Jugendliche in Cabrios
Szene aus "Generation Wealth" Bild © jip film & verleih

Es ist eine Welt der obszönen Dekadenz: kleine Kinder, die bei "Prinzessinnen"-Schönheitswettbewerben um hohe Geldpreise gegeneinander antreten. Millionäre, die aus Geltungsstreben ein neues Versailles erbauen wollen. Banker, die sich überlegen, welche Jacht sie als nächstes kaufen. Der Dokumentarfilm "Generation Wealth" zeigt, was passiert, wenn normale Menschen diesen krankhaften Idealen nacheifern wollen.

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"Generation Wealth"
Regie: Lauren Greenfield
Läuft aktuell im Kino

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Es gibt Filme, die schauen wir mit offenem Mund. Staunend. "Generation Wealth" ist so einer. Er zeigt die Exzesse des Kapitalismus. Und umkreist den einen Punkt, an dem Reichtum obszön wird und dekadent. Wie im alten Rom. Eine Kultur im freien Fall.  "Es ist kein Film über Reichtum, sondern über das Reich-sein-wollen.  Und wenn man Dinge will, dann will man immer mehr", erklärt Regisseurin und Fotografin Lauren Greenfield.

Sie hat erst ein Buch und  nun einen Dokumentarfilm veröffentlicht über die Schönen und die Reichen. Die schillerndste Figur ist ein Hesse: Börsenspekulant Florian Homm, der in den USA Karriere machte. Mit 600 Millionen Euro auf dem Konto.

Königsklasse der Selbstvermarktung

"Wir haben den Sinn für die Realität  und unseren  Wertekanon aus den Augen verloren – dass man hart arbeitet, dass man seine Schulden abbezahlt, dass man diszipliniert ist. Und dass man spart, damit es die Kinder einmal besser haben. Stattdessen geht es heute nur darum, möglichst schnell reich zu werden, eine Bling Bling-Kultur, die Narzissmus und 'celebrity' betont. Der soziale Aufstieg ist eine Illusion:  Es gibt ihn gar nicht.  Die Konsequenz:  Du musst nicht reich werden, Du musst bloß so aussehen", so Greenfield.

Es sind skurrile und krasse Geschichten, die Greenfield zusammenträgt. Handtaschen für 20.000 Dollar. Es geht um Besessenheit und um Menschen, die jedes Maß verloren haben. Ein Ehepaar will das größte Haus Amerikas bauen. 8.000 qm, so riesig und prächtig wie Versailles. Es wird eine dekadente Bauruine. Und natürlich die Kardashians. Sie spielen in der Königsklasse der Selbstvermarktung. Heutzutage kann man mit Ruhm und Schönheit reich werden. Das weiß doch jedes Kind.

"In-vitro-fertilisations-Zyklus"

Lauren Greenfield selbst ging übrigens in Los Angeles auf dieselbe Privatschule wie Kim Kardashian. Sie erzählt, wie sie sich damals unter Hollywoods reichen Kids minderwertig fühlte. Ihr Vater sagt im Film: "Du hast versucht, Dich anzupassen im Hinblick auf Kleidung, damit Deine Freunde nicht sehen, was ich für ein Auto fahre."

Suzanne ist eine Getriebene: erfolgreich, süchtig nach Arbeit  und nach Botox. Sie steckt viel Geld in ihren Körper. Mit 40 merkt sie, dass irgendetwas fehlt. Sie sgat: "Und jetzt bin ich gerade in meinem In-vitro-fertilisations-Zyklus."

"Jeder wollte Donald Trump sein"

Es sind sehr amerikanische Geschichten. In einer Welt, in der der falsche Schein die Wirklichkeit überlagert, kann der Milliardär Donald Trump zum Präsidenten aufsteigen. Das war zwangsläufig, sagt Greenfield: "Die Armen und die Mittelschicht haben immer geglaubt, dass sie eines Tages reich sein werden. Genau das macht den Mythos vom amerikanischen Traum aus. Barack Obama hat früh erkannt, dass Donald Trump Macht hatte, weil jeder  Donald Trump sein wollte. Und wenn er es nicht  selbst  schafft, dann schaffen es seine Kinder."

Die Busfahrerin Cathy wollte schön sein, ließ sich immer wieder operieren – auf Pump. Im Film kann man sehen, wie einfache Menschen am amerikanischen Traum zugrunde gehen. Einem Ideal, dem auch hierzulande viele nacheifern – und scheitern. Cathy lebt heute in ihrem Auto.

Nicht alle fallen weich

"Einige meiner Protagonisten erleben extreme Abstürze. Aber wenn man ganz unten ist, hat man die Chance, anders zu handeln und sich zu ändern. Vielleicht ist das unser Weg", so Greenfield.

Auch Florian Homm ist abgestürzt. Wegen Wertpapierbetrugs kam er auf die FBI-Liste der meistgesuchten Verbrecher – und floh. Eine spektakuläre Flucht nach Italien, sechs Monate U-Haft, das war alles.  Heute lebt Homm wieder im Taunus und darf nicht ausgeliefert werden. Aber seine Frau ist weg. Sie wollte keine Luxusjachten mehr.

Leute wie Homm fallen weich - wenn sie fallen. Denen, die dem Geld nur hinterher hecheln können, ist das selten vergönnt.

Bericht: Teresa Corceiro

Sendung: hr-fernsehen, "hauptsache kultur", 07.02.2019, 22:45 Uhr