort-Produktionen mit Preisen ausgezeichnet, auch wenn sie die Fans polarisieren. In den Drehpausen entspannt sich Tukur von den Strapazen. Er schreibt gerade an seinem ersten Roman. Es wird kein Krimi!

"Dass da wirklich die Fetzen fliegen"

Draußen im Hof – in sicherer Entfernung werden die Spezialeffekte vorbereitet. Für die vielen Schießereien und Actionszenen wurde eigens ein Special Effects Koordinator engagiert. "Wir haben viel mit Blut, wir haben Einschießungen am Körper, wir haben auslaufendes Benzin, das sich entzündet, wir haben dann später die große Explosion. Also im Prinzip ist ganz viel dabei", erklärt Special Effects Koordinator Sven Kühn.

Vorbild Hollywood - die Grenze zwischen Fernsehen und Kino verschwimmt. Kein gewöhnlicher Fernsehkrimi: "Der wird anders. Der wird definitiv anders. Der wird hochspannend. Es sind auch wieder viele Zitate drin, wie in den anderen Filmen auch. Aber ich glaube, dass der ganz toll werden kann, der ist etwas, was man ganz selten machen kann. Dass da wirklich die Fetzen fliegen und man da wirklich Angst kriegt", glaubt Tukur.

Sicher nichts für schwache Nerven. Die Bilder sind inzwischen alle im Kasten, als nächstes geht es in den Film-Schnitt. Und bis zur Ausstrahlung 2019 bleibt der neue Tukur-Tatort Top-Secret.

Bericht: Jan Tussing

Sendung: hr-fernsehen, "hauptsache kultur", 20.09.2018, 22:45 Uhr